Von Sachalin bis Kalmückien: So weit die Füße eines Ultramarathonläufers tragen

Einfach nur Joggen wäre ja auch langweilig.

8. April, 18.18 Uhr, irgendwo auf einem Zuckerrohrfeld an der Südgrenze der russischen Republik Kalmückien. Da steht ein russischer Sportler, der gerade seinen Ultramarathon beendet hat. 356 Meilen ist er gerade vom nördlichsten zum südlichen Punkt von Kalmückien gelaufen. In sieben Tagen, zehn Stunden und 48 Minuten mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von knapp 50 Meilen pro Tag. Das ist neuer Weltrekord. Und der neue Rekordhalter heißt Dmitrij Erochin.

Für den 38-jährigen Ultra- und Trailrunner ist dieser Marathon nicht der erste. Seit seinem ersten großen Rennen 2006 hat Dmitry mehr als 150 Marathons und Ultramarathons absolviert, darunter den 155 Meilen langen Sahara-Marathon (2013), einen 26-tägigen 1056-Meilen-Marathon von Moskau nach Sotschi (2014) und den Everest-Marathon (2017) über 37 Meilen vom Everest-Basislager zum Dorf Namche Bazaar.

Rettender Auslauf

Geboren ist Erochin in der russischen Region Kemerowo, in der Stadt Nowokusnezk. Von Beruf ist er Jurist. Mit 25 Jahren begann er zu laufen, inspiriert hatte ihn das Buch "Laufen zur Rettung" ("Beg w pomoschtsch") von einem der prominentesten Läufer Russlands, dem mittlerweile 75-jährigen Andrej Tschirkow.

"Ich mochte Sport nicht, aber ich ließ mich von Tschirkows Geschichte inspirieren und entwarf sofort einen Trainingsplan, wählte einen Termin für einen Marathon, der gut in eine 100-tägige Vorbereitungszeit passte. In 96 Tagen wurde mein Plan dann Realität", erzählt Erochin. Dann wuchs sein Interesse an Ultramarathons (Distanzen über 26 Meilen) und das Bedürfnis, den Asphalt durch Berge und Wüsten zu ersetzen. Erochin wechselte zum Trailrunning.

Heißer Rückschlag

Bis zu seiner Sahara-Reise 2013 hatte Dmitry bereits mehrere Marathons in Russland und der Ukraine absolviert, nun suchte er neue Herausforderungen. Das heiße Wetter und die komplizierte Verpflegung machten den Sables-Marathon durch die Sahara zu einer der größten Herausforderungen für den Sportler.

Erochin wählte Schmalz als Hauptquelle für Kalorien auf dem Weg. Aber aufgrund der Hitze war es schon am zweiten Tag geschmolzen, so dass er ganze vier Tage kaum praktisch ohne Essen hätte laufen müssen, wenn er nicht Hilfe von dem russischen Kollegen Wladimir Woloschin bekommen hätte, der seine Vorräte mit ihm teilte. Erochin erreichte Platz 43. - das beste Ergebnis unter den sieben russischen Teilnehmern in diesem Jahr. Ohne den Fehler beim Essen wäre er vielleicht in den Top-30 gelandet.

2016 dann wollte er den Baikalsee, um die Öffentlichkeit für die Umweltprobleme in der Region zu sensibilisieren. Die Route war sehr schwierig: Er musste einen großen Waldbrand passieren und zweimal einen Bären vertreiben! Nach 28 Tagen und 745 Meilen musste Erochin ins Krankenhaus eingeliefert werden: mit einem entzündeten Zeckenbiss.

Was hält ihn am Laufen?

Letztes Jahr durchquerte Erochin die Insel Sachalin vom Norden bis zum Süden und absolvierte die 745 Meilen in nur 20 Tagen – mindestens 37 Meilen pro Tag durch Flüsse und wilde Wälder mit Übernachtungen in Hotels und Pensionen auf dem Weg.

"Wenn ich renne, konzentriere ich mich darauf, wo ich hintrete, denke über den Weg nach und beurteile meinen physischen Zustand."

Und jedes Mal, wenn er sich eine neue Marathon-Aufgabe stellt, widmet er sie einer bestimmten Sache. Den Marathon Moskau-Sotschi lief er, um Geld für Schlaganfallopfer zu sammeln. Den Ultramarathon in Kalmückien widmete er der gefährdeten Saiga-Antilope.

Darüber hinaus berät und coacht Erochin Laufanfänger:

"Seit 2008 trainiere ich Menschen – manche regelmäßig, manche mit Rat und Anleitung. Ich mache das kostenlos, nur für den guten Zweck. Ich will die Laufkultur im Land fördern. "

Kann ich das auch?

Die Vorbereitung auf Marathons und Ultramarathons ist keine leichte Aufgabe. Sie brauchen nicht nur gute Erfahrung und gute Gesundheit (starke Beine, Herz und Immunsystem, psychische Stabilität und Ausdauer), sondern auch gute Ausrüstung und die Fähigkeit, Dinge im Voraus zu planen, um einen Zeitplan für den Lauf zu erstellen sowie Wasserversorgung, alle notwendigen Lebensmittel und Unterkunft vorzubereiten.

"In Kalmückien zum Beispiel war meine Route länger, als ich geplant hatte, weil ich meine erste Route durch die Steppe nehmen musste. Die aber ist noch nicht ausgetrocknet und war wegen des langen Winters noch nass. Also musste ich 75 Meilen mehr laufen, als ich erwartet hatte."

Seinen nächsten Marathon plant Erochin vom 14. bis 27. Mai - 560 Meilen durch zehn Städte des Goldenen Rings.

"Man sollte belastbare Nerven haben, die Monotonie gut aushalten. Es gibt Leute, die körperlich nicht lange laufen können. In solchen Fällen würde ich empfehlen, einen Kilometer zu laufen und in den letzten 50 oder 100 Metern zu rennen, sich gewissermaßen aufzurütteln. Man kann auch versuchen, mit Musik oder Hörbuch zu laufen. "

Ein universelles Erfolgsgeheimnis jedoch gebe es nicht:

"Ich bin ein starker Befürworter des regelmäßigen Laufens, mindestens 15 bis 20 km pro Tag, um die Laufleistung zu verbessern. Wer noch nur darüber nachdenkt zu laufen, sollte vor allem vorsichtig sein. Anfänger können sich selbst schaden. Es ist nicht wichtig, besonders schnell zu sein!"

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