Buddhistisches Wunder? Wie ein russischer Lama nach 90 Jahren aus dem Nirvana zurückkehrt

Der Lama Daschi-Dorscho Itigelow

Der Lama Daschi-Dorscho Itigelow

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Der vor 90 Jahren verstorbene, buddhistische Asket aus Burjatien, Daschi-Dorscho Itigelow, ging laut eigenem Vermächtnis ins Nirwana ein und bat, nach 30 Jahren, seinen Leichnam zu exhumieren. Mit diesem passieren jedoch von da an merkwürdige Dinge.

Vor 90 Jahre fiel der Lama Daschi-Dorscho Itigelow im Lotussitz in einen Zustand der Meditation und ging ins Nirwana ein. Davor sprach er: „Besuchen Sie meinen Leichnam nach 30 Jahren und holen sie ihn nach 75 Jahren aus der Erde.“

Im sitzenden Zustand wurde der Körper des Lamas in ein Quader aus Zedernholz gelegt und, wie er es wünschte, mit Salz bedeckt. Das letzte Mal wurde eine Untersuchung des Leichnams im Jahr 2005 durchgeführt, dann lehnten die Mönche kategorisch alle Untersuchungen und Fotoaufnahmen ab. Itigelows Körper nimmt jedoch auch fast 100 Jahre nach seinem Tod an Gewicht zu, sondert Feuchtigkeit ab und zersetzt sich nicht.

Wer war der berühmte russische Buddhist?

Der Lama Daschi-Dorscho Itigelow wurde im Jahr 1852 in Burjatien in der Region Usly Dobo, 4 400 Kilometer östlich von Moskau, geboren. Die Herkunft seiner Eltern ist unbekannt, aber man weiß, dass er früh zum Waisen wurde. Im Laufe der Jahre entstanden dann immer mehr Legenden über eine angeblich göttliche Herkunft: So munkelte man, dass Itigelow bereits als Fünfjähriger zur Welt kam, wie es nur für göttliche Wesen, Buddhas und Bodhisattwas (zukünftige Buddhas) üblich ist.

Früh verwaist arbeitete Itigelow als Schafshirte und fühlte sich laut den Mönchen des Klosters zu Grabsteinen und religiösen Gegenständen hingezogen. Der Junge trieb die Schafsherde oft auf den Friedhof und spielte dort mit den Toten. In dieser Zeit vergruben die burjatischen Völker ihre Toten nicht in der Erde, sondern legten sie auf ein Podest zwischen Bäume oder Hügel. Einmal wurde Itigelow von Leuten mit einem Stock, auf dem ein menschlicher Schädel befestigt war, gesichtet. „Der Junge wird mal ein großer Lehrmeister, ihm ist es vorherbestimmt, den Tod zu täuschen“, sagte damals ein bekannter Lama über ihn.

Die Legenden der Mönche erzählen viele unglaubliche Geschichten über Itigelow, bis hin zu der Behauptung, dass sich das Wasser vor ihm in Zwei teilte. Mit Sicherheit bekannt ist lediglich, dass er im Alter von 15 Jahren in ein 300 Kilometer von seinem Heimatort entferntes buddhistisches Kloster eintrat und sich dort 23 Jahre lang dem Studium des Buddhismus widmete. Danach lehrte er und leitete das Kloster, wurde vom russischen Zaren Nikolaus II. persönlich empfangen und kurz vor dem Ersten Weltkrieg zum Oberhaupt der ostsibirischen Buddhisten ernannt.

Nach der Machtergreifung der atheistischen Sowjets empfahl Itigelow anderen Lamas, das Land zu verlassen, weil er Massenverhaftungen vorausahnte. Er selbst jedoch blieb im Land, weil er sich sicher war, dass man es nicht schaffen würde, ihn „zu kriegen“. Den Überlieferungen zufolge starb er 1927 im Alter von 75 Jahren.

„Man hielt es für einen Streich der burjatischen Mönche“

Der Quader, in dem sich der Leichnam befand, wurde nach 28 und nicht, wie von Itigelow erbeten, nach 30 Jahren geöffnet. In diesem Jahr tobte ein starker Sturm in der Region und man beschloss, ihn durch Gebete um Hilfe zu bitten. Seine Gelenke sollen zu diesem Zeitpunkt immer noch beweglich, die Haut elastisch und die Herzgegend warm gewesen sein. Man wechselte seine Kleidung, vergrub ihn wieder und wiederholte den Vorgang 1973.

Im Jahr 2002 wurde Itigelows Leichnam aus der Erde gehoben und in das buddhistische Kloster „Iwolginski Dazan“ gebracht. Dieses liegt unweit der burjatischen Hauptstadt Ulan-Ude. Der Sargdeckel blieb die Nacht über verschlossen, während die Mönche an einem Lagerfeuer beteten. Am Morgen kam schließlich der Gerichtsmediziner, um den Sarg zu öffnen. Augenzeugen berichten, dass das Salz darin bis zu den Schultern reichte und Itigelows Kopf dem eines lebenden Menschen glich. „Anfangs hielten das alle für einen Streich der burjatischen Buddhisten. Mittlerweile tut man das jedoch nicht mehr“, erzählt der Direktor des „Pandito Hambo Lama Itigelow“-Instituts. „All seine inneren Organe und seine Augen befinden sich in einem normalen Zustand. Vor Kurzem kam ein Experte vorbei, der meinte, sein Körper befinde sich in einem Zustand, als wäre er erst seit wenigen Stunden tot.“

Palast des Pandito Hambo-Lama Itigelow

Ein Stethoskop kam dabei allerdings nicht zum Einsatz. Die Mönche erlaubten, zwei Milligramm Gewebe – Haare, Hautpartikel und Proben von zwei Fingernägeln – wissenschaftlich zu untersuchen. „Die Infrarotspektroskopie hat gezeigt, dass der Proteinspiegel der gleiche wie der zu Lebzeiten ist – zum Vergleich nahmen wir entsprechendes Probematerial unserer Mitarbeiter. Auch der sonst übliche Leichengeruch blieb bei der Sarkophagöffnung aus“, berichtete Wiktor Zwjagin, der damalige Leiter der Abteilung für Identitätsfeststellung des Russischen Zentrums für Rechtsmedizin.

Das alles liefert jedoch keinen hinreichenden Grund, zu behaupten, der Lama sei noch am Leben. Die Hautanalyse ergab, dass der Bromgehalt um das 40-fache erhöht ist und die Körpertemperatur unter 20 Grad Celsius liegt – alles Hinweise für Itigelows Tod.

Die Mönche und tausende von Menschen, die zu der Grabstätte Itigelows pilgern, behaupten selbstverständlich das Gegenteil (mit der Ausnahme des Dalai Lamas, der es vorzieht, keine Stellung dazu zu nehmen); auch, weil der Körper auch nach der Exhumierung jährlich bis zu zwei Kilogramm und in sechs Jahren insgesamt zehn Kilogramm zunahm. Manchmal war am Körper zudem eine Art Flüssigkeit, die an Schweiß erinnerte.

Wissenschaftler fanden für diese Phänomene jedoch eine nichtreligiöse Erklärung. Eine hohe Bromkonzentration gibt es auch in Bohnen, Brom ist dabei im Stande, die Feinfühligkeit des Organismus zu unterdrücken, von außen eindringende, stimulierende Impulse einzudämmen, gleichzeitig aber sich kaum auf die Gehirnregionen auszuwirken, die die Atmung und die Blutzirkulation kontrollieren.

Die Hypothese lautet, dass Itigelow zu Lebzeiten viele Bohnen aß und dann mithilfe der Selbsthypnose die lebenswichtigen Organfunktionen seines Körpers abschaltete, oder anders formuliert, sich in eine tiefe Meditation begab und in einen Zustand der Anabiose verfiel, der schließlich zum Tod führte. Das Salz und das trockene Gewebe sind ihrerseits imstande, Wasserdampf zu absorbieren und das Gewicht des Körpers im Freien zu beeinflussen.

>>> Buddhistisches Leben in Russland: Aufblühen von Nationalität und Tradition

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