Ist das Leitungswasser in Russland trinkbar?

Getty Images
Russisches Leitungswasser genießt zu Unrecht einen üblen Ruf. In den meisten russischen Großstädten erfüllt es die gängigen Hygienestandards und gilt als sicher. Ob und wie Sie es am besten trinken können, er fahren Sie hier.

Für gewöhnlich gilt das Leitungswasser in Russland als sicher und entspricht den landesüblichen Hygienestandards. Der russische Verbraucherverband „Rospotrebnadzor“, der Föderale Dienst für die Überwachung und den Schutz von Verbraucherrecht und menschlichem Wohlergehen, führt im gesamten Land regelmäßige Testkontrollen durch und erklärt es für trinkbar, da es mithilfe mehrerer Sand- und Kohlefilter gereinigt werde, bevor Chlor hinzukommt. In den Großstädten, wie Moskau, Sankt Petersburg oder Rostow am Don, wird Chlor durch das sicherere Natriumhypochlorit ersetzt.

Dennoch keine Trinkempfehlung

In manchen Regionen des Landes lässt die Qualität des Leitungswassers dennoch zu wünschen übrig. In Zentralrussland ist die Eisen-, in Sibirien die Silizium- und Mangankonzentration im Wasser stark erhöht, das Leitungswasser in Jamal enthält zuviel Kalzium und in Altai zu viele Sulfate. All diese Stoffe können zu vorzeitigem Altern sowie Zahn- und Hautproblemen führen.

Natürlich kann man ein oder zwei Gläser davon trinken, auch einen Monat lang. Dennoch kann sich der langfristige Verzehr negativ auf die Gesundheit auswirken. Zudem können schädliche Substanzen aus der Erde und aus den alten Rohren im Leitungswasser enthalten sein.

Der Zustand der Sanitärausstattung ist daher für sauberes Wasser äußerst wichtig. Selbst das am effektivsten gereinigte Wasser aus klaren Quellen muss durch kilometerlange Rohre fließen, bevor es in den Wohnungen ankommt, und diese können in alten Gebäuden in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand sein. So entsprechen laut der Zeitung „Argumenty i fakty“ in Kalmückien 72 Prozent und in Nowgorod 55 Prozent der Wasserrohre nicht den sanitären Standards. Die meisten dieser Rohre wurden nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt und den Regionen fehlt das Geld, um sie zu erneuern.

Ein russischer Filterhersteller hat kürzlich eine Karte erstellt, die Auskunft über die Wasserqualität in Russland gibt. Demnach haben die Bewohner von Sankt Petersburg, Kursk, Adygeja und Moskau das sauberste Wasser.

Das Wasser der Hauptstadt

Moskau besitzt vier Wasseraufbereitungsanlagen: Die nördliche und östliche Station fangen das Wasser der Wolga, die westliche und die Rubljow-Station das Wasser der Moskwa auf. Dieses durchläuft dann einen aufwendigen Reinigungsprozess – das H20 der Moskwa wird mit Ozon gereinigt, das gleichzeitig auch üble Gerüche beseitigt. Danach wird es mithilfe von Sand gefiltert. Die Wasserqualität der verschiedenen Stadtteile kann man sich hier genauer anschauen.

Doch auch wenn „Rospotrebnadzor“ das Leitungswasser in Moskau für genießbar erklärt, verzichten die meisten Einwohner darauf, es zu trinken.

Der Schaum im Wasserkocher, der beim Abkochen entsteht, ist dabei übrigens kein Hinweis auf schädliche Verunreinigungen, sondern auf Salz, Kalzium und Magnesium, die das Wasser „hart“ machen.

„In Moskau ist das Wasser härter und kalkreicher“, sagt die Moskauerin Julia Petuschkowa. „In Ufa (eine Stadt 1 350 Kilometer östlich von Moskau, Anm. d. Red.) habe ich zum Beispiel sofort verstanden, warum der Fluss so weiß ist! Ich fühlte mich nach dem Duschen als wäre ich von Kalkstein umhüllt.“  

Wie man das russische Trinkwasser sicher genießen kann

Aus diesen Gründen bevorzugen es viele Russen, ihr Wasser abzukochen oder Spezialfilter zu verwenden. Diese können direkt in die Wasserversorgungsanlage der Wohnung eingebaut oder einfach als Aufsatz für die Kanne benutzt werden.

„Ich halte es für ziemlich unklug, das Leitungswasser unbehandelt zu trinken. Trinken Sie es erst, nachdem es gefiltert wurde“, sagt die Sankt Petersburgerin Walentina Pachomowa. 

„Grundsätzlich wird das Leitungswasser hinreichend gereinigt, damit es bedenkenlos getrunken werden“, sagt Julia Petuschkowa. „Wenn Sie also Chlorgeschmack mögen, trinken Sie es!“

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen