Tschechow am kleinsten Meer der Welt: Vier Dinge, die Sie in Taganrog nicht verpassen dürfen

Im südrussischen Taganrog können Sie nicht nur auf den Spuren Peter des Großen und Anton Tschechows wandeln. Hier gibt es auch das kleinste Meer der Welt, leckeren Fisch und wunderschöne Frauen. Russia Beyond hat für Sie einen Reiseführer zusammengestellt.

In dem Bestreben aus Russland eine Seemacht zu machen, gründete einer der bekanntesten russischen Zaren, Peter der Große, die 1 100 Kilometer südlich von Moskau gelegene Stadt Taganrog. Das geschah fünf Jahre vor dem Beginn des Baus von Sankt Petersburg: Eine Tatsache, die auch heute gerne von den Stadtbewohnern erzählt wird. Natürlich nicht ohne zu erwähnen, dass genau hier, auf der Stelle einer alten griechischen Siedlung, der Zar die Seehauptstadt errichten wollte.

Sogar der Bauplan der Stadt ist Petersburg ähnlich, wie man uns im einzigen Museum für Städtebau des Landes erzählt, das sich in einer luxuriösen, von dem Architekten Fedor Schechtel erbauten Villa im Jugendstil befindet. Das Denkmal des Stadtgründers, dessen  Abbild in Archangelsk auf dem 500-Rubel-Schein zu sehen ist, steht seit dem 19. Jahrhundert auf der Aussichtsplattform am Rande der Stadt, von der es auch einen phantastischen Blick auf das Meer und den Hafen gibt.

Auf den Spuren Tschechows und seiner Figuren

Tschechow-Haus

Аnton Tschechow, der Autor bekannter Theaterstücke wie „Die Möwe“, „Die drei Schwestern“, „Onkel Wanja“ und „Der Kirschgarten“, ist eine der Persönlichkeiten, mit der man Taganrog im Allgemeinen assoziiert. Tschechow, dessen internationale Popularität als Schriftsteller höchstens noch von Leo Tolstoi übertroffen werden kann, wurde in Taganrog im Jahre 1860 geboren und besuchte dort ein örtliches Gymnasium, sammelte Ideen für seine satirischen Erzählungen und kehrte auch später oft in diese Stadt zurück. Man sagt, dass im historischen Stadtzentrum die Präsenz Tschechows förmlich spürbar ist.

Das kleine weiße Haus, in dem er mit seinen Eltern lebte, das Gymnasium, in dem immer noch Tschechows Schulbank steht sowie das Lebensmittelgeschäft seiner Verwandten, in dem er sich oft nach der Schule zusammen mit seinen Brüdern aufhielt und in dem spannende Alltagsgegestände aus dem 19. Jahrhunderts zu sehen sind, sind heute Museen, die von der Öffentlichkeit besichtigt werden können.

Die dortigen Museumsführer bieten Ihnen gerne auch eine literarische Führung zum Thema Tschechow an, bei der Sie die Handlungsorte zahlreicher Erzählungen von ihm, unter anderem „Ionytsch“ oder „Der Mann im Futteral“, besuchen können.

Tschechow-Theater

Mit Tschechows Namen werden auch das alte Dramatheater auf der Petrowskaja-Hauptstraße und die vom Architekten Schechtel erbaute und von Tschechow kuratierte Bibliothek nebenan in Verbindung gebracht.

Alles über die Provinz-Höfe des 19. Jahrhunderts

Alferaki-Anwesen

Mit der architektonischen Entwicklung der Stadt, so, wie sie bis heute erhalten ist, wurde aktiv im 19. Jahrhundert begonnen. Heute kann man hier etwas über den eklektischen Geschmack der russischen Gutsherren erfahren, die ihre Villen im Stil des Palladianismus, des Barocks, des Empire oder Art nouveau errichten ließen. Neben dem bereits erwähnten Museum für Städtebau, der einstigen Residenz des Unternehmers Scharonow, ist vor allem das ungewöhnliche Schloss Alferaki, das vom Stadtoberhaupt Sir Nikolai Alferaki errichtet wurde, eine Besichtigung wert. Die korinthischen Säulen an der Fassade, der Ballsaal mit seinem vergoldeten Stuck und seinen Fresken, die Marmortreppen – all das erzählt vom Leben des damaligen Provinzadels. Heute befindet sich in diesem Haus das historische Naturkundemuseum mit einer umfangreichen Sammlung der dekorativen Handwerkskunst des  17. bis 20. Jahrhunderts.

Heimatmuseum

Ein anderes eklektisches Meisterwerk stellt die Villa Chandrina dar, in der sich heute das städtische Kunstmuseum befindet. Der neoklassische Bau, der auch Renaissance- und Barockelemente besitzt, hat einen Innengarten, in dem man die innere, im russischen Stil gehaltene Fassade des Gebäudes bewundern kann. Das Museum selbst beherbergt eine kleine, aber sehr gute Auswahl russischer Malerei, darunter auch Arbeiten von Ilja Repin, Iwan Ajwasowskij, Konstantin Korowin und Walentin Serow.

Frischer Fisch vom Markt

Über die gastronomischen Spezialitäten der Region kann Ihnen das historische Heimatmuseum am besten etwas erzählen. Wenn Sie jedoch das örtliche Kolorit der Fischer fühlen möchten, die bis heute eigenständig und unabhängig tätig sind, sollten Sie sich auf den Zentralmarkt begeben. Neben frischem Obst und Gemüse, das man heute wohl als Bioprodukt klassifizieren würde und das aus den umliegenden Dörfern stammt, bietet der Markt eine Große Auswahl verschiedener Fischsorten an. Auch wenn Sie hier keine Mittelmeerspezialität und Meeresfrüchte finden, sollten Sie dennoch unbedingt die heimischen Grundeln probieren. Zudem kann diese Anchovisvariante jedermann zubereiten: Dazu müssen Sie den Fisch nur ausnehmen, in Mehl wenden und in Sonnenblumenöl braten. Die Zander, Rutiluskarpfen und Brachsen werden von den Fischern darüber hinaus gerne gesalzen und getrocknet und sind über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Im kleinsten Meer der Welt schwimmen

Sollte Ihre Reise nach Taganrog auf den Sommer oder Herbst fallen, müssen Sie unbedingt im Asowschen Meer, im kleinsten Meer der Welt, dessen Tiefe bei 13,5 Metern, und an der Taganrog Bucht bei fünf Metern liegt, baden gehen.

Die Stadt ist beinahe von allen Seiten von Wasser umgeben und hat ein paar schöne Strände. Der wichtigste davon ist der „Sonnenstrand“, zu dem eine alte „Steintreppe“ führt und neben der in der Nähe des Abgrunds das „Tschaikowski-Häuschen“ liegt, einstiges Domizil des Bruders des bekannten Komponisten, in dem auch Tschaikowski selbst oft zu Gast war.

Es lässt sich aber auch außerhalb der Badesaison ein schöner Spaziergang entlang der Strandpromenade oder ein Ausflug in das Café „Albatros“ mit seinem Panoramablick aufs Meer machen.

Am Strand

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