Qual der Blockade: Erinnerung an die Belagerung von Leningrad (BILDER)

Die Menschen in Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, verbrachten fast drei Jahre unter deutscher Belagerung. Am 27. Januar wird zum 75. Mal das Ende der Leningrader Blockade gefeiert.

Die Belagerung von Leningrad, der zweitgrößten Stadt der Sowjetunion nach Moskau, begann am 8. September 1941 und dauerte bis zum 27. Januar 1944. Zwischenzeitlich wurde die Blockade am 18. Januar 1943 teilweise durchbrochen.

Von der Außenwelt isoliert, fehlten der Stadt Lebensmittel und Treibstoff. Der Ladogasee wurde zur “Straße des Lebens” für das belagerte Leningrad: Er ermöglichte dringende Lieferungen im Sommer über das Wasser und im Winter über das Eis des Sees.

Die meisten Gebäude Leningrads wurden durch Luftangriffe und Artilleriebeschusse der Wehrmacht beschädigt, Tausende von Menschen wurden getötet und Zehntausende verwundet.

Die Lebensmittelmarken waren in der Stadt schon vor dem Kriegsausbruch eingeführt worden, um Lebensmittelvorräte gleichmäßiger zu verteilen. Bereits im Herbst 1941 spürten die Bewohner Leningrads die Nahrungsmittelknappheit. Trotz der eingerichteten provisorischen Krankenhäuser und Kantinen starben rund 780.000 Einwohner allein im ersten Winter der Blockade an Hunger und Kälte.

Durch Artilleriefeuer war die Wasserversorgung der Stadt teilweise gestört. Die Bewohner mussten daher das Wasser aus dem Newa-Fluss holen oder sie bedienten sich der gebrochenen Wasserleitungen unter den kaputten Straßen.

In den härtesten Wintertagen ohne Heizung schaltete man den Rundfunk an, um Nachrichten über die Außenwelt hören zu können.

Die Bewohner waren oft zu abgemagert, um auch nur kurze Strecken zurücklegen zu können. Viele waren durch Hunger ohnmächtig und starben an der Kälte gleich auf den Straßen. Die Leichen wurden dann abtransportiert.

Um die Moral und Stimmung der Stadtbevölkerung aufrechtzuerhalten, gab das Theater für Musikkomödie die Aufführungen auf der Bühne des Alexandrinski-Theater. Der berühmte sowjetische Pianist Dmitri Schostakowitsch schuf während der Belagerung seine weltbekannte 7. Sinfonie: Die Leningrader Sinfonie.

Am Stadtrand wurden Barrikaden errichtet, um Leningrad von allen Seiten zu verteidigen. Jeder hat seinen Beitrag dazu geleistet. Die Bewohner versuchten, ihre Stadt trotz der schwierigen Bedingungen von Schnee, Eis und Schmutz sauber zu halten.

Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, wurden in Waisenhäuser untergebracht. Falls es möglich war, wurden Schulklassen für sie organisiert. Aber oft halfen Kinder den Erwachsenen in Fabriken und montierten die Maschinengewehre für die Front.

Der einzige Weg über den Ladogasee, der Leningrad mit der Außenwelt verband, wurde Tag und Nacht für die Versorgung der Stadt genutzt. Im Sommer lieferten Boote die Nahrungsmitteln und im Winter fuhren Lastwagen über die gefrorene Oberfläche des Sees. Die Türen aller Fahrzeuge wurden entfernt, damit der Fahrer sich schnell retten konnte, falls der LKW durch das Eis bricht und sinkt.

Die Soldaten der Roten Armee trugen weiße Camouflage an den Frontlinien rund um die belagerte Stadt und an der gesamten Ostfront, um sich während der Wintermonate zu tarnen.

Es waren nicht nur Menschen, die Schutz benötigten. Mitarbeiter des berühmten Eremitage-Museums versteckten wertvolle Meisterwerke im Untergeschoss des Museums.

In der ganzen Stadt versuchten die Menschen sich vor Luftangriffen in Kellern zu verstecken.

Radiolautsprecher in den Straßen waren das Teil des Zivilschutzsystems. Sie warnten die Bewohner vor Artilleriefeuer. Der über die Lautsprecher übermittelte Sirenen-Ton bedeutete Fliegeralarm.

Artillerie- und Bombenschäden hinterließen furchtbare Löcher in den Gebäuden. Patriotische Plakate an den Fassaden von zerstörten Gebäuden sollten die Bewohner vor Gefahrenzonen warnen und die Zerstörungen teilweise verdecken.

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