Immer und überall: Wofür die Russen ihr Onlinebanking lieben

Russische Sberbank Online

Russische Sberbank Online

Jurij Smitjuk/TASS
Im Kampf um die Gunst der Kunden überbieten sich russische Banken mit ihren Dienstleistungen für ihre Kunden. Immer mehr ausgefallene und nützliche Apps und Angebote bringen die Geldhäuser auf den Markt. RBTH stellt Ihnen die besten dieser digitalen Services vor.

Ausgezeichnet: Russische Sberbank Online  / Yuri Smityuk/TASSAusgezeichnet: Russische Sberbank Online / Yuri Smityuk/TASS

Auf der Jagd nach neuen Zielgruppen starten russische Geldhäuser eine Online-Offensive nach der anderen. So mancher Ausländer kann da nur staunen: Banken bieten ständig neue Onlinedienste und Zusatzleistungen an, ohne dass ihre Kunden dafür tief in die Tasche greifen müssten.

So kommt die bequemste App fürs Onlinebanking aus Russland: Die Finanzzeitschrift „Global Finance“ zeichnete das Produkt der russischen Staatsbank Sberbank mit diesem Titel aus. Und auch jene Onlinebank mit den weltweit meisten Kunden, die Tinkoff Bank, ist russisch.

„Die Banken sind immer weniger Finanzinstitute im klassischen Sinn“, sagt Max Koslow, Generaldirektor des Softwareentwicklers Fabuza. „Sie werden immer mehr zu Technologiefirmen, die ihren Kunden eine ganze Reihe von Dienstleistungen bieten.“

Online- und Mobilebanking sei für die Geldhäuser ein lukratives Geschäftsfeld, erklärt der Branchenkenner. Denn neue Services generierten Mehreinnahmen: Kunden bezahlten zum Beispiel ihre Strom-, Handy- oder Internetrechnungen bequem vom Telefon oder Laptop aus. Die Bank kassiere dafür zum einen eine kleine Transaktionsgebühr und zum anderen sänken die Kosten der Bank, weil ihre Kunden seltener die Filialen aufsuchen müssten.

Der Marktkenner betont zudem: Bei der Zahl von Services und der Funktionalität der Apps seien russische Banken ihren westlichen Konkurrenten inzwischen weit voraus. In den USA etwa kämen Zusatzleistungen meist von externen Unternehmen, russische Banken hingegen würden alles aus einer Hand anbieten, sagt Koslow. Dadurch hätten sie mehr Sicherheit, aber auch mehr Freiraum für Weiterentwicklung.

Im Kampf um den Kunden seien die Zusatzservices für russische Banken ein absolutes Muss, sagt Konstantin Scherebzow, Generaldirektor des Fintech-Anbieters Conomy. „Jetzt geht es um die Masse: Wer schafft es, mehr Menschen und Datenverkehr zu akkumulieren? Deshalb bringen die Geldhäuser bankenuntypische Dienstleistungen und Finanzprodukte auf den Markt, um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen.“

Welche Produkte russische Banken ihren Kunden inzwischen anbieten, hat RBTH hier für Sie zusammengestellt:

Mobilebanking

Es ist der mittlerweile wichtigste Service: eine Anwendung, über die der Kunde eigenständig seine Finanzen steuern kann. Die beste App in Mittel- und Osteuropa bietet wie bereits erwähnt die russische Sberbank. Geld in Echtzeit überweisen, das Handy aufladen, Rechnungen und sogar Knöllchen bezahlen: Das alles bietet Sberbank Online. Außerdem können Kunden mit der App Überweisungsvorlagen und Daueraufträge erstellen.

Besonders beliebte Funktionen der Sberbank-App sind zudem die Ausgabenanalyse und der Finanzratgeber. Das Programm gibt dem Kunden persönliche Tipps zum Umgang mit dem eigenen Geld. Errechnet werden diese auf Grundlage des Kontostandes sowie bereits getätigter und geplanter Ausgaben.

Personalisierte Bankkarten

Ein originelles Design für die eigene Bankkarte ist ein weiterer Hit bei den Zusatzleistungen der Banken. Der Kunde kann jedes beliebige Motiv auf der Chipkarte abbilden lassen, sei es ein Familienfoto oder das Bild des Lieblingstiers.

Chip-Uhr

Die Alfa Bank, eine weitere russische Großbank, bietet ihren Kunden das System AlfaPay: eine Uhr mit eingebauter Bankkarte. Bezahlt wird über PayPass, die Armbanduhr dazu an das Terminal gehalten.

U-Bahn-Abo

Die Fahrgäste der Moskauer Metro können ihr Ticket direkt am Eingang zur U-Bahn-Station bezahlen. Dazu muss lediglich die Bankkarte an das PayPass-Terminal am Eingang zur U-Bahn-Station angelegt werden. Der Betrag wird in Sekundenschnelle vom Konto abgebucht – gute Fahrt! Die Sberbank und die VTB24, eine weitere russische Staatsbank, bieten diesen Service.

Tax Free

Die Mehrwertsteuer nach einem Einkauf in Europa wiederzubekommen, ist mit manchen russischen Banken jetzt viel einfacher – und schneller: Die Alfa Bank verspricht die Erstattung innerhalb von 48 Stunden.

Dafür werden die Kassenbons vom Einkauf in eine spezielle App hochgeladen. Die App füllt dann die notwendigen Formulare aus, die kurz vor dem Abflug beim Zoll bestätigt werden müssen. In der Heimat muss dann noch die Erklärung samt der Quittungen an die Bank geschickt werden. Der Tax-Free-Betrag wird dem Konto gutgeschrieben.

Geld über Telegram

Die Tinkoff Bank bietet ihren Kunden an, Geld über den Messenger-Dienst Telegram zu überweisen – auf jedes Konto einer beliebigen anderen Bank.

Aktentasche im Smartphone-Format

Die Tinkoff Bank bietet ihren Kunden noch einen weiteren Service an: Eine App fungiert als digitaler Safe für persönliche Daten. „VKarmane“ heißt die Anwendung, zu Deutsch: „In der Hosentasche“. Dort kann der Kunde seine Ausweis- und Bankdaten sowie weitere persönliche Informationen aufbewahren.

Beim Ausfüllen von Onlineformularen oder anderen Anwendungen ist die App hilfreich: Das Programm überträgt die Daten automatisch in die Maske. Außerdem erinnert das Programm den Nutzer, wenn Karten und Ausweise ablaufen.

Laufgeld

Die Alfa Bank überweist Geld vom Girokonto des Kunden automatisch auf ein spezielles Sparkonto. „Activity“ heißt das Programm. Der Sparbetrag wächst mit jedem Meter, den der Kunde am Tag zurücklegt. Was man dafür braucht, ist ein Fitnessarmband und die „RunKeeper“-App auf dem Smartphone. Die Bank ihrerseits verspricht satte 5,8 Prozent Jahreszins auf das „Laufgeld“.

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