Sechs Tipps, wie Sie als Spion in Russland unentdeckt bleiben

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Typisch russische Besonderheiten zu kennen, war für ausländische Nachrichtendienste immer entscheidend. Russia Beyond hat daher einige Tipps entwickelt, wie Sie Ihre Tarnung aufrechterhalten, wenn Sie in Russland ist.

Russen erinnern sich gerne an einen klassischen Witz aus dem Kalten Krieg: Amerikaner bereiten einen Spion vor, um die Sowjetunion zu infiltrieren. Er durchläuft zehn Jahre lang ein gnadenloses Training in allen möglichen Bereichen des russischen Lebens: Er verfügt über ein einwandfreies Russisch, mit einem sorgfältig abgestimmten nordischen Akzent, und schließlich springt er in der tiefsten sibirischen Taiga ab. Er geht nur wenige hundert Meter, bevor er auf eine Babuschka trifft, die ihn mit den Worten „Oh, hallo, Herr amerikanischer Spion!“ grüßt. Verblüfft von solch einer katastrophalen Wendung, fängt der Spion an, die Babuschka methodisch zu befragen, wie sie denn trotz Sprache, dem Akzent und den Kleidern erkannt habe, wer er wirklich sei. Lange Rede, kurzer Sinn – sie antwortet: „Aber Kleiner, ist das nicht offensichtlich? Du bist schwarz.“

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Die folgenden Wege, aufzufliegen, sind vielleicht nicht immer offensichtlich, aber trotzdem nicht weniger verräterisch.

1 Achten Sie auf Ihre Hände…

Felix Dserschinski, der Gründer des sowjetischen Geheimdienstes, sagte angeblich, dass „ein kühler Kopf, ein warmes Herz und geschickte Hände“ die Berufsqualifikationen eines guten KGB-Agenten sind. Wenn Sie also wollen, dass Ihre Verschwörung reibungslos verläuft, achten Sie auf Ihre Hände.

Wie in vielen Kulturen gibt es bestimmte Handgesten, die ein Russe normalerweise verwendet. Erinnern Sie sich an die Szene aus dem Film „Inglourious Basterds“, in der der brillante und ruhige Lieutenant Archie Hicox, gespielt von Michael Fassbender, seine Tarnung als deutscher Offizier auffliegen lässt, weil er drei Getränke mit einer nicht deutschen Geste bestellt? Um zu vermeiden, was dann passierte, lernen Sie aus seinen Fehlern.

Für Russen ist der Hauptunterschied beim Zählen mit den Fingern das Einknicken, nicht das Ausstrecken der Finger. Wenn Sie also bis fünf zählen, machen Sie eine Faust. Ein typischer erwachsener Russe würde auch nicht seine Hände benutzen, um Anführungszeichen in der Luft zu machen, wenn er etwas Ironisches sagt. Victory- oder OK-Zeichen werden ebenfalls selten verwendet.

2 ...und auf Ihre Füße

Der ehemalige sowjetische Barkeeper Alexander Kudrjawzew erinnert sich (rus), wie er die Russen in einer Kantine „ausschließlich für ausländische Diplomaten“ durch nur ein winziges Detail ausfindig machen konnte – die Männer waren alle wie Ausländer gekleidet, aber ihre Schnürsenkel waren „auf russische Weise“ gebunden – diagonal, nicht horizontal. Ein schrecklicher Weg für einen Agenten um zu scheitern! Aber es gibt offensichtlichere Regeln für Ihre Schuhe als Schnürsenkel.

Ähnlich wie in den östlichen Kulturen ziehen die Russen ihre Schuhe immer noch in Wohnungen aus und behandeln Beine und Füße generell als „schmutzige“ Körperteile, so dass es eindeutig nicht russisch ist, die Beine auf Möbeln abzulegen oder auf einem Tisch zu sitzen. Und lassen Sie Ihre schicken Schuhe gründlich putzen, es ist nämlich ein Muss für einen russischen Mann und besonders für Leute im Staatsdienst. Wenn ein Russe in der Armee ausgebildet wurde, wie die meisten Staatsdiener, dann ist glänzendes schwarzes Leder ein Teil seiner Herkunft.

3 Nicht lächeln

Es mag sich komisch anfühlen, aber Fremde anzulächeln ist in Russland unhöflich. Daher ist es immer noch eines der wichtigsten Anzeichen, das hilft, einen Ausländer unter Einheimischen zu finden. Um Ihre slawische Verkleidung zu wahren, verhalten Sie sich, als ob Sie zutiefst verwirrt, wütend und gehetzt zugleich sind. Ein ständiges Stirnrunzeln hilft auch. Die Leute würden wissen, dass Sie damit beschäftigt sind, zu denken und Sie mit Respekt behandeln. Außerdem ist es sehr typisch, nicht an öffentlichen Plätzen oder mit Bediensteten zu sprechen und als Antwort nur zu brummen und zu nicken. Das könnte helfen, wenn Ihr Akzent noch weit davon entfernt ist, einheimisch zu klingen.

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4 Vergessen Sie bitte diese blöden Trinksprüche und „Trinkrituale“

Lassen Sie uns das zuerst aus dem Weg räumen: „Na sdorowje“ zu sagen ist Ihre Chance, innerhalb weniger Sekunden als Fremder erkannt zu werden. Dazu gehören auch übermäßig lange Trinksprüche: Niemand macht das, es sei denn, man ist weit über 40 Jahre alt.

Um die Situation wie ein Russe anzugehen, machen Sie einfach keinen großen Hehl daraus, denn Trinken ist nichts Besonderes.

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5 Behandeln Sie Frauen auf die altmodische Art

Geben Sie stets Ihren Sitzplatz auf, wenn Sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Halten Sie die Tür auf und warten Sie geduldig, bis die Frau zuerst durchgeht. Es mag merkwürdig erscheinen, aber selbst ein Fremder könnte Sie um Hilfe bitten, schwere Taschen oder Pakete zu tragen. In diesem Fall bedeutet Ihre Hilfe nicht, dass Sie eine romantische Verabredung haben, und das Anbieten von Hilfe gilt keineswegs als Belästigung.

6 Achten Sie auf die Details

Es scheint offensichtlich, aber dennoch: erinnern Sie sich an häufig verwendete Symbole und Zeichen. Der Ehering wird an der rechten Hand getragen und wenn Sie ein Kreuzzeichen machen, vergessen Sie nicht, von rechts anzufangen, dies ist nämlich der orthodoxe Weg. 

Um Ihre Tarnung zu festigen, könnten Sie auch ein paar Tricks lernen, zum Beispiel das Öffnen einer Bierflasche mit einem Feuerzeug. Verzweifeln Sie jedoch nicht, wenn es Ihnen nicht sofort gelingt – selbst Russen brauchen ewig, um es zu lernen.

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