Warum Russland die "US-Genozid-Waffen" in Syrien nicht bekämpft

US-Militärs und ein High Mobility Artillery Rocket System (HIMARs) bei einem Trainingsmanöver im April 2016.

US-Militärs und ein High Mobility Artillery Rocket System (HIMARs) bei einem Trainingsmanöver im April 2016.

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Das High Mobility Rocket System (HIMARS), das die USA nahe der syrischen Stadt At Tanf stationiert hat, stellt für die syrische Armee eine Bedrohung dar. Russland kann dem nichts entgegensetzen, da dies den Konflikt nur dramatisch eskalieren lassen würde. Die Rakka-Offensive der USA und Russland gegen die Terrormiliz Islamischer Staat bleibt von diesem Konflikt aber unberührt.

Der einzige Weg, das amerikanische HIMARS-System in Syrien zu neutralisieren, wäre die Zerstörung vor einem Start, erklärt der russische Militärexperte Dmitri Litowkin gegenüber RBTH. Technisch gesehen gebe es keine andere Möglichkeit, dass Russland oder die von Russland unterstützte syrische Armee dieses System im Süden des Landes umgehen könnten. "Die Raketen sind ungesteuert. Sie erreichen ihr Ziel nach dem Abwurf von der Trägerrakete", so Litowkin. "Es ergibt keinen Sinn, sie mit Raketenabwehrsystemen abzuschießen zu wollen. Eine HIMARS-Rakete kostet viel weniger als eine für die Abwehr."

Das russische Mit-Engagement in Rakka schränke das nicht kritisch ein, da die Stadt für Russland und die USA als wichtiger strategischer Punkt gilt. Die HIMARS-Raketen können maximal 300 Kilometer fliegen. Rakka und Umgebung liegen außerhalb dieser Reichweite. Das Hauptziel der USA ist die Errichtung einer Deeskalations-Zone, die den Iran davon abhalten soll, die syrische Armee zu beliefern.

"Die HIMARS verbrennen Hektare von Land. Je nach Rakete können nicht nur Soldaten, sondern auch Panzer- und Antipersonenminen in der Umgebung zerstreut werden. Das ist ein günstiges und sehr wirksames Genozid-Instrument", fügt Litowkin hinzu. Mit dem HIMARS-System senden die USA darum dennoch ein klares Signal an Moskau und Damaskus: Sie werden die Grenze zwischen Syrien, Jordanien und dem Irak nicht der syrischen Regierung und iranischen Streitkräften überlassen.

Litowkin aber glaubt, dass das nichts mit der Rakka-Offensive zu tun habe. "Die USA wollen nicht, dass eine strategisch wichtige Stadt wie At Tanf von prosyrischen Kräften kontrolliert wird. Die Autobahnen verbinden Damaskus, Bagdad und Teheran. Das würde bedeuten, dass der Iran Waffen und andere Lieferungen direkt an die syrische Armee liefern könnte. Deshalb haben sich die USA entschieden, ihre 'Konfliktentschärfungszone' hier zu errichten", sagt der Experte. Damit untergräbt das System nur indirekt die Kapazität der syrischen Armee, indem es den südlichen Teil des Landes als Transportgebiet blockiert.

Trotz offensichtlicher Meinungsverschiedenheiten zwischen Moskau und Washington glauben Experten, dass eine Kooperation zwischen der russischen und der US-Armee zur Befreiung von Rakka nicht ausgeschlossen sei. So könnten die syrische Armee sowie die Demokratischen Kräfte Syriens die Gebiete aufteilen und gemeinsam versuchen, Rakka vom IS zu befreien und dabei Verluste verringern sowie ein gutes Beispiel für künftige Anti-IS-Operationen zu geben.

Allerdings könnte dann nach der Befreiung Rakkas ein Kampf um den Einfluss zwischen den beiden Armeen drohen, warnen russische Experten weiter.

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