Eigenartige Wetterereignisse, Bären und Riesenpferde

traveler in mystical forest view from the back

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Vostock-Photo
Geologen sind für ihre Forschungen viel unterwegs. Teils verbringen sie ganze Monate in Zelten in der Taiga, kochen über offenem Feuer und erleben unglaubliche Abenteuer. Manche ihrer Erlebnisse sind ungewöhnlich und unerklärlich, manche einfach nur gefährlich. Der Geologe Dr. Wladimir Wladimirow vom Soboljew-Institut für Geologie und Mineralogie an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Nowosibirsk teilt mit uns seine aufregenden Erlebnisse aus einer langen Forscherkarriere.

Der heilige Berg

1982 / Personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov1982 / Personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov

Geologen sind für ihre Forschungen viel unterwegs. Teils verbringen sie ganze Monate in Zelten in der Taiga, kochen über offenem Feuer und erleben unglaubliche Abenteuer. Manche ihrer Erlebnisse sind ungewöhnlich und unerklärlich, manche einfach nur gefährlich.

In den 1990er Jahren arbeiteten Dr. Wladimirow und eine Gruppe von Geologen in der südsibirischen Tuwa-Region. Diese ist mehrheitlich von Buddhisten bevölkert und Traditionen wie die Kennzeichnung heiliger Berge mit Stoffstreifen sind sehr verbreitet. Als ihnen ein alter Mann vom Besuch eines bestimmten Berges abriet, lachten die Wissenschaftler um Wladimirow ihn nur aus und setzten ihren Weg zu genau diesem Berg fort.

„Es war ein sehr warmer Tag und der Himmel war wolkenlos. Wir erreichten den Berg und machten uns auf den Weg zum Gipfel. Doch noch bevor wir die halbe Strecke zurückgelegt hatten, begann es zu regnen“,  erinnert sich Wladimirow. „Wir schauten in den Himmel und sahen nur eine Wolke, die sich aber exakt über unseren Köpfen befand. Das fanden wir komisch. Plötzlich hörte der Regen auf und wir setzten unseren Aufstieg fort. Dabei fing es wieder an zu regnen. Als wir unsere Route änderten und um den Berg herumgingen, regnete es nicht weiter. Keine Ahnung woran es lag.“

Ein abenteuerliches Abendessen

 / Personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov / Personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov

Als Student im Jahre 1978 nahm Wladimirow an einer Feldstudie im Osten des Sayangebirges teil.  An einem Tag entschieden er und der Expeditionsleiter Walera sich dazu, eine Stelle genauer zu erforschen und dafür die Basis zu verlassen. Nach einem Tag und einer Nacht pausenlosen Wanderns waren sie an ihrem Ziel angekommen. Valera ging mit einer Pistole bewaffnet vor, sein Student folgte ihm. “Es war Vollmond und wir konnten unseren Weg mit einem Kompass gut finden.” erzählt Wladimirow.

Nach einiger Zeit bemerkten die beiden, dass sie nicht allein waren: In den Büschen folgte ihnen ein Bär. Tatsächlich wollte auch dieser zu der kleinen Jägerhütte, zu der auch Walera und Wladimirow unterwegs waren. Dort befand sich nämlich auch ein bei Bären sehr beliebter Himbeerstrauch.

Die Begegnung mit dem Bär war aber nicht ihr letztes Abenteuer. Als die Geologen die Hütte erreichten, wollten sie eigentlich ein Abendessen vorbereiten, doch in ihren Rucksäcken fanden sie auch nach langer Suche nur fünf Zuckerwürfel und eine Tüte trockenen Haferbreis mit Fleisch. Warum der eingepackte Proviant nicht mehr da war, wussten sie nicht genau, die beiden Forscher beschuldigten sich gegenseitig, das Essen entnommen zu haben. Aber es gab noch ein weiteres Problem? Wie sollten sie den Haferbrei zubereiten? In der Hütte fanden sie bloß einen Topf, weswegen es schwierig ist zu sagen, ob sie gegessen oder eher aus dem Topf getrunken haben.

Noch mehr Bären

 / personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov / personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov

Eine weitere Forschungsreise führte die Geologen an den Fluss Srednaja Koschema in der ostsibirischen Region Krasnojarsk. Durch den dichten Taigawald war die Sicht sehr schlecht, und die einzige Möglichkeit voranzukommen war ein kleiner Pfad, auf dem die Bäume für eine andere Studie gefällt wurden. Die Geologen folgten diesem Weg um Bodenproben zu nehmen und merkten überhaupt nicht, dass sich nur zehn Meter vor ihnen ein Bär befand. Vom Überlebensinstinkt getrieben nahm der Anführer der Gruppe, Sascha, eine Schaufel und richtete sie auf den Bär als ob sie eine Pistole sei. Zwar erwartete Sascha nicht, dass es funktionieren würde, aber irgendwie gelang es trotzdem den Bär zu vertreiben.

Als die beiden ihren Kollegen von ihrer Begegnung mit den Bären berichteten, gab es zwei verschiedene Versionen der Geschichte. „Ich fragte meinen Begleiter Wanja nach einer Pistole, doch wir hatten keine dabei“ behauptet Sascha. Wanja selbst hat da etwas andere Erinnerungen: „Du hast mich nicht nach einer Pistole gefragt, das einzige was du gesagt hast war‚ ‚Aaaaaaaaaaaaaah!‘“

Das Gruselpferd

/ Personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov/ Personal archive of Dr. Vladimir Vladimirov

1982 waren Wladimirow und seine Kollegen ebenfalls in der Region Tuwa unterwegs, diesmal am Fluss Erzin. Im Essenszelt erzählte ein Mann ihnen eines Nachts mysteriöse Geschichten, die sich auf anderen Forschungsreisen zugetragen hatten.

„Er erzählte sehr viele Geschichten, ansonsten war die Nacht dunkel und still“, berichtet Wladimirow. „Auf einen Schlag wurde die Stille unterbrochen. Irgendwo in der Nähe des Zelts klirrte irgendetwas.“

Als die Forscher mit einer Laterne hinausgingen, sahen sie ein riesiges weißes Pferd, dass von Ketten gehalten wurde. Das Pferd ging einmal um das Zelt herum und die Ketten rasselten leise.

„Ein solches Pferd habe ich weder davor noch danach jemals gesehen“,  schildert Wladimirow seine Verwunderung. Die Männer brachten die Frauen in ihre Zelte. Als sie zurückkamen, war das Pferd verschwunden und die Nacht war wieder still und düster.

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