Iran: Aufrüstung mit russischer Schützenhilfe

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu (l.) begrüßt die iranische Delegation in Moskau. Links von Schojgu steht dessen iranischer Amtskollege Hossein Dehghan (Bild m.).

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu (l.) begrüßt die iranische Delegation in Moskau. Links von Schojgu steht dessen iranischer Amtskollege Hossein Dehghan (Bild m.).

Vadim Savitsky / TASS
Irans Verteidigungsminister Hossein Dehghan war in Moskau zu Besuch bei Präsident Putin. Im Gepäck hatte er einen Wunschzettel: Der Iran will sein Waffenarsenal modernisieren. Der russischen Rüstungsindustrie steht nun ein Acht-Milliarden-Dollar-Deal in Aussicht. Doch noch gibt es Hindernisse.

Russland und der Iran planen einen Rüstungsdeal. Für acht Milliarden US-Dollar (7,2 Milliarden Euro) will Teheran russische Waffen kaufen, berichtet die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“. Während der Sanktionen gegen das Land ist auch das Waffenarsenal in die Jahre gekommen und muss nun auf den neusten Stand gebracht werden. Daher überrascht die Höhe der Summe nicht wirklich.

Auf dem Weg zu einer schlagkräftigen iranischen Armee lauern jedoch einige Hürden.  Nachdem im langjährigen Atomstreit im vergangenen Sommer eine Einigung erzielt werden konnte, werden die Sanktionen gegen den Iran nun schrittweise aufgehoben. Bis 2020 wird Teheran noch jede Anschaffung von Angriffswaffen mit dem UN-Sicherheitsrat abstimmen müssen. Zudem ist der Iran finanziell geschwächt.

Wladimir Saschin vom Institut für Orientforschung an der Russischen Akademie der Wissenschaften, sieht dennoch gute Erfolgsaussichten für den geplanten Deal. Die Verträge ließen sich ohnehin nicht von heute auf morgen erfüllen, denn die Waffenproduktion nehme einige Zeit in Anspruch. Saschin geht davon aus, dass das Lieferdatum auf 2020 festgelegt wird.

Auch in der Finanzierungsfrage lässt sich wohl eine Lösung finden. Zwar hat Russland bisher keine Bereitschaft signalisiert, dem Iran ein Darlehen zu gewähren, doch das russische „Njet“ wird nach Einschätzung von Experten noch nicht das letzte Wort in den Verhandlungen gewesen sein. Denn schließlich würde die russische Rüstungsindustrie durch den milliardenschweren Auftrag enorm profitieren. Zudem eröffnen sich neue Einnahmequellen für den Iran, wenn das Land auf den Energiemarkt zurückkehrt. Auch steht die Freigabe der mit Milliarden gefüllten Auslandskonten des Irans bevor. 

Irans Wunschliste

Medienberichten zufolge ist der Iran besonders am Mehrzweckkampfflugzeug Su-30SM und russischen Flugabwehrsystemen interessiert. Moskau und Teheran hatten sich bereits auf die Lieferung von S-300-Systemen geeinigt. Nun zeigt der Iran Medienberichten zufolge mehr Interesse an der moderneren Flugabwehr S-400. Dieses System hat Russland allerdings in Syrien zum Schutz seiner Luftstreitkräfte stationiert. Der Iran wird sich daher wohl doch mit dem Vorgängermodell begnügen müssen. Russland will zunächst die eigene Armee mit S-400 ausrüsten und muss Lieferverpflichtungen gegenüber China nachkommen.

Auf der iranischen Wunschliste stehen weiterhin moderne Kampfpanzer. Über den russischen T-90 wird bereits seit Monaten verhandelt. Zunächst war der Iran interessiert, kündigte dann aber an, den Bedarf aus Eigenproduktion decken zu können. Nun aber besteht doch wieder Interesse, unter der Voraussetzung, dass Russland zusätzlich zum T-90 auch die Herstellungstechnologie liefert.

Militärexperte Konstantin Bogdanow erklärt, dass die Lobby der Kampffahrzeughersteller im Iran einen starken Einfluss habe. Wenn eine derartige Vereinbarung also realisiert werden sollte, werde es sehr wahrscheinlich um die Lokalisierung der russischen Produktion oder sogar um ein gemeinsames Kampfpanzer-Projekt beider Länder gehen. 

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