Wer war Oleg Penkowski, der Spion im neuen Film mit Benedict Cumberbatch?

Evgeny Tikhanov, Boris Prikhodko/Sputnik; Central Intelligence Agency; Russia Beyond
Der sowjetische Geheimdienstoberst Oleg Penkowski machte vor nichts Halt, um seinen Traum zu verwirklichen, in den Vereinigten Staaten zu leben.

Am 19. März 2021 feierte der neue historische Thriller „The Courier“ (Der Kurier) mit Benedict Cumberbatch nach einer COVID-bedingten Verzögerung seine Weltpremiere. Der Film erzählt die Geschichte von Oleg Penkowski, einem der berühmtesten Verräter des Kalten Krieges, und seinem Kontaktmann, Greville Wynne (Cumberbatch).

Warum betrachten viele Oberst Penkowski, ein Mitglied der Hauptnachrichtendirektion des Generalstabs der sowjetischen Streitkräfte (GRU), als den größten Maulwurf des Westens in der Sowjetunion in der gesamten Geschichte des Kalten Krieges?

Eine Geschichte dreier Geheimdienste

Oleg Penkowski

„Sie können sich meiner Hingabe, Loyalität und Entschlossenheit im Kampf für Ihre (und jetzt meine) Sache sicher sein. Sie werden sich mit Wohlwollen an mich erinnern, ich werde Ihre Anerkennung gewinnen“, schrieb Oleg Penkowski in einer geheimen Nachricht an Königin Elizabeth II., US-Präsident Dwight Eisenhower und zehn führende westliche Politiker.

Dies war einer von mehreren Briefen, die der GRU-Oberst im Sommer 1960 für CIA und MI6 verfasst und ihn zusammen mit sowjetischen Militärgeheimnissen an sie geschickt hatte. Er bot sich auf diese Weise den westlichen Sonderdiensten an.

Abschlussklasse der Dserschinski Artillerie-Ingenieurakademie in der UdSSR im Jahr 1960; Oleg Penkowski ist der dritte von rechts in der ersten Reihe.

Nach seinen eigenen Worten dauerte es drei Jahre, bis Penkowski vom Westen überzeugt war und sich entschloss, „Soldat im Kampf für die Wahrheit, für die Ideale einer echten freien Welt und Demokratie für die Menschheit“ zu werden.

Mehrmals nahm er Kontakt zum Westen auf: durch Touristen in Moskau und den britischen Geschäftsmann Greville Wynne, der Verbindungen zum britischen Geheimdienst hatte.

Da Oleg Penkowski seine Dienste sowohl den Amerikanern als auch den Briten anbot, bauten CIA und das MI6 ihn gemeinsam auf. Während einer Reise nach London im April 1961 hielt der sowjetische Oberst eine Reihe von Treffen mit seinen neuen Befehlshabern ab und erhielt spezielle Ausrüstung, darunter eine tragbare Minox-Kamera.

Der Hausausweis von Oberst Oleg Penkowski für die Gebäude des Generalstabs und des Verteidigungsministeriums in Moskau.

Als Gegenleistung wollte Penkowski die Staatsbürgerschaft der USA oder Großbritanniens sowie eine leitende Position beim Sonderdienst seines Wahllandes. Er durfte sich sogar schon in der Uniform amerikanischer und britischer Geheimdienstoffiziere fotografieren lassen.

Ein einzigartiger Spion

Als stellvertretender Leiter der Abteilung für auswärtige Beziehungen des Staatsausschusses für die Koordinierung der wissenschaftlichen Forschung im Ministerrat der UdSSR hatte Penkowski die Gelegenheit, Auslandsreisen zu unternehmen, bei denen er seine neuen West-Kollegen traf.

Oleg Penkowskis Spionageausrüstung.

In Moskau war sein wichtigster Kontaktmann ein Mann namens Greville Wynne, der die UdSSR häufig in „Handelsfragen“ besuchte. Neben Wynne kontaktierten zehn weitere US-amerikanische und britische Agenten - allesamt Mitarbeiter der Botschaft - Penkowski.

Im Laufe seiner Spionagekarriere hat Oleg Penkowski der Sowjetunion enormen Schaden zugefügt. Es gelang ihm, 111 Minox-Filme mit 5.500 streng geheimen sowjetischen Militärdokumenten auf insgesamt 7.650 Seiten in den Westen zu schmuggeln. Das Protokoll seiner Gespräche mit dem MI6 und der CIA umfasste 1.200 Seiten maschinengeschriebenen Text. Er enthüllte die Identität von Hunderten von sowjetischen Agenten im Westen, und einige seiner Informationen über die Pläne des Kremls landeten direkt auf dem Schreibtisch von Präsident John F. Kennedy.

Eine verschlüsselte Ansichtskarte von Oleg Penkowski

Die technischen Informationen von Penkowski über verschiedene sowjetische ballistische Raketen erwiesen sich für die Amerikaner während der Kubakrise von 1962 als sehr nützlich. Dank seines Maulwurfs wusste Washington genau, welche Art von Raketen Chruschtschow auf „Liberty Island“ eingesetzt hatte und wozu sie fähig wären. Oberst Penkowski bekam jedoch keine Gelegenheit, die Dankbarkeit der Vereinigten Staaten zu genießen. Am 22. Oktober, auf dem Höhepunkt der Krise, wurde er vom KGB festgenommen.

Aufgeflogen  

Der KGB hatte Penkowski fast ein Jahr lang beobachtet, bevor er ihn fasste. Agenten hatten ihn in Begleitung der britischen Botschaftsangestellten Janet Chisholm gesehen, die selbst der Spionage verdächtigt wurde.

Greville Wynne.

Während des gesamten Jahres 1962 überwachte der KGB den Oberst, identifizierte seine Kontakte, befragte vertraulich seine Arbeitskollegen und durchsuchte heimlich die Wohnung des verdächtigen Spions. Die operativen Angelegenheiten im Fall Penkowski wurden vom Leiter des KGB, Wladimir Semitschastni, persönlich überwacht.

„In der Affäre um den Verräter Penkowski und seines Kontaktmannes Wynne wurde festgestellt, dass die Nachlässigkeit, politische Kurzsichtigkeit und das verantwortungslose Geschwätz einiger Militärangehöriger, mit denen Penkowski sich traf und trank, seine kriminellen Aktivitäten erleichterten", schrieb der Leiter der KGB-Ermittlungsabteilung, Nikolai Tschistjakow. „Aber da war noch etwas anderes. Penkowski war nicht nur von Saufbrüdern und Hohlköpfen umgeben. In seinem Umfeld gab es auch einige sensible Personen, denen Penkowskis Neugier in Angelegenheiten, die ihn nicht unmittelbar etwas angingen und sein auffälliges Verhalten, verdächtig vorkamen. Dies ermöglichte es unseren Beamten, diesen gefährlichen Verbrecher auffliegen zu lassen.“

Der Prozess gegen Oleg Penkowski.

Greville Wynne wurde zehn Tage nach Penkowskis Verhaftung in Budapest festgenommen und nach Moskau gebracht. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Spionage zu acht Jahren Gefängnis, doch im April 1964 wurde er gegen den in Großbritannien inhaftierten sowjetischen Geheimdienstoffizier Konon Molodoi ausgetauscht.

Oleg Penkowski hatte weniger Glück. Trotz seiner umfassenden Geständnisse und seiner uneingeschränkten Bereitschaft, an der Untersuchung mitzuarbeiten, wurde er am 16. Mai 1963 wegen Hochverrats erschossen.

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