200 Jahre Moskauer Geschichte in zehn Gemälden

Moskau wurde in vielen Bildern verewigt. Einige davon werden gegenwärtig anlässlich des 870. Geburtstags der Stadt in Gemäldegalerien gezeigt. Wir stellen die zehn eindrucksvollsten Werke vor.

Die Entwicklung Moskaus wurde insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert von zahlreichen Künstlern auf der Leinwand verewigt. So spiegeln sich alle Facetten der Stadt vom einfachen Holzhaus bis zur modernen Metrostation auch in der Kunst wider. Anlässlich des 870. Jubiläums der Stadt zeigen Ausstellungen in der Tretjakow-Galerie (08. September bis 21. Januar) und am Pretschistenskaya-Ufer (30. August bis 30. September; durchgeführt von der IN ARTIBUS-Stiftung) einige dieser Gemälde. Falls Sie in dieser Zeit nicht nach Moskau kommen, zeigen wir Ihnen hier die zehn eindrucksvollsten dieser Gemälde.

Vasili Surikow. Beleuchtung des Moskauer Kremls, 1883

Russlands berühmteste Sehenswürdigkeit begeistert mit majestätischen Toren, Ornamenten und dem bekannten Uhrenturm. Der größte Teil der Anlage wurde zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert errichtet und war schon damals dafür gemacht, Menschen zu beeindrucken. Dieses Ziel erfüllt der Kreml bis heute und dient nicht nur als das Machtzentrum Russlands, sondern auch als das Herz der Nation. 

Vasili Polenow. Hinterhof in Moskau, 1878

Heutzutage ist es schwer zu glauben, dass es in vielen Moskauer Bezirken noch vor nicht einmal 150 Jahren so aussah wie in einem kleinen Dorf. Doch selbst im Stadtzentrum fanden sich bis in die 1960er Jahre hinein Holzhäuser und Baracken. 

Aristark Lentulow, Basiliuskathedrale, 1913

Die Basilius Kathedrale ist neben dem Kreml vermutlich das bekannteste Symbol für Moskau und findet sich auf zahlreichen Postkarten und Souvenirs. Sie wurde zwischen 1555 und 1561 von Iwan dem Schrecklichen errichtet, um damit den Sieg über das Khanat von Kasan zu feiern. Einer Legende nach ordnete Iwan an, allen Architekten nach der Fertigstellung des Gebäudes das Augenlicht zu nehmen, so dass sie es nicht mehr anderswo nachbauen konnten.

Boris Kustodijew, Moskauer Traktir, 1916

Ein Traktir ist eine Art Motel mit einem kleinen und günstigen Café. Gäste konnten hier sowohl übernachten als auch Essen gehen. Da russische Aristokraten Restaurants bevorzugten, waren die Traktirs Orte für die ärmeren Bevölkerungsschichten, zumeist kehrten hier Kutscher oder Kleinbürger ein. Auf der Speisekarte fanden sich Gerichte wie Schtschi (Kohlsuppe) oder Sbiten (ein Getränk aus Honig, Wasser und Marmelade).

Alexander Labas, Metro, 1936

Die Moskauer Metro gibt es seit 1935 (damals gab es nur die rote Linie mit elf Stationen). Seitdem wird es stetig erweitert und ist heute eines der größten und meistgenutzten U-Bahnnetze der Erde. Es gibt momentan 206 Stationen, von denen 44 zum Kulturerbe zählen. Ein weiterer Ausbau ist geplant. 

Juri Pimenow. Das Neue Moskau, 1937

Dieses Gemälde entstand während Stalins großem Stadtumbau. Der Plan hierzu enthielt den Bau neuer Autobahnen und Metrostationen. 

Natalja Nesterowa, Gogols Haus, 1979

In diesem Haus am Nikitski-Boulevard verbrachte der Autor Nikolai Gogol zwischen 1848 und 1852 die letzten vier Jahre seines Lebens. Hier verbrannte er zehn Tage vor seinem Tode auch seine Manuskripte. Das Denkmal im Hinterhof wurde 1909 zum hundertsten Geburtstag des Autors errichtet. 1923 ließ Lenins Ehefrau Nadeschda Krupskaja das Haus zu einem Museum über Gogol umbauen.

Konstantin Dorokhow, Universität Moskau, 1953

Die Staatliche Moskauer Lomonossow-Universität wurde schon 1755 gegründet und ist somit eine der ältesten und größten Universitäten Russlands. Das im Gemälde abgebildete Hauptgebäude in den Spatzenbergen (Vorobjovi Gori) wurde allerdings erst 1953 fertiggestellt. Es ist eins der Symbole für den damaligen neuen sowjetischen Architekturstil.

Evgeni Oks, Straßen des alten Moskaus, 1960er Jahre

In den 1960ern wurde die Stadt Moskau deutlich erweitert. In den nahegelegenen Dörfern entstanden neue Siedlungen mit sogenannten Chruschtschewkas (niedrige Mehrfamilienhäuser). Das alte Moskau dagegen war nach wie vor von Holzhäusern geprägt, bei denen die Bäume die Dächer überragten.

Natalija Nesterowa, Petchatnikow-Straße, 1985

Dieses Haus mit seinen bekannten Karyatiden wurde nach der napoleonischen Invasion Russlands im frühen 19. Jahrhundert gebaut. 1896 kaufte es der Architekt Peter Sisojew (unter anderem auch am Metropol-Hotel beteiligt) und dekorierte es mit seinen Werken. Nachdem sich zu Sowjetzeiten in dem Haus Sozialwohnungen befanden, stand es nach dem Ende der Sowjetunion einige Zeit leer und verfiel zusehends. Erst 2013 wurde es von einem privaten Investor renoviert und in ein Bürohaus umgewandelt.  

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