Fünf Modeaccessoires mit sowjetischen Wurzeln

Sergei Bobylev/TASS
Russische Schränke können sich mit alten Mützen und Einkaufsnetzen als unerwartete Schatztruhen herausstellen. Ob Sie es glauben oder nicht, einige sowjetische Modeaccessoires haben es als Trend zurück in die internationale Modewelt geschafft.

1 Awosjkas

Die Einkaufsnetze, so genannte Awosjkas, dienten in der Sowjetunion vorwiegend dazu, gekaufte Lebensmittel zu transportieren. Vor allem in den 1970er Jahren waren sie im Volk sehr beliebt, da es in der Sowjetunion keine Plastiktüten gab und man für den Einkauf eine eigene Tragetasche dabei haben musste. Awosjkas eigneten sich nicht nur hervorragend für den Transport von Lebensmitteln, sondern wurden auch gerne zum Trocknen und Aufbewahren von Zwiebeln, zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine, zum Fangen von Hummern und sogar für Basketballspiele verwendet. In der heutigen Modewelt gibt es mittlerweile eine genaue Nachahmung des sowjetischen Einkaufsnetzes, zum Beispiel in der neuen Kollektion der Marke Vetements, zu kaufen.

Sowjetische Awosjka – 0,25 Cent (im Jahr 1970)

Tasche von Vetements – 2 800 Euro (im Jahr 2018)

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2 „Lebewohl, Jugend“-Schuhe

Die Schuhe mit dem inoffiziellen Namen „Lebewohl, Jungend“ gingen Ende der 1960er Jahre in der Sowjetunion in Serienproduktion. Es handelte sich dabei um flache Stiefel aus Filz oder Stoff mit synthetischem Winterfutter und dicken Gummisohlen. Die Stiefel hatten es besonders den Rentnern angetan, woher auch ihr Name abstammt. Vor allem ältere Menschen, die an Beinschmerzen und Schwellungen litten, trugen die weichen und warmen, wenn auch unmodernen Stiefel gerne. Sie wurden in allen Größen und für alle Altersgruppen in großer Anzahl produziert, allerdings nur in schwarzer oder grauer Farbe. Heute stellt die beliebte Marke The North Face eine Reihe von Filzstiefeln her, die dem sowjetischen Vorgängermodell überraschend ähnlich sind.

Sowjetische „Lebewohl, Jugend“-Schuhe – 8 Euro (im Jahr 1960)

Schuhe von The North Face – 55 Euro (im Jahr 2018)   

3 Galoschen

Obwohl Galoschen keine sowjetische Erfindung sind, gingen diese Schuhe Ende des 19. Jahrhunderts in Russland in Massenproduktion und erfreuten sich in der Sowjetzeit überaus großer Beliebtheit. In den 1960er Jahren gab es verschiedene Versionen von Galoschen: Sie wurden sowohl für Männer, Frauen als auch für Kinder hergestellt, die sie im Winter über ihren Filzstiefeln trugen. Auch heute noch sind Galoschen ein unverzichtbares und funktionelles Element der Mode. Eine moderne Version von ihnen wird von der norwegischen Marke Swims sowie der italienischen Marke Gucci produziert.

Sowjetische Galoschen – 25 Euro (im Jahr 1930)

Galoschen von Swims – 80 Euro (im Jahr 2018)

4 „Gockelmütze“

Die „Gockelmütze“ hat ihre Bezeichnung aufgrund ihrer unverwechselbaren Form bekommen, die an einen Hahnenkamm erinnert, und wurde früher mit einem obligatorischen Bommel oder einer Quaste verziert. Wahnsinnig populär wurde die Mütze in der Sowjetunion in den 1970er Jahren und galt in der Zeit sogar als „knappes Gut“. Sie wurde zuerst mit Sportsymbolen von Skifahrern getragen und verbreitete sich anschließend als Modetrend in der gesamten Sowjetunion. Heute haben die internationalen Marken wie Versace und Vetements das Design der „Gockelmütze“ überarbeitet und sie wieder auf den Markt gebracht.

Sowjetische „Gockelmütze“

„Gockelmütze“ von Vetements – 375 Euro

5 Sandalen

Sommersandalen wurden in der Sowjetunion von Männern, Frauen und Kindern getragen. Eltern zogen ihren Vorschulkindern dicke Strümpfe, kurze Hosen oder einen Rock und knallrote Sandalen mit Riemen, Schnallen und blumenförmigen Perforationen an. Der Etikette zufolge durften Männer sie jedoch nur an Urlaubsorten tragen. Bei heißem Wetter neigten die sowjetischen Sandalen dazu, die Füße wund zu scheuern, so dass Wagemutige auf die Idee kamen, Socken zu tragen und damit einen neuen Trend in der Männermode schufen. Der eigenwillige Modetrend hinterließ nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Haute Couture seine Spuren: Models der prestigeträchtigsten Modehäuser liefen auf einmal in unverschämt hellen Socken unter den Sandalen über den Laufsteg. Heute sind die sowjetischen Männersandalen in Gucci-Kollektionen und die roten Kindersandalen in Form von Fendi-Ballerinas für Frauen zu finden.

Sowjetische Männersandalen – 15 Euro (im Jahr 1961)

Männersandalen von Gucci – 400 Euro

Sowjetische Kindersandalen – 8 Euro (im Jahr 1961)

Frauenballerinas von Fendi – 400 Euro (im Jahr 2018)

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