Falsche Romanows: Fünf Betrüger, die Teil der Zarenfamilie sein wollten

Nicholas II with family

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Sie logen, klagten und flehten: In der Geschichte gab es einige Menschen, die sich als Überlebende der Romanow-Familie ausgaben. Letztlich scheiterten sie alle.

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Einige Menschen sind bereit, für Anerkennung alles zu tun. Die hier vorgestellten Personen schießen den Vogel dabei allerdings ab. Sie alle behaupteten, überlebende Mitglieder der Romanow-Familie zu sein. Diese war 1918 ermordet worden. Obwohl ihnen einige glaubten, wurden sie letztlich allesamt als entweder verrückt oder verzweifelt betrachtet. Die russische Krone blieb für sie in jedem Fall unerreichbar. Die wahre Zarentochter Anastasia war am 17. Juli 1918 zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern ermordet worden. Zweifelsfrei nachgewiesen wurde dies allerdings erst im Jahr 2008, nachdem die verschollenen Gebeine der Familie entdeckt und untersucht wurden.

Anna Anderson, angeblich Großherzogin Russlands Anastasia

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Diese Hochstaplerin, bekannt als Anna Anderson, behauptete, die jüngste Tochter der Familie Romanow zu sein. Obwohl sie mit ihrer Geschichte weite Teile der imperialistischen Elite überzeugen konnte, wurde sie letztlich als die polnische Fabrikarbeiterin Franziska Schanzkowa enttarnt. Ihre wahre Identität sowie ihre Historie mentaler Erkrankungen wurden im Zuge einer vom Bruder der letzten Zarin finanzierten Untersuchung aufgedeckt.

Die Geschichte „Annas” begann in den 1920er-Jahren, als sie versuchte, sich das Leben zu nehmen, und in eine Berliner Psychiatrische Klinik eingeliefert wurde. Ein anderer Patient erkannte in ihr die Großherzogin – und russische Immigranten unterstützen die Legende letztlich. Zwei Jahre später begann dann auch Anna selbst damit, sich als Großherzogin Anastasia auszugeben.

1928 zog sie schließlich in die USA und versuchte, sich die Unterstützung der russischen Prinzessin Xenia Georgiewna, einer entfernten Verwandten der Romanow-Familie, zu sichern. Nachdem der Versuch scheiterte, ihre Blaublütigkeit nachzuweisen, reiste Anna zurück nach Deutschland.

Mehrt als 20 Jahre lang versuchte sie, ihre angebliche Identität durch europäische Gerichte bestätigen zu lassen, scheiterte aber stets. 1968 zog sie schließlich zurück in die USA, heiratete dort einen reichen Mann und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Anderson starb 1984 in Virginia. Auch nach ihrem Tod vorgenommene DNA-Tests konnten ihre Behauptungen nicht bestätigen. 

Eugenia Smith, ebenfalls angeblich Großherzogin Russlands Anastasia

Eugenia Smith / Archive PhotoEugenia Smith / Archive Photo

Eine weitere berühmte Anwärterin auf den Adelstitel Anastasias war Eugenia Smith, die eigentlich Eugenia Drabek Smetisko hieß. Sie war eine Künstlerin und Autorin mit ukrainischen Wurzeln und wanderte 1929 aus Bukowina in die USA aus.

1963 tauchte sie in Chicago auf und präsentierte einem Verlag ein Buch, dessen Inhalt ihr angeblich von Großherzogin Anastasia selbst übermittelt worden sei. Da der Verleger ihr nicht glaubte, forderte er sie auf, einen Lügendetektortest zu absolvieren – den sie nicht bestand. Daraufhin änderte sie ihre Geschichte und behauptete nun, die Großherzogin selbst zu sein. Mit dieser Version sollte sie den Lügendetektortest schließlich bestehen.

Ihre „Autobiografie der Großherzogin Russlands Anastasia Nikolajewna“ erzählt von „ihrem“ Leben in der königlichen Familie und wie sie der Erschießung durch die Bolschewiki entkam. Es ist eine faszinierende Geschichte.

Eugenia starb 1997 auf Rhode Island und wurde dort in einem orthodoxen Kloster beerdigt.

Marga Boodts, angeblich Großherzogin Russlands Olga Nikolajewna

 Marga Boodts / Legion Media Marga Boodts / Legion Media

Marga Boodts gilt als die womöglich erfolgreichste Anwärterin auf den Titel der Romanow-Familie. Sie behauptete, Olga, die erste Tochter des Zaren Nikolaus II., zu sein.

Marga tauchte erstmals in Frankreich inmitten des Zweiten Weltkrieges auf. Dort sammelte sie Geld für die Großherzogin, die auf mysteriöse Weise der Ermordung durch die Bolschewiki entgangen sei. Dafür wurde Boodts letztlich wegen Betruges verhaftet. In ihrer Verhandlung behauptete sie dann, Mitglied der polnischen Adelsklasse szlachta zu sein.

1950 tauchte Marga erneut auf, stritt aber jedes Wissen über ihre vorherigen betrügerischen Aktivitäten ab. Irgendwie schaffte sie es diesmal, Nikolaus, den Erbgroßherzog Oldenburgs, und Wilhelm, den deutschen Kronprinzen, von ihrer Geschichte zu überzeugen. Letzterer sollte sie gar bis zu ihrem Tod finanziell unterstützen.

Für lange Zeit äußerte sich Marga nicht öffentlich zu ihren Behauptungen. Erst als Anna Anderson mit ihrer Geschichte berühmt wurde, ging auch sie in die Offensive. Boodts versuchte alles in ihrer Macht liegende, um die Glaubwürdigkeit Andersons zu untergraben. Dazu schrieb sie auch ein Buch über die Geschichte ihrer „Familie“, das jedoch nie veröffentlicht wurde.

Sie starb 1976 im italienischen Sala Comacina. In den letzten Jahren hatte sie dort abseits der Öffentlichkeit gelebt und jeden Kontakt zu Journalisten verweigert.

Michael Goleniewski, angeblich Zarewitsch Alexej Nikolajewitsch

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Michael Goleniewski war ein polnischer Offizier und Geheimagent beim Abwehrdienst, der in den späten 1950er-Jahren mit dem sowjetischen KGB zusammenarbeitete, während er beim Geheimdienst seines eigenen Landes angestellt war.

Schließlich wurde Goleniewski gar zum dreifachen Agenten, als er sowjetische und polnische Geheimdienstinformationen an den CIA weitergab. Im Januar 1961 setzte er sich in die USA ab und begann, auch offiziell für den CIA zu arbeiten. Noch im gleichen Jahr wurde er von einem polnischen Gericht als tot erklärt.

Einige Jahre später, während er in den USA arbeitete, behauptete er plötzlich, Zarewitsch Alexej zu sein. Dieser war der jüngste der Romanow-Kinder und der einzige Sohn des Zaren. Laut Goleniewski sei die gesamte Familie noch am Leben – eine Behauptung, die kaum jemand glaubte.

Um seine Abstammung zu beweisen, begann Goleniewski damit, nach seinen Schwestern zu suchen. Es kam zu einer „Wiederzusammenkunft“ mit der bereits genannten Betrügern Eugenia Smith, von der er behauptet hatte, sie sei seine Schwester. Smith revanchierte sich dafür und behauptete ihrerseits, Goleniewski sei tatsächlich ihr Bruder.

Die Papiere des polnischen Auswanderers bewiesen jedoch letztlich, dass er in Polen und 18 Jahre nach Zarewitsch Alexei geboren worden war. Daraufhin behauptete Goleniewski, er leide an der Bluterkrankheit, an der auch Zarewitsch Alexej erkrankt war, und sehe deshalb deutlich jünger aus. Nur wenige glaubten ihm und der CIA feuerte ihn aufgrund seiner Lügen.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1993 kämpfte Goleniewski dafür, seinen „rechtmäßigen“ Namen zurückzuerhalten. Er sollte nicht erfolgreich sein.

Ceclava Czapska, angeblich Großherzogin Russlands Maria

Ceclava Czapska and Nicolas Dolgorouky en 1919. / Legion MediaCeclava Czapska and Nicolas Dolgorouky en 1919. / Legion Media

Ceclava Czapska sorgte erstmals 1919 in Rumänien für Aufsehen. Dort lebte sie unter dem Schutz der rumänischen Königin Marie und heiratete den russischen Prinzen Nikolaus Dolgorouki, Sohn des Generals Alexander Dolgorouki. Mit ihrer Hochzeit begann sie damit, zu behaupten, Großherzogin Maria zu sein.

Ihrer Erzählung nach konnten alle Romanows außer ihrem „Vater” Nikolaus II. und seiner Bediensteten der Ermordung entgehen. Zudem bestätigte sie offiziell die Geschichten der bereits genannten Anna Anderson und Marga Boodts. Letztere kannte sie persönlich.

Sie starb 1970 in Rom. Ein nach ihrem Tod durchgeführter DNA-Test konnte keine Verbindung zur Königsfamilie belegen.

Einige Jahre später behauptete ein Mann mit dem Namen Alexis Brimeyer, eine Verbindung zu den Romanows und anderen europäischen Königshäusern zu haben. Der Sohn eines luxemburgischen Ingenieurs war im von Belgien kolonisierten Kongo aufgewachsen. Er erzählte, alle Mitglieder der Romanow-Familie seien ermordet worden – mit Ausnahme seiner „Großmutter“ Maria, besser bekannt als Ceclava Czapska, die ihm den russischen Thron „vermacht“ habe.

Brimeyer brachte vor, der Enkel des russischen Prinzen Dolgorouki zu sein, und nutzte erfundene Titel wie Prinz d’Anjou Durazzo Durassow Romanow Dolgorouki de Bourbon-Conde. Dafür wurde er von der wahren Familie Dolgorouki letztlich verklagt. Nachdem seine falschen Namen nicht den gewünschten Effekt erzielten, nannte er sich in Seine Durchlauchte Hoheit Prinz Khevenhüller-Abensberg um – nur um letztlich von Prinzessin Khevenhüller auch dafür verklagt zu werden.

Umso bizarrer ist es, dass er einige Jahre später einen Pass des Fürstentums Sealand, einer Mikronation auf einer Bohrinsel in der Nordsee, erhielt. Sein offizieller Name lautete dort Seine Hoheit Prinz Alexis Romanow Dolgorouki.

Alexis versuchte auf vielen anderen Wegen, einen Adelstitel zu erhalten. Einige Blaublüter bat er gar darum, von ihnen adoptiert zu werden. Der „unglückliche Prinz“ arbeitete besessen daran, Verbindungen zum königlichen Adel aufzubauen – bis er 1995 in Madrid starb.

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