Wer feiert härter: Russen oder Amerikaner?

„Sind die Partys in Amerika wirklich so voll und verrückt?”

Irina Baranowa
Ein Amerikaner, der seit drei Jahren in Russland lebt, hat sich mit der Partykultur russischer und amerikanischer Studenten befasst. Er versucht herauszufinden, wer verrückter feiert.

In amerikanischen Filmen wird das Leben am College oft verherrlicht und so fragen mich viele Russen, ob dort wirklich so viel gefeiert werde. Sie fragen zum Beispiel: „Sind die Partys in Amerika wirklich so voll und verrückt?” „Ja”, antworte ich und frage, ob das in Russland etwa anders sei. Dann ernte ich üblicherweise Gelächter und man antwortet mir: „Ja, natürlich ist es anders.” Hier sind die Gründe. 

1. Die Russen haben keine Studentenverbindungen 

 „Was soll ich sagen. Wir kennen diese Sache mit diesen Verbindungen hier nicht”, erzählt meine russische Bekannte Nadja. 

Ein anderer Russe, Jegor, hält Studentenverbindungen für eine nette amerikanische Erscheinung, er kennt sie aus Filmen, jedoch nicht von europäischen Universitäten. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Partys in den Staaten so wild sind, während dieses Ausmaß in Russland selten erreicht wird.

Eine Studentenverbindung ist eine Gemeinschaft junger Männer, die gemeinsam in einem Haus leben. Sie necken sich häufig gegenseitig und veranstalten heftige Partys. Jüngere Studenten gehen dort gerne zum Feiern hin.

„Hier in Russland treffen wir uns meist in der Wohnung eines Freundes.”

„Hier in Russland treffen wir uns meist in der Wohnung eines Freundes, denn Alkohol ist in den Studentenwohnheimen nicht erlaubt. Oft darf man nicht einmal Gäste mitbringen. Man schmuggelt sie also herein. Ich erinnere mich, dass ich einmal nach einem Date aus dem zweiten Stock eines Wohnheims gesprungen bin. Ab dem zweiten Jahr bin ich mehr auf Hauspartys und in runtergekommene Kneipen gegangen”, erzählt Jegor. Denn für schicke Bars fehlt russischen Studenten oft das Geld. 

2. Russen fangen früher mit dem Trinken an 

Es gibt keine Garantie, dass ein oder zwei Drinks vor dem Hochschulstart helfen, die eigenen Grenzen kennenzulernen. Doch es schadet auch nicht. Es gibt viele, die schon in der Schule Erfahrungen mit Alkohol gemacht haben und in etwa ihr Limit kennen. In Amerika wird das Alkoholverbot für unter 21-jährige immer diskutiert.

In Russland habe ich aber noch keinen aus dem Erstsemester gesehen, dem der Magen ausgepumpt werden musste, was in Amerika häufiger vorkommt. Selbst in Bars oder auf Partys zu Hause verliert der 18-jährige Russe selten die Kontrolle. Da ist es weitaus wahrscheinlicher, dass dies einem 30-jährigen passiert, der gerade eine Trennung hinter sich hat. 

>>> Ab welchem Alter lassen russische Familien ihre Kinder Alkohol trinken? (Spoiler: nicht ab 18)

3. Das soziale Umfeld ist ein anderes 

„Wenn Russen betrunken sind, führen sie irgendwann Gespräche über ihre Lebensentscheidungen, erzählen Persönliches.“

„Ich glaube, dass es auf russischen Partys nicht so übertrieben voll ist, wie auf amerikanischen. Auch wir tanzen gerne, wenn wir betrunken sind. Aber es gibt selten eine überfüllte Party. Wir verbinden Menschenmassen nicht unbedingt mit mehr Spaß”, sagt meine Bekannte Uljana. „Wenn Russen betrunken sind, führen sie irgendwann Gespräche über ihre Lebensentscheidungen, erzählen Persönliches. Dazu rauchen sie dann eine Zigarette. Amerikanische Partys hingegen werden im Laufe der Nacht meistens immer lauter. Russen, die sich vor zwei Stunden kennengelernt haben, diskutieren eher über ihr Liebesleben als über das Universitätsleben oder Politik“, fügt sie hinzu. 

Als 30-jähriger Raucher und Sportabstinenzler sprechen mich russische Partys mittlerweile an. Doch wenn ich erst 19 wäre und die einzigen Partys, die ich feiern könnte, in einer verrauchten WG-Küche stattfänden oder ich mich in ein Wohnheim schleichen müsste, dann wäre ich nicht begeistert. Daher geht der Punkt für mich an die Partys in den USA. 

„Amerikanische Partys hingegen werden im Laufe der Nacht meistens immer lauter.“

Das haben Russen auf meine Frage „Wie feiern russische Studenten?” noch geantwortet: 

„Ich erinnere mich nur, dass es extrem langweilig war, weil die Russen nicht so gesellig sind. Die Universitätsverwaltung hat versucht, etwas zu organisieren, so etwas wie einen verpflichtenden Kennenlerntag, doch das war so lahm. Später trafen sich die Leute in kleinen Gruppen und veranstalteten Partys mit Gitarrensingen, Kartenspielen, Shisha rauchen und so weiter “, sagt Julia.

„Ich weiß nichts über Partys, weil ich ein introvertierter Idiot bin, der jahrelang an der Universität studiert und gelesen hat. Ich bereue nichts.“ - Daria 

1) „Wir machen keine Trinkspiele. Wir spielen Brettspiele und trinken Alkohol.“ 

2) „Wir dürfen ab 18 legal Alkohol trinken.“

3) „Die Alkoholsorte hängt von der Gesellschaft ab. Es ist normal, sich mit Wein zu betrinken.“

4) „Die besten Gespräche finden entweder in der Küche oder in der Raucherecke, meist auf dem Balkon statt oder abseits der Menge an einem Ort mit frischer Luft.“ 

5) „Erstsemester lassen sich in drei Gruppen aufteilen: 

-Die, die schon in der Schule Erfahrung mit Alkohol gemacht haben und zumindest ansatzweise ihr Limit kennen. Das ist die größte Gruppe. Sie alle rauchen Zigarette oder Wasserpfeife oder haben mal geraucht.

-Die, die während der Schulzeit noch nicht getrunken haben, es aber gerne getan hätten. Die trinken eine Menge. 

-Die, die aus verschiedenen Gründen gar nicht trinken. 

Die letzte Gruppe ist nochmal unterteilt in diejenigen, die dann doch trinken (wir machen uns darüber lustig, dass wir den armen Jungen oder das arme Mädchen betrunken gemacht haben) und diejenigen, die weiter nicht trinken. 

„Ich denke, das ist in den USA genauso.“ – Fox

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