Von schwarzen Haien und Alligatoren: Die drei Hubschraubermodelle des Kamow-Konstruktionsbüros

Wissen und Technik
BORIS JEGOROW
Das russische Konstruktionsbüro Kamow hat viele bekannte Hubschraubermodelle für militärische und zivile Zwecke konzipiert.

1. Ka-50 Schwarzer Hai

Der Ka-50 wurde in den frühen 1980er Jahren entwickelt und war ein sowjetischer Kampfhubschrauber der neuesten Generation. Im Falle einer militärischen Auseinandersetzung in Europa sollte er die Bodentruppen des Nato-Bündnisses zerschlagen sowie schweres Kriegsgerät und die feindlichen Luftabwehrsysteme effektiv zerstören können.

Der „Schwarzer Hai” genannte Hubschrauber hatte ein für ihn charakteristisches koaxiales Rotorsystem, das ihn schnell und wendig sein ließ. Er war im Kampfeinsatz sehr widerstandsfähig und seine Flugleistung war herausragend. Dieser Hubschrauber gehörte zu den wenigen weltweit, die in der Lage waren, Loopings zu drehen.

Einzigartig und ungewöhnlich für Helikopter war sein Schleudersitzsystem. Bevor der Pilotensitz herausgeschleudert wurde, wurden die Rotorblätter durch Sprengladungen zerstört. Die Nato nannte den Ka-50 „Werewolf”. Er war anders als die meisten Kampfhubschrauber dieser Zeit als Einsitzer konzipiert. Der Pilot fungierte gleichzeitig als Operation-Navigator. Das schien zunächst eine gute Lösung zu sein, weil der Hubschrauber dadurch leichter wurde. Darüber hinaus erlaubte es Einsparungen bei der Pilotenausbildung. Die Vorbereitung einer Besatzung auf den Kampfhubschrauber kostet nur geringfügig weniger als das Fluggerät selbst.

Im Einsatz in Tschetschenien erwies sich dieses Vorgehen jedoch als Fehleinschätzung der Kamow-Konstrukteure. Es gab nur wenige Piloten, die gleichzeitig fliegen und effektiv feuern konnten. Nach 17 Produktionsreihen wurde das Projekt im Jahr 2009 eingestellt.

2. Ka-52 Alligator

Das Ende des Ka-50 bedeutete nicht gleichzeitig das Aus für die darin erfolgreich erprobten Technologien. Sie wurden im jüngeren Bruder des Ka-50, dem Ka-52, genannt „Alligator“, wieder eingesetzt.

Dieser war als Zweisitzer konzipiert. Das traditionelle Tandemcockpit wurde jedoch abgelöst durch eine Anordnung der Sitze nebeneinander. Dadurch wurde die Zusammenarbeit zwischen Pilot und Copilot erheblich erleichtert. Der Ka-52 hat viel von seinem Vorgänger übernommen, einschließlich des einzigartigen Schleudersitzsystems. Die neue Baureihe verfügte aber über weitaus fortschrittlichere Navigations-, Steuerungs- und Flugsysteme.

Der Alligator hatte daher mehr Glück als der schwarze Hai. Er wird noch immer produziert, bislang gibt es davon 120 Stück. Einige waren in Syrien im Kampfeinsatz.

Eine spezielle Ausführung für die Marine, der „Katran“, kann die Rotorblätter falten. Diese Version sollte auf Mistral-Hubschrauberträgern stationiert werden. Nachdem im Jahr 2015 das russisch-französische Abkommen zur Lieferung der Mistral-Hubschrauberträger scheiterte, werden die Katrans ausschließlich auf dem russischen Flugzeugträger Admiral Kusnezow eingesetzt.

3. Ka-27

Der Ka-27 war der erfolgreichste Marinehubschrauber der Sowjetunion. Die wichtigste Aufgabe war der Schutz der Flugzeugträger vor feindlichen U-Booten.

Ausgestattet mit modernster Avionik ist der Hubschrauber in der Lage, U-Boote in einer Tiefe von bis zu 500 Metern bei Tag und Nacht, bei jeder Witterung und sogar während eines Seesturms bis Stufe 5 effektiv aufzuspüren.

Den Ka-27 gibt es in vielen Modifikationen: vom U-Boot-Jäger (Ka-27PL) bis zum Strahlungsüberwachungshubschrauber Ka-27E. Er wird auch aktiv bei Such- und Rettungsaktionen eingesetzt. Der in den 1970er Jahren entwickelte Hubschrauber ist nach wie vor für die russische Marine sowie für das Militär in China, Indien, Südkorea, Laos und Vietnam unverzichtbar. Für zivile Zwecke ist der Hubschrauber in der Schweiz, Portugal, Japan und Kanada im Einsatz.

Zukünftig könnte der Ka-27 durch das Modell „Minoga” (zu Deutsch: Neunauge) der Moskauer Hubschrauberfabrik M. L. Mil (in Deutschland auch bekannt unter „Mil Moscow Helicopter Plant“) ersetzt werden. Bislang existiert dieses jedoch nur auf dem Papier.

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