Tag der Oktoberrevolution: Wie die Sowjetunion ihren „Geburtstag“ feierte

Anatoly Garanin/RIA Novosti
Mehr als 70 Jahre war dieser – buchstäblich rote – Tag der wichtigste Feiertag im Kalender der Sowjetunion. Millionen von Sowjetbürger feierten mindestens drei Generationen lang am 7. November den Tag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Heute begehen ihn nur noch alteingesessene Kommunisten.

Der Tag der Oktoberrevolution wurde jedes Jahr am 7. November gefeiert, nachdem die neue kommunistische Regierung am 26. Januar 1918 vom julianischen zum gregorianischen Kalender übergegangen war.

Trotz des Bürgerkrieges versuchten die sowjetischen Anführer, den ersten Jahrestag für das Volk unvergesslich zu machen: Am 7. November 1918 eröffnete Wladimir Lenin in Moskau auf dem Platz der Revolution (heute Metrostation Ploschtschad Rewoljuzii) das Denkmal für Marx und Engels. Dazu wurden der Propagandafilm „Jahrestag der Revolution" von Dsiga Wertow in verschiedenen Städten gezeigt und vier Millionen Postkarten herausgegeben, denen die Anführer der bolschewistischen Partei und die Ereignisse der Oktoberrevolution zugrunde lagen. 

Die ersten Feiertage waren geradezu theatralisch: 1920 wurde auf dem heutigen Schlossplatz in Sankt Petersburg der Sturm auf den Winterpalast nachinszeniert. Etwa 6000 Menschen nahmen daran teil.

Das zehnjährige Jubiläum 1927 war dann einer der größten Feiertage der Sowjetunion: Allein an der Demonstration in Moskau nahm etwa eine Million Menschen teil, Militärs und Arbeiter marschierten über den Roten Platz. Die Plakate an den Gebäuden zeigten die Errungenschaften des sowjetischen Systems. Seit 1927 waren dann der 7. und 8. November arbeitsfrei, um den Wert des Feiertages in den Augen des einfachen Volkes zu erhöhen.

Trotz der politischen Spannungen mit Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien wurde das 20. Jahrestag doch noch groß gefeiert: Die Militärparade sollte der Welt die Sowjetmacht und die Bereitschaft des Volkes demonstrieren, das Vaterland zu verteidigen. Eine Delegation ausländischer Arbeiter nahm an den Paraden teil, außerdem begrüßte die UdSSR eine Gruppe spanischer Kommunisten.

Im November 1941 standen die Truppen Hiterdeutschlands nur wenige Dutzend Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Die auf dem Roten Platz marschierenden sowjetischen Soldaten gingen direkt an die Front.

"Die Angst war groß ... endlose Bombenangriffe, Brände, Opfer. Am 7. November kamen wir zum Roten Platz und hörten Stalin im Radio. Das war ein Durchbruch ", erinnerte sich ein Zeuge.

In den 1960er und 1970er Jahren wurde die Feier persönlicher. Neben Paraden und Kundgebungen organisierten die Menschen eigene Feste im Freundes- und Familienkreis.

Während der Perestroika verlor der Revolutionstag an Bedeutung. Am 7. November 1990, als die letzte dieser Militärparaden stattfand, wurde einen Attentat auf Michail Gorbatschow versucht - das Volk verstand dies als ein besonderes Symbol.

Im postsowjetischen Russland wurde der Tag der Oktoberrevolution nur bis 1996 gefeiert, dann wurde er in „Tag der Harmonie und Versöhnung“ umbenannt. Nachdem 2005 der neue Nationalfeiertag – der Tag der Volkseinheit am 4. November – eingeführt wurde, ist der 7. November kein Ruhetag mehr.

Heutzutage wird die Oktoberrevolution nur noch von der Kommunistischen Partei Russlands (KPRF) wirklich gefeiert. Aber in einigen postsowjetischen Ländern – wie Belarus, Kirgisien und der selbsternannten Moldauischen Republik Transnistrien – wird der 7. November immer noch als offizieller Feiertag begangen.

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