Geschichte in Bildern: Die „neue“ Hauptstadt Moskau im Jahr 1918

200 Jahre lang war Sankt Petersburg Russlands Hauptstadt. Nach der Revolution gaben die Bolschewiki diesen Titel an Moskau zurück. So sah die Stadt im Frühjahr 1918 aus.

Moskau wurde im 14. Jahrhundert zur Hauptstadt Russlands. Anfang des 18. Jahrhunderts beschloss der Zar Peter der Große, das Land zu modernisieren und die alten Traditionen des konservativen Moskaus mit seinen langbärtigen Bojaren abzuschaffen. Und so verordnete der Zar seinen untergebenen Adligen eine Komplettrasur und gründete die Stadt Sankt Petersburg, die daraufhin ab dem Jahr 1712 als Hauptstadt galt. Als die Romanow-Dynastie im März 1917 gestürzt wurde, beschlossen die Bolschewiki, das „ekelhafte“ aristokratische Petersburg mit seinen dekadenten Palästen zu verlassen und in die alte rote Stadt zurückzukehren.

Am 12. März 1918 unterzeichnete Wladimir Bontsch-Brujewitsch, der Sekretär von Wladimir Lenin, ein offizielles Dekret, das die Hauptstadt nach Moskau verlegte. Auf diesem Bild arbeitet Wladimir Lenin schon in seinem Kabinett im Kreml.

Das Ausmaß des Umzugs ist schwer vorzustellen. Nicht nur Regierungsangestellte wechselten vom Smolny-Institut in den Kreml, sondern auch die Mitarbeiter aller Ministerien mit ihren Familien und all den persönlichen Habseligkeiten mussten umziehen.

Als erstes schufen die Bolschewiki in Moskau neue Regeln und zerstörten die alten Machtsymbole. Auf dem Bild ist das zerstörte Denkmal von Zar Alexander dem Dritten, dem Vater von Nikolai dem Zweiten, zu sehen. Das Denkmal stand neben der Christ-Erlöser-Kathedrale, die selbst in den 1930er Jahren zerstört wurde. In den 1990er Jahren wurde die Kathedrale erneut aufgebaut.

>>>Christ-Erlöser-Kathedrale: Wie ein Gotteshaus seinen Schöpfer zerstörte und selbst wieder auferstand

Die Kremlmauern wurden mit bolschewistischen Symbolen geschmückt, die an diejenigen erinnerten, die für den Kommunismus ihr Leben opferten. Später wurden die Kremlmauern zu einem Grab für sowjetische Anführer und diejenigen, die von der neuen Macht gepriesen wurden. Zum Beispiel wurde der Schriftsteller Maxim Gorki ohne die Zustimmung seiner Familie hier begraben. Ihnen wurde sogar die Bitte verweigert, etwas von seiner Asche mitzunehmen.

Im Mai 1918 feierte man auf dem Roten Platz das orthodoxe Osterfest. Zu dieser Zeit hatten die Bolschewiki den Kampf gegen die Religion noch nicht begonnen. Später wurden die Heiligenbilder durch rote Fahnen und Lenins Porträts ersetzt und am 1. Mai feierte man mit Straßendemonstrationen den Tag der Arbeit. Für mehr als sieben Jahrzehnte erlebte die Stadt keine große orthodoxe Feier.

1922 begann Leo Trotzki mit seinem Plan, die orthodoxe Kirche in Russland zu zerstören. Patriarch Tichon (auf dem Bild in der Mitte, während der Osterfeiertage 1918) wurde verhaftet, aber wahrscheinlich nur wegen seines großen Einflusses nicht hingerichtet. Übrigens diente er lange Zeit in den Vereinigten Staaten und Kanada und gründete dort sogar die erste Orthodoxe Theologische Akademie.

Patriarch Tichon starb 1925, nachdem er viele Demütigungen von den Bolschewiki erleiden musste. Er diente jedoch pflichtbewusst bis zum letzten Tag.

Nicht zu vergessen ist, dass der Bürgerkrieg in vollem Gange war, als die Bolschewiki die Hauptstadt und die offiziellen staatlichen Organisationen nach Moskau verlegten. Beamte konfiszierten Getreide und Waren von Bauern und verteilten sie unter den Arbeitern. Man musste endlos Schlange stehen für Essen und die Hungersnot dauerte bis 1922 an.

>>>Schicksalsjahr 1917: Wer trägt die Schuld am russischen Bürgerkrieg?

Die Kavallerie ist auf dem Weg an die Front. Zu dieser Zeit erklärte der Weiße General Alexander Koltschak die sibirische Stadt Omsk zur inoffiziellen Hauptstadt. Schließlich wurde er aber von den Bolschewiki besiegt. Die Revolution, der Bürgerkrieg und der bolschewistische Terror zwischen 1917 und 1922 kosteten etwa zwölf bis 15 Millionen Menschen das Leben.

>>>Admiral Koltschak: Russischer Patriot oder britischer Spion?

Die Gegner der Bolschewiki, die Partei der Sozialrevolutionäre (kurz SR), waren entschieden gegen den Friedensvertrag von Brest-Litowsk, der am 3. März 1918 zwischen der neuen bolschewistischen Regierung und Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und dem Osmanischen Reich unterzeichnet wurde. Die SRs betrachteten die Bedingungen als inakzeptabel und beschämend und initiierten einen Aufstand. Aber sie wurden mit Artillerie beschossen und die Partei wurde für geächtet erklärt. Dieses Foto zeigt Moskau nach dem Aufstand.

Der fünfte Allrussische Sowjetkongress fand im Juli 1918 im Bolschoi-Theater statt und bestand aus Arbeiter-, Soldaten-, Bauern- und Kosakenabgeordneten. Sie unterzeichneten die Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) und einigten sich, den Terror gegen alle „Feinde der Sowjetmacht“ zu entfesseln.

>>>Vorrevolutionäres Flair: Moskau, wie wir es nie mehr sehen werden

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen