Fünf russische wunderbringende Ikonen

Wladimir Astapkowitsch/Sputnik
Das orthodoxe Christentum ist sehr einflussreich in Russland. Die Gläubigen haben viele Möglichkeiten, ihre Verehrung zu zeigen. Dabei spielen vor allem Ikonen eine Rolle: sie sind wunderschön, spirituell und wunderbringend (wie einige glauben). Sie können sogar das Land vor Feinden beschützen.

1. Gottesmutter von Wladimir

Eines der herausragendsten Beispiele für byzantinische Ikonenmalerei ist diese Ikone der Jungfrau Maria, an deren Wange sich das Jesuskind schmiegt. Diese Ikone kam im 12. Jahrhundert als Geschenk in die Rus. Der Patriarch von Konstantinopel gab sie einem russischen Prinzen. Die Ikone wechselte im Laufe der Geschichte mehrfach den Besitzer durch Kriege und Plünderungen und fand schließlich in der Stadt Wladimir ihr Zuhause.

1395 nahm Prinz Wassili von Moskau die Ikone mit in seine Stadt, weil er die Hilfe Gottes suchte. Denn in diesem Jahr hatte der mächtige und grausame Eroberer Tamerlane aus dem Mittleren Osten Moskau ins Visier genommen. Seine Heerscharen hätten die Russen wohl getötet und die Stadt niedergebrannt, doch die Moskowiter beteten zur Jungfrau von Wladimir. Tamerlane änderte seine Pläne und eroberte Moskau nicht. Für Gläubige ist dies der Verdienst der Jungfrau Maria.

In den Jahren 1451 und 1480 wiederholte sich das Geschehen: Moskau stand kurz vor einer Invasion durch die Mongolen, aber diese verzichteten am Ende auf den Kampf gegen die Russen. Die gläubigen Orthodoxen sind überzeugt, dass die Ikone ihre Stadt gerettet hat. Sie glauben, dass sie Wunder vollbringen kann.

Heute findet man die Ikone in der Sankt Nikolaus Kirche in der Nähe der Staatlichen Tretjakow Galerie in Moskau.

>>> „Stehen an der Ugra“: Wie Russland seine Unabhängigkeit erwarb

2. Gottesmutter von Kasan

Ja, die Russen lieben die Jungfrau Maria, also stellen wir hier eine weitere byzantinische Ikone von ihr vor. Im 15. Jahrhundert verschollen, tauchte sie 140 Jahre später, im Jahr 1579, nach einem Großbrand wieder in Kasan auf. Der Legende nach erschien die Jungfrau Maria dem kleinen Mädchen Matrona im Traum und forderte es auf, in der Asche nach ihrem Bildnis zu suchen. Das Mädchen tat wie ihm geheißen war und wurde später Nonne in dem Kloster, in dem die Ikone aufbewahrt wurde.

Ebenso wie ihre „Schwester” landete auch die Gottesmutter von Kasan später in der Hauptstadt. 1612 trugen die russischen Streitkräfte sie wie ein Schutzschild vor sich her, als sie gegen die Polen in die Schlacht um Moskau zogen – sie gewannen. Seitdem gilt die Jungfrau Maria von Kasan auch als Schutzpatronin Russlands.  

In 1904 geschah etwas Unfassbares: jemand stahl die Ikone aus dem Kloster in Kasan. Seitdem ist ihr Schicksal ungewiss. Doch es gibt eine hervorragende Replik des Vatikans, die um die Welt ging und von Papst Johannes Paul II. zurück an die Orthodoxen gegeben wurde.

Heute findet man die Replik im Bogoroditzki Kloster in Kasan.

>>> Schlacht von 1612: Wie die Russen ihre Hauptstadt befreiten

3. Dreifaltigkeitsikone von Andrei Rublijow

Dies ist die erste (und einzige) Ikone in dieser Vorstellung, die nicht die Jungfrau Maria zeigt und eine der wenigen, die dem großen russischen Ikonenmaler Andrei Rublijow zugeschrieben werden können, der im 15. Jahrhundert lebte. Um diese Ikone ranken sich keine Legenden. Sie gilt als unspektakulär und soll auch keine Wunder vollbringen können. Dennoch ist es ein wunderschönes Kunstwerk und ein Symbol Russlands.

„Dreifaltigkeit”, auch „Gastfreundschaft Abrahams” genannt, zeigt drei Engel, die laut der Bibel zum Haus Abrahams gekommen sind und für die Dreieinigkeit Gottes stehen, für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Die Ikone ist erstaunlich harmonisch und strahlt Ruhe aus. „Sie leuchtet in einem nahezu unwirklichen Licht, dass so nur große Künstler schaffen können”, sagt (rus) der russische Maler Igor Grabar über die Ikone.

Heute findet sich die Ikone in der Moskauer Tretjakow Galerie.

4. Theotokos-Ikone von Smolensk

Wie schon erwähnt, gibt es für die Russen gar nicht genug wunderbringende Ikonen der Jungfrau Maria. Diese hier soll angeblich vom Evangelisten Lukas gemalt worden sein und war im Jahr 1046 ein Hochzeitsgeschenk des byzantinischen Herrschers an Prinz Wsewolod. Durch dessen Hochzeit mit der Tochter des Herrschers von Byzanz wurde die Kiewer Rus zum mächtigen Verbündeten der orthodoxen Kirche.  

Aufbewahrt wurde die Ikone in Smolensk (400 Kilometer westlich von Moskau). Man glaubte fest daran, dass sie die russischen Ländereien vor Feinden aus dem Westen schützte. 1812, als Napoleon in Russland einmarschierte, brachte die Armee die Ikone nach Moskau und die ganze Stadt betete um Rettung.

Die Original-Ikone hielt einer anderen Invasion aus dem Westen nicht stand: während der Besatzung von Smolensk durch Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg von 1941 bis 1943 ging die Ikone verloren. Nun besitzt die Stadt lediglich noch eine hervorragende Kopie.

Heute findet man die Kopie in der Himmelfahrtkathedrale von Smolensk.  

>>> Kutusows Schachzug: Wie Moskau für Napoleon zur Falle wurde

5. Ikone Unsere Liebe Frau vom Don

Diese Ikone soll vom großen Ikonenmaler Theophanes dem Griechen, dem Lehrer Andrei Rubljows, stammen. Der Legende nach haben die Kosaken die Ikone Fürst Dimitri von Moskau übergeben, bevor dieser gegen die Mongolen in die siegreiche Schlacht von Kulikow gezogen ist. Auch wenn dies unwahrscheinlich ist, so hat auch die Ikone Unserer Lieben Frau vom Don ihren festen Platz als Beschützerin Russlands.

Die Ikone findet sich heute in der Moskauer Tretjakow Galerie.

>>> Die Schlacht bei Kulikowo: Die Russische Nation wird geboren

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen

Diese Webseite benutzt Cookies. Mehr Informationen finden Sie hier! Weiterlesen!

OK!