Französische Flagge spaltet russische Facebook-Nutzer

Viele Profilbilder von Facebook-Nutzern erscheinen in den Farben der französischen Flagge.

Viele Profilbilder von Facebook-Nutzern erscheinen in den Farben der französischen Flagge.

RBTH team
Nach den Anschlägen von Paris können Facebook-Nutzer ihre Profilbilder mit der französischen Nationalflagge hinterlegen. Das hat Empörung unter russischen Nutzern hervorgerufen, die eine solche Möglichkeit nach dem Absturz des Airbus 321 nicht hatten.

Unter russischsprachigen Facebook-Nutzern hat sich am Wochenende eine heiße Diskussion um eine neue Funktion von Facebook entbrannt. Das soziale Netzwerk hatte im Nachgang der Terroranschläge in Paris ein Template zur Verfügung gestellt, mit dem Nutzer ihre Profilbilder mit der französischen Nationalflagge als Zeichen der Solidarität hinterlegen können.

Der Vorwurf: Heuchelei und Doppelmoral

Ein Teil der Nutzer unterstellte Facebook eine Doppelmoral, denn weder nach dem Absturz der russischen Maschine A321 über dem Sinai noch nach dem Anschlag in Beirut einen Tag vor den Ereignissen in Paris hat es eine ähnliche Funktion gegeben.

„Ich sehe die Neuigkeiten meiner Freunde auf meiner Timeline und verstehe nicht, warum der Großteil seine Profilbilder in den Farben der französischen Flagge gefärbt hat (…) und nicht in die Farben Rumäniens, Russlands, Syriens oder der Ukraine“, schreibt beispielsweise Andrej Grigor aus Moldawien.

Andere Nutzer empfanden das Färben des Profilbilds als Heuchelei. „Öffentlich um die verstorbenen Franzosen trauern, ist genauso widerlich und unnatürlich wie das Trauern um einen fremden Opa auf einer Beerdigung, auf der man vor den Augen der ratlosen Verwandtschaft den traurigsten Menschen darstellt und Grimassen zieht. Eine aufrichtige und offene Trauer ist auf einer Beerdigung seiner Verwandten und Freunde angebracht“, empörte sich beispielsweise ein Nutzer namens Wladimir Koslowskij.

Einige hinterlegten aus Protest „gegen die Doppelmoral von Facebook“ ihre Profilbilder mit den Farben der russischen Flagge. Manche ersetzten ihr Profilbild mit dem Foto des „wichtigsten Passagiers“ der abgestürzten Airbus-Maschine – einem kleinen Kind. Sein Bild wurde in den russischsprachigen sozialen Netzwerken besonders oft geteilt.

„Es ist meine Wahl“

Die Gegenmeinung besteht darauf, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, wie er seine Trauer und Solidarität ausdrücken will. Die Veränderung des Profilbilds sei nur eine Möglichkeit und sie sei weder besser noch schlechter als andere.

Die russische Facebooknutzerin, Elena Bajmjaschkina, die ihr Profilbild geändert hat, stellt sich der Kritik im sozialen Netzwerk. „Mein Profilbild steht für Unterstützung, Solidarität und Trauer. Und das ist meine Wahl (kein Gruppenzwang, wie es manche bezeichnen). Als das Flugzeug über dem Sinai abstürzte, ging ich zur Kirche, betete und stellte eine Kerze auf. Auch das war meine Wahl“, schrieb sie auf Facebook.  

Ein weiterer Facebooknutzer, der Regisseur Sam Klebanow, drückte seine Verwunderung über den Streit auf Facebook aus: „Erstaunlich viele stellen die Trauer um die Opfer der gestrigen Angriffe und die Solidarität für Frankreich der Trauer um die Opfer des Flugzeugabsturzes gegenüber. Sagt mir bitte, darf man nicht beides vereinen? Wo seht ihr hier einen Widerspruch? Sind das zwei Konfliktparteien, die einen Krieg führen?“, fragte er auf seiner Facebookseite. Und weiter: „Wir sind sehr unterschiedlich und mögen einander vielleicht nicht (keiner wird gezwungen das Werk von Charlie Hebdo zu preisen), aber die religiösen Fanatiker, mit denen unsere säkulare Zivilisation zu tun hat, beachten diese Unterschiede nicht. Sie sind bereit jeden von uns umzubringen. Deswegen sind die für uns ein gemeinsamer Feind, und wir sind alle Verbündete in diesem Krieg.“ Sein Facebookpost fand mit über 15 000 „Gefällt mir“-Angaben und 2 400 Teilungen viel Zustimmung. 

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