Der Vertrag von Portsmouth: War Russlands Niederlage im Krieg mit Japan so katastrophal?

Delegationen in Portsmouth

Delegationen in Portsmouth

Public Domain
Vor 115 Jahren, am 5. September 1905, wurde der Vertrag von Portsmouth zwischen dem Russischen Reich und dem Kaiserreich Japan unterzeichnet. Die Bedingungen waren jedoch viel weicher als es das besiegte Russland erwartet hatte.

1 Tatsächlich waren die Bedingungen es nicht so schlimm für Russland

Der russisch-japanische Krieg erwies sich als Katastrophe für das Russische Reich. Das Land konnte keine einzige große Schlacht gewinnen und erlitt Ende Mai 1905 in der Tsushima-Straße eine der schlimmsten Niederlagen seiner Geschichte. Alles deutete darauf hin, dass die Russen einen hohen Preis zahlen würden. Die Diplomaten des Zaren, angeführt von Sergej Witte, hatten jedoch eine feste Position und lehnten überraschenderweise die meisten Forderungen Japans ab. Tokio selbst hatte nicht mehr viel Ressourcen, um den Konflikt fortzusetzen, und war gezwungen, weniger von seinem besiegten Gegner zu verlangen.

Infolge der Verhandlungen gewährte Russland den Japanern „freie Hand“ in Korea, gab seinen Marinestützpunkt Port-Arthur auf der Liaodong-Halbinsel auf und trat nur Süd-Sachalin ab (nicht die ganze Insel, wie es Tokio forderte). Russland lehnte auch japanische Forderungen ab, seine Land- und Seestreitkräfte im Fernen Osten einzuschränken oder Kriegskontributionen zu zahlen.

„Niemand erwartete ein so angenehmes Ergebnis für Russland und die ganze Welt schrie laut, dass dies der erste russische Sieg nach mehr als einem Jahr Krieg und dauerhaften Niederlagen war“, schrieb Witte später in seinen Memoiren.

2 Der US-Präsident war Vermittler

Eine Karikatur zum Vertrag von Portsmouth, 1905.

Theodore Roosevelt wurde von den Japanern gebeten, Vermittler bei den Verhandlungen zu sein, da sie seine pro-japanische Position kannten. Als die Gespräche weitergingen, erkannte der amerikanische Präsident jedoch, dass das „Land der aufgehenden Sonne“ zu stark in der Pazifik-Region werden und sogar für die USA eine Bedrohung darstellen würde, wenn alle japanischen Forderungen akzeptiert würden. Roosevelt änderte seine Meinung und trug viel dazu bei, dass ein Vertrag mit milderen Bedingungen unterzeichnet wird.

3 Japaner waren über den Vertrag empört

Karikatur der Hibiya-Unruhen

Der Abschluss des Vertrags verursachte in Japan große Unruhen, die sogenannten Hibiya-Unruhen. Die Japaner waren besonders wütend darüber, dass ihr Land, obwohl es ein Gewinner war, weder Nord-Sachalin noch Kriegskontribution erhielt. Dabei litt die japanische Wirtschaft unter dem Krieg. 

Nachdem sich im Hibiya-Park in Tokio eine empörte Menschenmenge von rund 30.000 Protestierenden versammelt hatte, zerstörte sie die meisten Polizeistationen in der Hauptstadt. Infolgedessen wurden 17 Menschen getötet und fast tausend verletzt. Die Unruhen führten zum Rücktritt des Kabinetts von Premierminister Katsura Tarō.

4 Russland verlor sein militärisches Prestige

Der Vertrag von Portsmouth mag für Russland ein diplomatischer Erfolg gewesen sein, aber das Land hat viel auf der internationalen Ebene verloren. So begann auch das schwache China, das immer Angst vor seinem nördlichen Nachbarn hatte, Russland als „Papierdrachen“ zu betrachten. Niemand unter den Großmächten glaubte mehr daran, dass das Russische Reich und später die Sowjetunion im Fernen Osten noch über machtpolitisches Potenzial verfüge. Und tatsächlich war es nicht so. Russland war gezwungen, seine außenpolitischen Ziele von Ost nach West zu ändern, und konzentrierte sich zunächst auf Europa.

5 Die Sowjetunion rächte sich 40 Jahre später an Japan

Der Verlust im Krieg gegen Japan war ein bitteres Erbe für die Sowjetunion ihres Vorgängers - des Russischen Reiches. Der neue Staat musste sich an seinen Grenzen mit einer ständigen japanischen Bedrohung auseinandersetzen. Das Problem wurde erst 1945 gelöst, als die Rote Armee die Kwantung-Armee in der Mandschurei niederschlug. Der Vertrag von Portsmouth wurde am 2. September 1945, fast 40 Jahre nach Vertragsabschluss, beendet: Die Kapitulation des japanischen Reiches wurde unterzeichnet und die Sowjetunion erhielt anschließend Süd-Sachalin zurück.

>>> Vier Fakten über Russlands sieglosen Krieg gegen Japan

>>> Russisch-Japanischer Krieg: 15 Plakate zu Russlands katastrophaler Niederlage

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen

Diese Webseite benutzt Cookies. Mehr Informationen finden Sie hier! Weiterlesen!

OK!