„Nicht Beruf, sondern Berufung”: Lehre und Alltag russischer „Froschmänner”

Oleg Lastotschkin/RIA Novosti
Die DOSAAF wurde 1940 in Sankt Petersburg gegründet und kann eine glorreiche Geschichte vorweisen. Mehr als 10 000 dort ausgebildete Froschmänner gingen oder gehen noch immer ihrer gefährlichen Aufgabe bei militärischen oder zivilen Organisationen nach. Einige halfen dabei, ihr Land im Zweiten Weltkrieg zu beschützen.

“Ein Froschmann zu sein ist kein Beruf; es ist eine Berufung”, sagt Waleri Owtscharenko, Direktor der Abteilung für Wasserfähigkeiten der DOSAAF. Diese hilft ihren Schülern, kopfüber in eine Karriere als Elitetaucher zu springen.

Die Abkürzung DOSAAF steht dabei für „Freiwillige Gesellschaft zur Unterstützung der Armee, der Luftstreitkräfte und der Flotte“. Solche Gesellschaften waren in der Sowjetära weit verbreitet, und obwohl sie als zivile Einrichtungen galten, bestand immer einer enge Kooperation mit der Armee und der Marine. Mit ihrer Hilfe sollten Rekruten, besonders die jüngsten unter ihnen, auf den Militärdienst vorbereitet werden. Die spezialisierte Meeresschule des DOSAAF war dabei seit Anbeginn ihrer Arbeit für die Ausbildung von Tauchern zuständig – und erfüllt diese Aufgabe bis heute.  

Froschmänner spielten eine entscheidende Rolle im Überlebenskampf Leningrads im Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1941 und 1945 war die Stadt 872 Tage lang von der deutschen Wehrmacht belagert. Die einzige Versorgungslinie für Nahrung und Treibstoff war die „Straße des Lebens“ über den See Ladoga.

Übung der sowjetischen Taucher-Sondereinheit in der DDR

Der Feind bombardierte diese Versorgungslinie ständig und immer wieder mussten Froschmänner im See tauchen, um Säcke mit Getreide oder Benzinfässer aus gesunkenen Schiffen zu bergen. Sie errichteten 1942 zudem eine Gaspipeline unter der Wasseroberfläche und legten eine Stromverbindung über den Grund des Sees. So erreichte die zwei Millionen eingeschlossenen Menschen Licht und Wärme.

 / Artem Protsyuk / Artem Protsyuk

Während des Krieges trainierte DOSAAF Froschmänner und auch Funker, die Kommunikationskanäle unter Wasser legen konnten. Nach dem Krieg spezialisierte sich die Seeschule auf friedlichere Bereiche und bildete zum Beispiel Schweißer aus, die unter Wasser arbeiten konnten.

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Eine Tauchausrüstung ist schwer und unhandlich. Deshalb ist es eines der wichtigsten Ziele, mit Schülern die Bewegungen unter Wasser zu trainieren. So verbringt jeder von ihnen zwischen elf und 20 Stunden im Unterwasser-Trainingsbereich. Die Länge des Unterwassertrainings bestimmt letztlich, für welche Ränke der Froschmann qualifiziert ist.

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Gleichzeitig ist die Ausbildung aber nicht auf das Tauchen beschränkt: Theorie und besondere Fähigkeiten müssen ebenfalls gelernt werden. So werden die Auszubildenden auch in Handwerk, Erster Hilfe, Arbeiten an der Takelage und Unterwasser-Videodrehs geschult.

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Im Unterwasser-Trainingsbereich erleben die Schüler realitätsnahe Simulationen. So müssen sie zum Beispiel nach Metallschrauben suchen, die auf dem Grund des Beckens verstreut sind, verknotete Seile lösen oder versunkenen Gegenstände bergen. Keine dieser Aufgaben ist in voller Montur einfach zu erledigen, aber es ist die Arbeit der Froschmänner.

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Die Schüler lernen zudem, wie sie mit Kollegen an Land kommunizieren können. Mithilfe eines Signalkabels, an dem gezogen wird, können sie Signale vom Grund an die Oberfläche übermitteln. So bedeutet das einmalige Ziehen am Kabel zum Beispiel: „Ich bin am Grund angekommen, alles ist in Ordnung.“

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Die Arbeit kann gefährlich sein und das DOSAAF hat deshalb Anlagen, die zukünftige Froschmänner auf jede erdenkliche Herausforderung vorbereiten. In einem Teil steht eine Schiffsattrappe, die sich in einer aussichtslosen Lage befindet: Sie brennt oder sinkt, je nach Trainingsaufgabe. Die Schüler müssen ruhig und doch schnell das gesamte Schiff evakuieren.

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Nicht jeder Anwärter kann ein Froschmann werden. Die Aufgabe setzt eine gute Gesundheit voraus, da Taucher jeden Tag einem enormen Wasserdruck ausgesetzt sind. Deshalb verlangt DOSAAF zunächst von jedem Rekruten medizinische Untersuchungen und Tests, inklusive des Besuchs einer Druckkammer. Nur wenn alle gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Training begonnen werden.

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DOSAAF ist historisch eng mit dem russischen Militär verbunden. Deshalb wird zudem auch großer Wert auf eine patriotische Gesinnung der Schüler gelegt. „Menschen werden nicht als Patrioten geboren, sondern sie werden zu ihnen“, steht auf der Website der Schule geschrieben. Grundsätzlich sei das Ziel, Schüler auf die Erfüllung ihrer militärischen Pflichten vorzubereiten.

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Wenn es Schülern gelingt, alle Prüfungen zu bestehen und ihre Ausbildung abzuschließen, erhalten sie ein Zertifikat, das ihnen den professionellen Status eines Froschmannes bescheinigt. Nun stehen ihnen alle Türen offen. Die See wartet auf sie.

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