Die sieben meistverehrten russischen Heiligen

gemeinfrei
Die russisch-orthodoxe Kirche kennt viele Heilige. Darunter sind nicht nur Mönche, sondern auch ein ruhmreicher Admiral und eine blinde Bäuerin.

Wie wird man ein orthodoxer Heiliger? Ein rechtschaffenes Leben voller Nächstenliebe ist die erste Voraussetzung. Und zudem muss der zukünftige Heilige tot sein.

Die russisch-orthodoxe Kirche kann einen gerechten Menschen, der die Orthodoxie gelebt und verbreitet hat, Gott treu gedient, Wunder gewirkt hat oder als Märtyrer gestorben ist, heilig sprechen.

„In der russisch-orthodoxen Kirche sind Heilige diejenigen, die sich von der Sünde befreit und die göttliche Gnade durch den Heiligen Geist empfangen und Seine Macht in unserer Welt manifestiert haben“, erklärt (rus) Archimandrit Tichon Sofijtschuk, Vorsitzender der Kommission für die Heiligsprechung der Diözese Kiew.

Über 2.500 Heilige (rus) kennt die russisch-orthodoxe Kirche inzwischen. Einige sind sehr bekannt, andere nur wenig. Wir stellen ihnen einige dieser Heiligen vor. 

Sergius von Radonesch (gestorben 1392) 

Der Mönch Sergius von Radonesch lebte zu einer Zeit, als das Konzept von Russland noch nicht existierte - im 14. Jahrhundert, als Dutzende Fürstentümer im heutigen westlichen Teil des Landes um die Vorherrschaft kämpften.

Bruder Sergius hatte eine große Autorität. Er war der erste Älteste in der russischen Geschichte, der als einfacher Mönch starb, der aber dennoch Ratgeber für die Herrschenden war. Sergius gründete das größte russisch-orthodoxe Kloster, das Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Possad

Er segnete den Moskauer Großfürsten Dmitri Donskoi vor der entscheidenden Schlacht gegen die Tataren auf dem Feld von Kulikow, die einer der bedeutendsten Ereignisse in der russischen Geschichte war. 

Der selige Basilius (1468 - Mitte des 16.Jahrhunderts)

Die orthodoxe Kirche hatte großen Respekt vor den sogenannten Narren in Christo, die verrückt waren oder es nur vorgaben, und sich leidenschaftlich für den Glauben und Gott einsetzten. 

Der selige Basilius trug stets Lumpen und war nicht sesshaft, dennoch war er in ganz Moskau bekannt und wurde verehrt. Man glaubte, er könne die Zukunft vorhersehen. Er verfluchte gnadenlos alle Sünder und sogar Iwan der Schreckliche fürchtete ihn. 

Nach seinem Tode wurden Basilius’ sterbliche Überreste in der Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale auf dem heutigen Roten Platz beigesetzt. Inzwischen ist diese Kirche besser bekannt als Basilius-Kathedrale. 

Xenija von St. Petersburg (Anfang/ Mitte des 18. Jahrhunderts – 1803)

Xenija von Petersburg war ebenso wie der selige Basilius nicht von dieser Welt. Nach dem Tode ihres Mannes soll sie seine Kleidung getragen haben, stellte sich mit seinem Namen vor und erzählte überall, dass nicht er, sondern sie gestorben sei. Xenija gab ihre gesamten Besitztümer den Armen und zog fortan um Almosen bittend in der Stadt umher. Nachts betete sie zu Gott.

„Für ihre großen Taten und ihre Geduld hat der Herr seine Auserwählte zu Lebzeiten verherrlicht. Gottes Dienerin Xenija erhielt die Gabe, die Zukunft vorherzusagen und in die Herzen der Menschen zu sehen“, bemerkt (rus) Schwester Taisia in der Hagiographie, der Beschreibung des Heiligenlebens von Xenija von St. Petersburg. 

Fjodor Uschakow (1745 - 1817)

Es ist unwahrscheinlich, dass der berühmte Marinekommandant Admiral Fjodor Uschakow jemals damit gerechnet hätte, fast zwei Jahrhunderte nach seinem Tod zum Heiligen zu werden. 

Während seiner gesamten Karriere erlitt Uschakow keine einzige Niederlage, verlor kein einziges Schiff und ließ niemals zu, dass ein Untergebener dem Feind in die Hände fiel. 

Dank Uschakow und seinem Genie beherrschte Russland das Schwarze Meer. Seine Verdienste waren sowohl geistlich als auch militärisch. Zum Beispiel kämpfte er gegen die unter den Seeleuten weit verbreitete Trinksucht,  gab sein gesamtes Vermögen für wohltätige Zwecke fort und verbrachte viele Stunden mit Beten im Kloster. Seit 2004 ist Admiral Uschakow der Schutzpatron der russischen Flotte. 

Seraphim von Sarow (1759 - 1833)

Seraphim von Sarow lebte sein Leben in freier Natur, im Wald. Dort suchten ihn dennoch Menschen aus ganz Russland auf, um Rat zu bekommen.

Die Verehrung von Seraphim von Sarow begann zu seinen Lebzeiten, aber erst 1903 wurde er auf Initiative von Nikolaus II. kanonisiert. Nikolaus hoffte durch diese Geste, das Geschlecht des nächsten Zarennachkömmlings beeinflussen zu können. Er war sich sogar sicher, wie Minister Sergei Witte schrieb (rus), dass  „Seraphim von Sarow Russland nach der Geburt der vier Großherzoginnen einen männlichen Erben geben würde“. Das nächste Kind des Kaiserpaares war in der Tat ein Junge. 

Johannes von Kronstadt (1829 - 1908)

Johannes von Kronstadt war kein Mönch, sondern ein Pfarrer. Er ließ sich in der Petersburger Vorstadt Kronstadt nieder, einer wahren Hölle, wo vor allem Hafenarbeiter, Kriminelle und Betrunkene lebten. Unter diesen schwierigen Umständen tat er alles, um den Glauben seiner Landsleute zu stärken. Er predigte, heilte Krankheiten und gab finanzielle Unterstützung. Er war eine Berühmtheit seiner Zeit.

Selbst Zar Alexander III. ließ ihn zu sich rufen, damit er ihm in seinen letzten Lebensstunden beistand. Bis zum Ende seiner Tage war Pater Johannes ein Anhänger der Autokratie und des rechten Konservatismus. 

Matrona von Moskau (1881 – 1952)

Die Bäuerin Matrona war von Geburt an blind und seit ihrem 16. Lebensjahr nicht mehr in der Lage zu gehen. Ihrer Hagiographie zufolge (rus) beklagte sie sich nie über ihr Schicksal, sondern trug das Kreuz, das Gott ihr auferlegt hatte, demütig. 

Matrone wurde häufig von orthodoxen Gläubigen aufgesucht, die Rat suchten oder sich Heilung erhofften. Matrona war Mitglied eines Laienordens und musste während der Sowjetzeit mit ihren Mitschwestern von Wohnung zu Wohnung ziehen, um einer Verhaftung zu entgehen, da die Ausübung des orthodoxen Glaubens verboten war. Am Ende ließ die sowjetische Regierung sie jedoch in Ruhe.

Diese blinde, rechtschaffene Frau ist nach wie vor eine der beliebtesten „Volksheiligen“ Russlands. Zu ihr beten die Menschen während einer Krankheit oder in schweren Zeiten. 

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