Bluff? In Gent hängen Kandinsky-Gemälde, deren Echtheit Experten bezweifeln

Museum of Fine Arts, Ghent
Das Museum für Schöne Künste im belgischen Gent zeigt Gemälde, die von einem privaten Sammler verliehen wurden. Russische Experten bezweifeln, dass es sich dabei um Werke von Malewitsch, Kandinsky oder anderen Meistern handelt.

Glauben Sie wirklich, dass es möglich ist, dass ein russischer Emigrant und Kunstsammler eine angesehene Europäische Kunstgalerie hinters Licht geführt hat? Russische Kunstexperten würden die Frage mit „ja“ beantworten, da sie die Echtheit einiger Gemälde bezweifeln.

Im Oktober 2017 hat das Museum für Schöne Künste in Gent seine Kollektion erneuert und durch 20 Gemälde der russischen Avantgarde, die solchen großen Namen wie Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky, Wladimir Tatlin, El Lissitzky, Natalja Gontscharowa, Michail Larionow und anderen zugeschrieben werden, ergänzt. Die Meisterwerke, so heißt es, seien langfristig von der Dieleghem Stiftung des Kunstsammlers Igor Toporowski ausgeliehen.

Am 15. Januar 2018 veröffentlichte die Monatszeitung The Art Newspaper Russia (Kunstzeitung Russland) bezüglich dieser Gemälde einen offenen Brief in russischer Sprache, der viele Fragen aufwarf. In dem Brief, der von einer Gruppe russischer und internationaler Kunstexperten unterzeichnet ist, wird bedauert, dass die Website des Museums keinerlei Informationen über den Erwerb der Gemälde enthält. Darüber hinaus werden diese in keiner einzigen seriösen wissenschaftlichen Abhandlung erwähnt. Auch in Ausstellungen wurden sie noch nicht gezeigt, und Hinweise auf Käufe oder Verkäufe gibt es auch nicht.

"Es gibt zum Beispiel keinen Hinweis oder Bezug darauf oder gar Beweis dafür, dass Kasimir Malewitsch solche Gegenstände, wie zum Beispiel eine Truhe oder ein Spinnrad, jemals gemalt hat“, heißt es in dem Brief. Deshalb fordern die Experten, dass das Museum die Gemälde, solange bis deren Echtheit nicht zweifelsfrei geklärt ist, abhängen sollte, um Besucher nicht zu täuschen.

Die Direktorin des Museums Catherine de Zegher hat einer belgischen Zeitung gegenüber angekündigt, im Jahre 2018 noch mehr Gemälde der Dieleghem Stiftung auszustellen und „damit die Geschichte der russischen Avantgarde ganz neu zu schreiben“.

Die Gruppe der internationalen Kunstexperten hat inzwischen Zweifel angemeldet, dass de Zegher über die erforderliche Expertise als Kennerin der russischen Avantgarde-Malerei verfügt.

Gegenüber den Autoren der Website Artnet News (Neuigkeiten der Kunstszene) erklärte Igor Toporowski, dass er zu jedem Gemälde über eine Dokumentation zu dessen Herkunft und Geschichte verfüge sowie eine technische Beschreibung vorlegen könne und auch bereit sei, diese Unterlagen den Experten zur Verfügung zu stellen.

Er sagte, dass seine Frau Olga eine Verwandte von Anton Pewzner und Naum Gabo sei, die angeblich russische Malerei der Avantgarde gesammelt hätten. Allerdings erklärte, Naum Gabos Tochter gegenüber der Zeitung The Art Newspaper Russia, dass sie den Namen Olga Toporowski noch nie gehört habe und dass ihr Vater keine Gemälde der russischen Avantgarde in Russland zurückgelassen habe. Auch von allen anderen von Toporowski erwähnten Quellen fehlt jegliche Bestätigung.

Toporowski, der aus Unzufriedenheit über die Regierung von Präsident Putin im Jahre 2006 nach Belgien emigrierte, behauptete auch, dass er ein Berater von Michail Gorbatschow gewesen sei, was ein Sprecher der Gorbatschow-Stiftung dementierte.

Berichten zufolge soll Toporowski mehr als 300 russische Meisterwerke besitzen, was allerdings der russische Kunsthistoriker und Kurator Konstantin Akinschi, einer der Autoren des besagten offenen Briefes, bezweifelt, da er keinerlei Belege dafür finden könne, dass Toporowski jemals Gemälde in Russland gesammelt habe.

Soweit bekannt ist, arbeiten Toporowski und seine Frau an einer ständigen Ausstellung ihrer Gemälde in der Gemeinde Jette in Brüssel, die 2020 eröffnet werden soll.

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