Mehr Schall statt Rauch: Russland rüstet sich für den Krieg der Zukunft

Rogue One: A Star Wars Story (2016). Source: kinopoisk.ru

Rogue One: A Star Wars Story (2016). Source: kinopoisk.ru

Die meisten herkömmlichen Waffen beruhen auf traditionellen wissenschaftlichen prinzipien und der Schwerindustrie. Der moderne Staat hat nun aber einen Punkt in der Entwicklung erreicht, an dem eine grundsätzliche technische Wende zu erwarten ist. Zukünftige Kriege werden mit völlig neuen Waffen geführt werden. Großmächte wie Russland wappnen sich bereits für diese Wende in der Kampftechnik.

Rogue One: A Star Wars Story (2016). Quelle: kinopoisk.ru / nullRogue One: A Star Wars Story (2016). Quelle: kinopoisk.ru / null

Radioelektronische Lösung vor Kampfbeginn

Radioelektronische Waffen gehen mit konzentrierten Energiestößen gegen den Gegner vor. Sie können Flugkontrollsysteme genau so leicht neutralisieren wie Drohnen sowie lenkbare und präzise Raketen mit kräftigen Mikrowellenimpulsen zerstören. Und laut russischen Entwicklern ist das schon heute keine Zukunftsmusik mehr. Solche Waffen befänden sich vielmehr bereits in der Testphase, während es bislang weltweit keinerlei Analoga gebe. 

Schon 2014 soll ein russischer Su-24-Bomber den US-Zerstörer USS Donald Cook mit einer solchen radioelektronischen Waffe angegriffen und zeitweise außer Gefecht gesetzt haben, als jener der russischen Schwarzmeerküste zu nahe gekommen waren.

Künftig sollen diese Waffen auch in den neu entwickelten russischen Kampfflugzeugen der sechsten Generation installiert werden. Ihre Hauptaufgabe aber wird der Kampf gegen unbemannte Flugobjekte, also Kampfdrohnen, vom Boden aus sein. Indem Elektronik, Radare und Navigationssysteme des Feines frühzeitig gestört werden, sollen Gefechte frühzeitig für sich entschieden werden können. Der endgültige Sieg könne dann mit anderen Mitteln erzielt werden, heißt es.

Außerdem kann die Waffe an sich schon irrationale Ängste und Panik bei den Soldaten selbst auslösen, was offenbar auch bei dem Zwischenfall mit dem US-Zerstörer geschehen war: Die amerikanischen Marinesoldaten verfielen in chaotische Angstzustände als sie realisierten, dass sich das Kriegsschiff nicht mehr verteidigen konnte und nur noch wie eine einfache Ente auf der Wasseroberfläche saß.

Schneller, härter, Railgun

Eine Railgun ist eine elektromagnetische Schusswaffe, die Stahlgeschosse über einen stromführenden Schlitten und zwei parallel laufende Schienen beschleunigt. Sie gilt schon jetzt als die Waffe der Zukunft. Abhängig von der Stärke des erzeugten Magnetfeldes kann eine Railgun die Geschosse auf bis zu drei Kilometer pro Sekunde beschleunigen - fast schon Orbitalgeschwindigkeit (7,9 km/s).

Und genau an diesem Punkt findet der Übergang zu neuen physikalischen Prinzipien statt: Bei solchen Geschwindigkeiten kann ein 15-Gramm-Zyliner aus Plastik sogar mehrere Zentimeter dicke Aluminiumplatten durchschlagen. Keine Panzerung kann das abwehren.

Die Railgun wird gegenwärtig in Russland getestet. Den zuständigen Forschern zufolge liegt ihr Hauptziel darin, einen möglichst kompakten, aber gleichzeitig starken Motor dazu zu entwickeln, weil eine Railgun viel Energie benötigt, um zuverlässig funktionieren zu können.

Laser: geheim und energiebedürftig

Bislang werden Lasertechnologien beim russischen Militär vor allem zu Ortung, Anpeilen und Navigation verwendet. Aber ihr Einsatz als Kampfmittel ist nur noch eine Frage der Zeit. Natürlich werden konkrete Informationen zum Forschungsstand in der militärischen Laserentwicklung in Russland zu einem großen Teil unter Verschluss gehalten. Aber bekannt ist, dass die Armee Laser bekommen soll, die auf Fahrzeugen, Flugzeugen und auch Schiffen installiert werden können.

Beispielsweise die Jets A-60 und MiG-35 sollen Laser erhalten, um feindliche Luftraumnavigationssysteme zu blenden. Solche Laser aber werden nichts gemein haben mit den bunten Strahlenwaffen, die wir aus den "Star Wars"-Filmen kennen, wie der Militärexperte Dmitri Drosdenko jüngst Radio Sputnik erklärte. Um ein ganzes Flugzeug zerstören zu können, braucht es vor allem riesige Geräte und Energieschübe. Die bislang entwickelten Apparate wären so groß, dass sie selbst kaum noch auf Flugzeugen installiert werden könnten. 

Zu Zeiten des Kalten Krieges hatte die damalige Sowjetunion schon an der Entwicklung von Lastertechnik für die Anwendung im Kampf geforscht. Zuerst wurden Laserpistolen für Kosmonauten entwickelt. Das Militär aber übernahm sie nicht, weil sie einem Feind kaum Schaden zufügen können.

Die USA testen angeblich gerade Laserschusswaffen, die feindliche Ziele durchaus zerstören könnten: Die sogenannte Verteidigungs-Anti-Munition (ADAM) von Lockheed Martin könne auf geringer Distanz bereits feindliche Raketen, Drohnen und kleinere Schiffe neutralisieren. Über ähnliche Tests in Russland liegen derweil keinerlei informationen vor.

Zugedröhnt: Schallwaffen gegen den Feind

Diese Waffen nutzen Geräusche, um gegenerische Soldaten zu terrorisiseren und unter ihnen Angst und Panik auszulösen. Selbst menschliche innere Organe können mit bestimmten Tönen so stark beeinträchtigt werden, dass das letztlich zum Tod führt. Konkrete Angaben fallen natürlich auch in diesem Bereich unter das Militärgeheimnis. Bekannt aber ist, dass sowohl die USA als auch Russland an der Entwicklung arbeiten. Klangkugeln seien bereits in beiden Staaten erarbeitet worden. Aber Schwankungen in der Stärke der Schallwellen mindern die Schadenswirkung. Darum können solche Geschosse nur über sehr kurze Distanzen verwendet werden.

Eine zweite Schwierigkeit ist, dass die Waffen natürlich so konzipiert werden müssen, dass sie letztlich nicht den eigenen Soldaten schaden. Der Klang muss also fokussiert und "geschossen" werden. 

Bis heute werden solche Schallwaffen nur von der US-Polizei bei Protesten eingesetzt. Für das Militär sind die bisherigen Waffen jedoch nicht relevant, weil sie zu viel Energie brauchen und nur auf sehr kurzen Strecken effektiv funktionieren.

Aber laut der nach wie vor gültigen Militärdoktrin der Russischen Föderation von 2010 heißt es, dass Schallwaffen für künftige Kriege weiter intensiv entwickelt werden würden. Die Zukunft wird die Resultate zeigen.

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