Architektonische Attraktion: Der Kreml von Rostow Welikij, einer der ältesten Städte Russlands

Legion Media
Rostow Welikij [zu Deutsch „das Große“] ist eine gemütliche Stadt und ein wahres Touristenparadies. Alle Sehenswürdigkeiten sind konzentriert auf 230 Quadratmetern im Kreml, der mehr Gemütlichkeit als Wehrhaftigkeit ausstrahlt.

Anreise von Moskau: Mit dem Bus (Direktverbindung ab Flughäfen Domodedowo oder Scheremetjewo; Reisezeit 3 bis 5 Stunden) oder mit dem Zug ab Jaroslawler Bahnhof (Reisezeit 2 Stunden 40 Minuten bis 3 Stunden 40 Minuten)

Wann Sie keinesfalls reisen sollten: Erste Januarwoche und erste Maiwoche (Feiertage in Russland, es wird dann sehr überlaufen sein)  

Ohne die Bewohner von Rostow beleidigen zu wollen: Wenn Sie den Kreml besichtigt haben, ist ihre Sightseeing-Tour schon am Ende. Nebenbei: Verwechseln Sie Rostow Welikij nicht mit Rostow am Don. Dieser Ort liegt 1 500 Kilometer weiter südlich. 

Was Sie vor Ort tun sollten: 

  • Besuchen Sie die Mariä-Entschlafens-Kathedrale  
  • Lauschen Sie den Glocken 
  • Kaufen Sie den typischen Rostower Emaille-Schmuck 
  • Schauen Sie sich den Film „Iwan Wassiljewitsch wechselt den Beruf” an, am besten noch vor Ihrer Abreise 
  • Machen Sie einen Spaziergang um die Befestigungsmauern und schauen Sie sich die Stelle an, an der Iwan Wassiljewitsch und Georg Miloslawski den Wachen des Zaren entkommen sind (eine berühmte Szene aus dem zuvor genannten Film) 
  • Beobachten Sie die Enten im Teich im Park (vergessen Sie im Winter nicht die Schlittschuhe) 
  • Trinken Sie auf der Streuobstwiese der Residenz des Metropoliten Sbiten oder Medowucha (zwei Arten von alkoholhaltigen Honiggetränken) und probieren Sie Selbstgebackenes aus der Klosterküche
  • Machen Sie ein Selfie mit dem Nerosee im Hintergrund 

Mehr Schein als Sein 

Viele alte russische Städte haben einen Kreml. In früheren Tagen fand das Leben weitgehend innerhalb dieser Festungen statt. Die stark befestigten Mauern mit den Pfeilschlitzen und Wehrtürmen ließen die Feinde zweimal überlegen, ob sie angreifen sollten.

Der Rostower Kreml wurde jedoch zu Zeiten gebaut, als es kaum noch eine Bedrohungslage gab. Die Mauern versprechen daher mehr Wehrhaftigkeit als sie halten. Die viel zu breiten Tore wären im Falle eines Angriffs eine Einladung für die Feinde gewesen.  

Dieser besondere Kreml diente einem anderen Zweck. Er war die Residenz der Rostower Metropoliten, die Ende des 17. Jahrhunderts errichtet wurde.

Die orthodoxe Diözese in Rostow wurde vom ersten Metropoliten, Michail von Kiew, in den Anfangsjahren der alten Rus um 991 gegründet. Damit ist sie neben Nowgorod eine der ältesten des Landes.

Rostow stand einst in der kirchlichen Hierarchie ganz weit oben. Großfürst Iwan III. herrschte unter anderem auch über die Diözesen Jaroslawl, Moskau und Wladimir-Susdal sowie die benachbarten Provinzen und Regionen. Im späten 16. Jahrhundert entstand in der alten Rus ein von Konstantinopel unabhängiges, auf Moskau ausgerichtetes Patriarchat. Die Diözese Rostow bekam ihren eigenen Metropoliten, der eine eigene Residenz brauchte. 

Im Inneren des Kremls 

Der Rostower Kreml besteht aus drei Abschnitten:

A – Kirchplatz 

In der Mitte des Platzes steht die Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Es ist das älteste Bauwerk im Kreml und wurde in den 1510er Jahren mehr als ein Jahrhundert vor der Residenz erbaut. Die Architektur erinnert stark an die der Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Moskauer Kreml.

Im letzten Jahrhundert entdeckten Restauratoren Fragmente eines Freskos aus dem 12. Jahrhundert, die auf die Existenz einer früheren Kirche aus weißem Stein an dieser Stelle hinwiesen.

Ein Teil der Mauern war offenbar durch einen Brand zerstört worden. Auf den Resten wurde eine neue Kirche erbaut.  Achten Sie neben dem Fresko auch auf die erhaltene barocke Ikonostase aus dem 18. Jahrhundert. 

In der Kathedrale gibt es eine Glockenwand. 

>>> Russlands farbenfrohstes Gotteshaus - die Marienkirche zu Rostow

B – Residenz

Dies ist eigentlich der Sitz des Metropoliten. Die Anordnung der Gebäude rund um den Garten und den Teich entsprach seinem Entwurf. Bereits 1883 wurde in der Weißen Kammer (Nr. 12 im Plan) ein Museum für kirchliche Antiquitäten eröffnet, das bis heute besteht.

Im Samuilowy-Gebäude (Nr. 10) befindet sich eine Gemäldegalerie, in der auch einige Werke aus der antiken Rus ausgestellt sind. In der größten Kammer (Nr. 13), wird eine historische Ausstellung gezeigt. Zudem befindet sich dort ein Restaurant mit russischer Küche. 

Ein Restaurant im Kreml überrascht Sie? Es gibt dort sogar ein Hotel (Nr.8)! Im Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, dessen ersten zwei Etagen aus Stein und Holz gebaut sind, werden schon lange Gäste untergebracht. Gebucht werden kann eine Übernachtung bei booking.com

Einen Besuch wert ist auch das Museum für Rostower Emaille, ein traditionelles Kunsthandwerk.  Beliebtestes Motiv der Emaillearbeiten, aus denen Ohrringe, Anhänger, Ringe usw. entstehen, sind Blumen. 

>>> Der Kreml zu Rostow Welikij - das letzte Meisterwerk des mittelalterlichen Russlands

C – Garten des Metropoliten 

Dies ist vielleicht der ruhigste Ort in der gesamten Anlage des Kremls. Hier kann man auf einer Bank sitzend den Teich und die Apfelbäume betrachten. Es erinnert an den El-Mona-Garten in Jerusalem. Der Glockenturm der Mariä-Entschlafens-Kirche ist dem Einzug des Herrn in Jerusalem gewidmet. 

Im Garten werden kleine Leckereien verkauft (wir empfehlen die Quarkpasteten) und Getränke. Probieren Sie den aromatischen Kräutersbiten oder das alkoholarme Medowucha. Was für den Metropoliten gut genug war, sollte es für uns erst Recht sein!  

Der Eintritt in den Kreml kostet 70 Rubel (etwa ein Euro) inklusive Eintritt für die Mariä-Entschlafens-Kathedrale. 

Für alle anderen Museen muss ein separates Ticket gelöst werden. Ein All-Inclusive-Ticket kostet 800 Rubel (etwa 11 Euro).  

>>> Pereslawl-Salesski: Die ganze Stadt ist ein Museum

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen

Diese Webseite benutzt Cookies. Mehr Informationen finden Sie hier! Weiterlesen!

OK!