Kuwait pumpt Öl-Geld in Russlands Wirtschaft

Der niedrige Ölpreis heizt das Interesse arabischer Investoren an.

Der niedrige Ölpreis heizt das Interesse arabischer Investoren an.

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Eine halbe Milliarde US-Dollar will ein Staatsfond aus Kuwait zusätzlich in russische Projekte investieren. Dadurch will der Golfstaat seine Risiken durch fallende Ölpreise minimieren. Partner des kuwaitischen Investors in Russland ist der Russian Direct Investment Fund (RDIF).

Mit weiteren 500 Millionen US-Dollar (466 Millionen Euro) verdoppelt Kuwait seine Beteiligung an der russischen Wirtschaft. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die Kuwait Investment Authority, eine Dachorganisation kuwaitischer Staatsfonds, und der Russian Direct Investment Fund vergangene Woche. Bereits 2012 hatten die Anleger beschlossen, in gleichem Umfang Kapital in russische Projekte fließen zu lassen.

Der RDIF wurde 2011 von der russischen Regierung gegründet, eigens um ausländische Investitionen in die boomenden Sektoren der russischen Wirtschaft zu locken. „In den vier Jahren ihrer Arbeit war unsere Investmentgesellschaft überaus erfolgreich: Über 20 Milliarden US-Dollar (rund 19 Milliarden Euro) investierten arabische Staatsfonds langfristig in Russlands Wirtschaft“, hieß es aus dem Staatsfonds. Zu seinen Partnern zählten zudem der Mubadala-Fond aus den Vereinten Arabischen Emiraten, der Mumtalakat-Fond aus Bahrain, die Qatar Holding und der saudi-arabische Investment Fund.

Starke Rendite und strategische Ziele

Vor allem der niedrige Ölpreis heizt das Interesse arabischer Investoren an russischen Aktiva weiter an. „Staatsfonds aus der Golfregion übernehmen zunehmend die Retterrolle für ganze Volkswirtschaften“, sagt Wladimir Roschankowskij, Chefanalyst der Investmentgesellschaft Okey Broker. Die klassischen Investmenttools – an den westlichen Börsen etwa – garantierten längst keine hohe Rendite mehr, erklärt Roschankowskij.

Die Abwertung des Rubels in der zweiten Hälfte 2014 nahezu um das Doppelte habe die Profitabilität russischer Industrieprojekte nach oben katapultiert, fügt Pawel Salas, Generaldirektor von Etoro, hinzu. Wie der Experte sagt, könnten Projekte in Russland nach fünf bis sieben Jahren eine Rendite von 120 bis 130 Prozent einfahren.

Sicherlich verfolgen die Investoren mit ihrem Engagement aber auch strategische Ziele. „Arabische Staatsfonds investierten in den vergangenen Jahren hauptsächlich in die Infrastruktur und die Petrochemie – Branchen, die direkt oder indirekt an die Verarbeitung oder den Transport von Rohöl gekoppelt sind, was sich letztendlich auf den Endpreis dieses Produktes auswirkt“, analysiert Denis Beljaew von der Anwaltskanzlei DS Law. Dadurch erhielten arabische Investoren Einblicke in die Preisbildung der russischen Erdölwirtschaft und könnten ihre eigenen Preise entsprechend korrigieren.

Infrastruktur, Immobilien und Hightech

Aufgrund religiöser Restriktionen dürften arabische Fonds nicht in bestimmte Bereiche investieren, beispielsweise in den Bankensektor oder den Kapitalmarkt, sagt der Regionalratings-Direktor bei Rusrating, Anton Tabach. Daher bevorzugten sie die Verkehrsinfrastruktur, den Bau- und Immobiliensektor sowie den Handel als Anlageprojekte. „Investitionen in die Infrastruktur können sich als besonders profitabel erweisen – auch und vor allem im Zusammenhang mit dem chinesischen Mammutprojekt der ‚Neuen Seidenstraße‘. Ihr Großteil wird faktisch über russisches Territorium verlaufen“, hebt Pawel Salas von Etoro hervor.

Gefragt seien auch Hightech-Industrien und Gewerbeimmobilien. Diese Sparten würden mit höheren Renditewerten auffahren als im europäischen Durchschnitt üblich – und das bei geringerem Wettbewerbsdruck im Inland und niedrigeren Selbstkosten, betont Daniil Kirikow, Senior Associate bei der Kirikov Group.

Schon vor der Gründung des RDIF investierten Staatsfonds vom Persischen Golf in Russland: 2010 stellte der russische Staatskonzern Rostec mit dem Hafenbetreiber Gulftainer aus den Vereinten Arabischen Emiraten einen Fonds von 500 Millionen US-Dollar für Investitionen in Infrastrukturprojekte auf die Beine. Der Betreiber beteiligt sich unter anderem am Ust-Luga-Containerterminal. Wenig später brachte der russische Konzern gemeinsam mit der Immobilienholding Damac aus den VAE 300 Millionen Dollar (280 Millionen Euro) für Investitionen in Immobilienprojekte auf.

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