Wie die russische berittene Polizei im Winter arbeitet (FOTOS)

Anton Belitskij
Für einen berittenen Polizisten ist sein Pferd ein verlässlicher Partner. Wie kommt man bei der Polizei zu einem Pferd?

Draußen ist es -13 Grad. Eine ältere Frau mit einem Regenschirm geht in einer Grünanlage spazieren. Als sie aufblickt, sieht sie eine junge Frau in Polizeiuniform, die ein graues Pferd führt.

„Sie können es streicheln, es beißt nicht“, sagt Elena Agarkowa, Polizeioberwachtmeisterin und Kavalleristin der ersten Abteilung des ersten Zuges der ersten Kompanie des ersten Kavallerie-Bataillons (ja, so lauten die Dienstbezeichnungen bei der berittenen Polizei!), mit einem strahlenden Lächeln. „Oh, ich habe ein wenig Angst“, antwortet die Frau, steckt aber bereits ihre Hand in Richtung Pferdeschnauze.  

Elena trifft bei ihren Einsätzen häufig ältere Menschen, Familien mit Kindern und ausländische Touristen, die sich freuen, ein Pferd zu sehen und fragen, ob sie es streicheln oder für ein Foto posieren dürfen.

Wie wird man Mitglied der berittenen Polizei?

Das Erste Einsatzregiment (berittene Polizei), dem Elena und ihr Pferd Diktator angehören, wurde vor über 40 Jahren, im Jahr 1980, vom Innenministerium aufgestellt. Seine Aufgabe ist es, bei großen öffentlichen Veranstaltungen - Kundgebungen, großen Konzerten und Festivals, Fußballspielen usw. - für Ordnung zu sorgen.

Dem Regiment gehören rund 250 Pferde an. Sie werden aus den besten Gestüten Russlands ausgewählt. Eines der Pferde, Solotoi Luch, [Goldener Strahl], war ein Geschenk des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 2018.

In der Regel werden drei- oder vierjährige Pferde beiderlei Geschlechts mit gut entwickelter Wirbelsäule für das Regiment ausgewählt. Pferde, die im selben Jahr geboren werden, erhalten Namen, die mit demselben Buchstaben des Alphabets beginnen: zum Beispiel Kurijer [Kurier], Kowboi [Cowboy] und so weiter.

Es dauert mehrere Monate, ein Pferd für den Polizeidienst auszubilden. Spezialisten bringen den Pferden bei, einen Sattel zu tragen, über Hindernisse zu springen, keine Angst vor Menschenmengen auf der Straße oder bei Umgebungslärm zu haben usw.

Die Ausbildung von berittenen Beamten dauert neun bis zwölf Monate. Für Männer ist es Pflicht, zuvor in der Armee gedient zu haben. Angehende berittene Offiziere werden zunächst einer medizinischen und psychologischen Untersuchung unterzogen. „Die Ärzte entscheiden, wie lange die Ausbildung mit Pferden dauern soll - in der Regel sind es drei oder sechs Monate“, sagt Elena Agarkowa. 

Zunächst lernen die angehenden berittenen Offiziere das Reiten, Aufsatteln und Beschlagen von Hufeisen (etwa wie man die Hufeisen mit speziellen rutschfesten Stollen versieht) und wie man eine Beziehung zu ihm aufbaut. Die Ausbildung erfolgt mit Pferden verschiedener Temperamente, vom ungestümen bis zum ruhigen, so dass die Anfänger lernen, mit Pferden aller Art umzugehen.

„Jedem Auszubildenden wird ein Pferd zugeteilt, das er unter anderem pflegen und putzen muss. Es ist schon vorgekommen, dass sich Auszubildende geweigert haben, ihr Pferd zu putzen, mit der Begründung: ‚Das ist nicht meine Aufgabe, ich werde nicht putzen‘, und dann gekündigt haben. Und ein Mädchen hatte eine Allergie gegen Pferdehaar, so dass wir sie nicht aufnehmen konnten“, berichtet Polizeimajor Wjatscheslaw Franzusow, stellvertretender Kompaniechef des Spezialregiments.

Die Auszubildenden der berittenen Polizei besuchen ein Ausbildungszentrum, wo sie operative, rechtliche und militärische Lehrgänge absolvieren. Am Ende legen sie eine Prüfung ab und treten in den Dienst ein.

Ein Tag im Leben eines berittenen Polizeibeamten

Elena ist jetzt im vierten Jahr bei der berittenen Polizei. Sie besuchte die Polizeihochschule, nachdem sie in jungen Jahren zusammen mit ihrer Zwillingsschwester, die ebenfalls im Regiment arbeitet, mit dem Reitsport begonnen hatte.

„Wir haben uns das Zentrum angeschaut und alles passte. Hier konnten wir eine gute Ausbildung mit unserer Lieblingsbeschäftigung miteinander verbinden. Es war ein Kinderspiel“, erinnert sich Elena.

Ihr Ehemann, Michail Agarkow, arbeitet mit ihr zusammen. Er ist Polizeimeister und Kavallerist in der zweiten Abteilung des zweiten Zugs der ersten Kompanie des ersten Bataillons (diese Kavallerietitel!). Schon in jungen Jahren war es sein Ziel, Karriere bei den Strafverfolgungsbehörden oder in der Armee zu machen. 

„Bevor ich in die Armee eintrat, interessierte ich mich auch für den Reitsport, und so kam es, dass ich diese beiden Dinge miteinander verband. Ich mag es nicht, am Schreibtisch zu arbeiten - ich kann mir nicht vorstellen, in einem Büro zu sitzen“, sagt Michail Agarkow.

Auf dem Foto sind sie mit zwei Stuten zu sehen - Prinzessa [Prinzessin] (schwarz) und Skaska [Märchen] (grau), aber bei der Arbeit reitet Elena meist Diktator und Michail das Pferd Eriwan.  

„Diktator braucht den ständigen Kontakt zu Menschen. Er ist sehr gesellig und hyperaktiv. Er mag nicht stillstehen. Wenn man an ihm vorbeigeht, ohne ihn zu streicheln, legt er die Ohren an", beschreibt Elena ihr Pferd liebevoll.

Michail braucht ein einziges Wort, um Eriwan zu charakterisieren: faul. Michail und Elena scherzen, dass alle Pferde ihren Besitzern ähneln und sehr sensibel für deren Stimmungen seien. Deshalb ist es so wichtig, gut gelaunt zur Arbeit zu erscheinen und immer ein Leckerchen in der Tasche zu haben. 

An einem typischen Wintertag beginnen die Mitglieder der berittenen Polizei ihre Schicht um 08:45 Uhr morgens. Sie nehmen zuerst an einer Besprechung teil, bei der sie ihre Befehle für den Tag erhalten und gegebenenfalls gewarnt werden, nach Verbrechern Ausschau zu halten.

Sie bereiten ihr Pferd vor und holen alle wichtigen Ausrüstungsgegenstände ab, die sie benötigen - Handschellen, Funkgeräte, Schlagstöcke, ein Tablet und Polizeiformulare. Die Pferde werden in ein spezielles Fahrzeug, eine Pferdebox mit Platz für sechs Pferde, verladen, und sie machen sich auf den Weg zur Arbeit - meist im Wald oder in einem Park. Am Ende ihrer Schicht kehren sie zum Regiment zurück, geben ihren Tagesbericht ab und fahren nach Hause.

Wie man auf dem Pferderücken nicht friert

Die berittene Polizei arbeitet bei Temperaturen von bis zu -25 Grad. Ab -10° Grad arbeiten sie immer abwechselnd: während die einen ein paar Stunden im Dienst sind, halten sich die anderen in einem Mannschaftswagen warm. 

„Wir ziehen lange Unterhosen, Thermounterwäsche, Fleece-Pullover und sogar beheizte Einlegesohlen und Handschuhe an. Den Pferden legen wir spezielle Wärmedecken auf, aber sie bewegen sich ständig, während wir sitzen, und spüren daher die Kälte nicht so wie wir. Sturmhauben helfen uns auch, unsere Gesichter vor Frost und Wind zu schützen", sagt Elena.

Auch ihre gesamte Freizeit verbringen die Agarkows mit Pferden - sie reiten und nehmen an Springwettbewerben teil, die sowohl unter den Mitgliedern des Regiments als auch mit anderen Reitvereinen veranstaltet werden.

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