Geschichte Tag für Tag: 1. Dezember

Unser täglicher Geschichtsrückblick zeigt Ihnen, was am heutigen Tag in der Geschichte Russlands und der Welt vor sich ging.

1934: Parteifunktionär Kirow ermordet

Sergej Kirow (Mitte) und Josef Stalin (rechts) 1934 in Sotschi

Sergej Kirow galt als treuer Gefolgsmann Josef Stalins und war ein bedeutender und einflussreicher sowjetischer Parteifunktionär. Am 1. Dezember 1934 kommt er unter bis heute ungeklärten Umständen bei einem Attentat ums Leben. Einerseits werden die Stalinschen Säuberungen dahinter vermutet, die zahlreiche politische Konkurrenten das Leben kosteten.

Offiziell jedoch wurde der Ingenieur Lew Termen (in den USA bekannt als Leon Theremin) beschuldigt, der sich mit der Erfindung des ersten elektronischen Musikinstruments einen Namen machte: dem Theremin oder auch Termenvox.

Termen lebte in den 1930ern in den USA, wo er eben jenes Instrument bewarb und Alarmsysteme gegen Einbrecher entwickelte. 1938 wurde er in die Sowjetunion zurückbeordert, wo er jedoch schon ein Jahr später mit abstrusen Beschuldigungen, den Mord 1934 (als Termen noch in den USA lebte!) an Sergej Kirow vorbereitet zu haben, konfrontiert und verhaftet wurde. Die Anklage ging davon aus, dass Termen zu einer konspirativen Gruppe gehört habe, die eine per Radiowellen zu kontrollierende Bombe in einem Observatorium in Leningrad (heute Sankt Petersburg) hochgehen ließ. Termen soll die Bombe dann gezündet haben, als Kirow gerade die Einrichtung besuchte. Tatsächlich allerdings wurde Kirow in seinem Büro vom Ehemann einer Mitarbeiterin erschossen. Aber diese Geschichte passte nicht in das sowjetische Verschwörungsnarrativ.

Nach seiner Verhaftung arbeitete Termen dann in einem Scharaschka-Gefängnis für Wissenschaftler, wo er mit der Entwicklung von Spionagetechnologie beauftragt wurde. Für sein berühmtes „Ding“ erhielt er, nachdem er 1947 aus dem Gefängnis entlassen worden war, den Staatlichen Stalin-Preis.

1879: Anschlag auf Zarenzug bei Moskau

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Auf den Zug des Zaren Alexander II. wird in der Nähe von Moskau ein Sprengstoffattentat verübt. Zu Zeiten Alexanders II. setzten radikale Revolutionäre erstmals Anschläge auf Amtspersonen als Mittel des Machtkampfs ein. Der Herrscher selbst wurde zur häufigen Zielscheibe. Dem ersten Attentat entging er 1866, vier weitere Anschläge folgten: Die Terroristen versuchten den Zaren zu erschießen und in die Luft zu sprengen – vergeblich. Am 1. März 1881 griffen jedoch die Mitglieder der Terrororganisation „Narodnaja Wolja“, zu Deutsch „Volkswille“, das Ehrengeleit des Zaren mit Bomben an. Alexander II. wurde dabei tödlich verletzt und verstarb nach wenigen Stunden. Am Anschlagsort wurde zum Andenken an den Zaren die Auferstehungskirche errichtet – bis heute ein Wahrzeichen Sankt Petersburgs.

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Im Jahr 1861 hatte Alexander II. die wohl am sehnlichsten erwartete Reform des 19. Jahrhunderts eingeführt: die Bauernbefreiung! Er verbot die Leibeigenschaft und brachte so Freiheit für Millionen von Bauern. Diese Freiheit war für die Bauern jedoch kaum zu erreichen, weil sie noch jahrzehntelang für ihre einstigen Herren arbeiten mussten, um Besitz über ihr Land fordern zu können.

Diese „Täuschung“ durch den Zaren löste einen öffentlichen Sturm der Empörung aus, die dazu führen sollte, dass Revolutionäre den liberalen Zaren mit Waffen und Bomben zu jagen begannen.

Alexander überlebte mehrere Anschläge auf sein Leben. Die Gruppe Narodnaja wolja (zu Deutsch „des Volkes Wille“) sprengte einen Raum im Winterpalast in die Luft, als man glaubte, er befinde sich darin. Ein weiteres Mal schoss ein Revolutionär auf den Zaren, verfehlte ihn jedoch. Letztlich sollten die Mörder doch noch erfolgreich sein: Am 1. März 1881 explodierte nahe der Kutsche des Zaren eine Bombe und verletzte mehrere Männer seiner kosakischen Wache. Alexander, furchtlos wie er war, stieg aus, um den Verwundeten zu helfen. Der polnische Revolutionär Ignacy Hryniewiecki nutzte diese Gelegenheit, um eine zweite Bombe zu werfen, die den Zaren und ihn selbst tötete.

Der Ort des Anschlages ist einfach zu finden: Sein Sohn und Nachfolger Alexander III. ließ an der Stelle des Blutvergießens eine Kirche errichten. Sie trägt den Namen Auferstehungs- oder einfach Blutkirche und ist bis heute eines der spektakulärsten Bauwerke Sankt Petersburgs.

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Eines von vier gescheiterten Attentaten auf Zar Alexander II., 1881

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