Die Geschichte eines russischen Bauern, der 87 Kinder zeugte

Geschichte
WICTORIA RJABIKOWA
Bereits im 18. Jahrhundert stellte ein gewöhnlicher russischer Bauer zwei Weltrekorde auf, die bis heute bestehen: für die Anzahl der Kinder von zwei Frauen und für die Anzahl der geborenen Zwillinge.

Zwei Ehen und 35 Geburten

Fjodor Wassiljew wurde 1707 in die Familie eines Leibeigenen geboren, die dem Nikolo-Schartomski-Kloster in der Region Iwanowo gehörte. Nachdem er seine Kindheit im Dorf Wwedenje unweit des Klosters verbracht hatte, wurde er später in die Reihen der „staatlichen Leibeigenen“ (diejenigen, die Pflichten für den Staat trugen) versetzt und ließ sich auf dem Kufrino-Bauernhof in derselben Region nieder.

Im Alter von 18 Jahren heiratete Wassiljew zum ersten Mal. Der Name der ersten Frau ist unbekannt, aber Quellen deuten darauf hin, dass sie Walentina oder Feodora hieß. Sie lebten 40 Jahre zusammen. Von 1725 bis 1765 kam Wassiljews Frau 27 Mal nieder und brachte insgesamt 69 Kinder zur Welt: 16 Zwillingspaare, 7 Drillingspaare und 4 Vierfachpaare. Bemerkenswert für diese Zeit scheint es, dass nur zwei im Kindesalter starben, während der Rest bis zum Erwachsenenalter überlebte.

Nach dem Tod der ersten Frau heiratete der 58-jährige Fjodor im Jahr 1765 wieder. Seine neue Frau hieß Anna. Sie gebar ihm 18 Kinder: 6 Zwillingspaare und 2 Drillingspaare.

Einige der Kinder wurden an kinderlose Paare übergeben, um von diesen aufgezogen zu werden. Ein Teil der Familie zog nach Moskau und genoss die staatliche Schirmherrschaft, schrieb das britische Medizinjournal The Lancet im Jahr 1878. Wissenschaftlern zufolge könnte es heute bis zu 80.000 Nachkommen der Familie Wassiljew auf dem Planeten geben.

Ruhm und Audienz bei der Zarin

1782 erfuhr der Erzbischof von Wladimir von der ungewöhnlichen Familie, woraufhin er die Zarin Katharina die Große informierte. Sie empfing die Familie sogar persönlich, und Wassiljew wurde als deren Oberhaupt für seinen Beitrag zur Demographie des Russischen Reiches belohnt.

Ein englischer Händler, der damals in St. Petersburg ansässig war, erfuhr ebenfalls davon und informierte die britische Presse. So erschien 1783 ein Artikel über die Wassiljews in der britischen Zeitschrift The Gentleman’s Magazine.

Katharina erzählte sehr gerne über die Familie in ihrer Korrespondenz mit einflussreichen westlichen Persönlichkeiten. Der russische Historiker Iwan Boltin führte die Familie als Beispiel im Briefwechsel mit dem französischen Naturforscher Georges-Louis Leclerc 1788 an, als dieser behauptete, das russische Volk sei nicht fruchtbar.

Was sagen Wissenschaftler?

Genetiker sind der Auffassung, dass Fjodor Wassiljew ein Gen gehabt haben muss, das für erhöhte Fruchtbarkeit sorgte. Einige Wissenschaftler stellen jedoch die Glaubwürdigkeit von Wassiljews Geschichte in Frage. „Es klingt fantastisch. Ich meine, 69 Kinder? Komm schon!“ sagte James Segars, Direktor der Abteilung für Reproduktionswissenschaft und Frauengesundheitsforschung an der Johns Hopkins University, in einem Interview mit der BBC.

Dr. Jonathan Tilly von der Northeastern University stellte die Anzahl der Mehrlinge in Frage, da in jenen Tagen die Geburt eines einzigen Kindes ein schwieriger Prozess war. „Allein 16 Zwillingspaare? Ich bin schockiert “, kommentiert Tilly.

Laut Wissenschaftlern wären angesichts des Standes der Medizin im 18. Jahrhundert wahrscheinlich viel mehr Kinder bei der Geburt gestorben.

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