Auf Leo Tolstois Spuren unterwegs in Kasan

Varvara Grankova
Sechs Jahre verbrachte der junge Leo Tolstoi in Kasan: Hier studierte er, ging spazieren, verliebte sich. Viele Momente seiner Jugend widerspiegelten sich später in seinen Werken.

Nach dem Tod seiner Eltern kam der 13-jährige Leo Tolstoi 1841 mit seinen drei Brüdern und seiner Schwester nach Kasan, die Hauptstadt der Tataren. Seine Tante Pelageja Juschkowa übernahm die Sorge um die Kinder.

Drei Jahre später begann Tolstoi sein Studium an der Kasaner Universität, zuerst in Orientalistik und dann Jura. Die Bedingungen in der Familie Juschkow trugen jedoch nicht zum Erfolg des Studiums bei. Denn die Tante bezog ihre Neffen aktiv in das turbulente Leben der Kasaner feinen Gesellschaft mit all ihren Hobbies und Veranstaltungen ein.

Gortalow-Haus, Japejew-Straße 15

Im heutigen Tolstoi-Museum kann man die Wohnräume der Familie besuchen, die auf Grundlage der detaillierten autobiographischen Werke des Schriftstellers nachgebildet wurden. 1841 mietete Tante Juschkowa dieses Haus für ihre Neffen, wo jene dann bis 1844 wohnten.

Jedes Zimmer wird von einer Beschreibung der liebsten Freizeitbeschäftigungen des jungen Tolstoi begleitet, an den Wänden hängen Porträts der Familienmitglieder. Von seinem Zimmer aus hatte er stets einen Blick auf das Gefängnisgelände gegenüber.

Das Museum wurde später einer nahen Schule geschenkt, die Führungen machen nun Kinder.  

Kisseljowskij-Haus, Tolstoi-Straße 25/68

Das ist das zweite Wohnhaus der Familie Tolstoi, wo sie von 1844 bis 1845 wohnten. Heute beherbergt das Gebäude das Institut für Entwicklung der Bildung in der Republik Tatarstan.

Haus Foma Petondi, Dserschinskij-Straße 11

Der eine Flügel dieses Wohngebäudes wurde im 18. Jahrhundert erbaut. 1843 erwarb der Kasaner Architekt Foma Petondi das Gebäude. Im September 1846 vermietete er dann sechs Zimmer im zweiten Stockwerk den Tolstoi-Brüdern. Dies war die dritte und letzte Wohnung des Schriftstellers in Kasan.

Heute ist das Haus verlassen.

Kasaner Universität,  Kreml-Straße 18

Die Universität gehörte zu einem der Orte des jungen Tolstoi, die er nicht besonders liebte und darum nur selten besuchte. Nach zwei Versuchen in Orientalistik und Jura gab er das Studium 1847 für immer auf.

Die heutige Japejew-Straße verbindet das erste Tolstoi-Haus und die Universität. Dank einiger Gebäude aus jener Epoche, die bis heute überlebten, sieht die Gegend noch immer aus wie vor 150 Jahren.  

Rodionow-Mädchengymnasium, Tolstoi-Straße 14

Das ebenfalls von dem Architekten Petondi errichtete Gebäude der Mädchenschule wurde 1841 eröffnet. Es war eine privilegierte Bildungseinrichtung für Mädchen aus adligen Familien. Hier studierte die Tolstois Schweser Maria, die er oft besuchte. Die damalige Leiterin Jekaterina Sagoskina war eine enge Freundin von Tolstois Tante Juschkowa.

Das Gebäude gehört heute dem Verteidigungsministerium und beherbergt die militärische Suworow-Schule.

Park am ehemaligen Schwarzen See, Dserschinskij-Straße

Tolstoi erinnerte sich oft daran, wie er am Tag der ersten Prüfung – offenbar ein wenig mitgenommen vom Vorabend – am Schwarzen See spazieren ging und betete, dass "... der Hopfen schneller herauskommen würde, damit der Prüfer nichts bemerkte".  

Leider wurde der See selbst später zugeschüttet, aber Sie können noch im Park in der Nähe spazieren.

Großes Dramen-Theater, Bauman-Straße 48

Das Kasaner Schauspielhaus ist eines der ältesten Theater Russlands und wurde 1791 auf Initiative des damaligen Gouverneurs eröffnet. Tolstoi interessierte sich natürlich für Theater und hatte sogar einen Lieblingsschauspieler hier: Alexander Martynow.

Dank den Memoiren des Schriftstellers kennen wir auch seine Lieblingsfigur: Chlestakow aus Gogols Komödie „Der Revisor“.

Buchhandlung auf der Kreml-Straße

Auf der Kreml-Straße gab es damals zwei Buchläden, wo Tolstoi sehr oft Bücher kaufte. Laut einer Legende erwarb er hier seine ersten Ausgaben von Alexander Puschkin, Nikolai Gogol und anderen großen russischen Schriftstellern.

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