Geschichte Tag für Tag: 11. November

Unser täglicher Geschichtsrückblick zeigt Ihnen, was am heutigen Tag in der Geschichte Russlands und der Welt vor sich ging.

2012: Moskaus erstes Jüdisches Museum

Vor genau fünf Jahren öffnete erstmals das Jüdische Museum und Zentrum für Toleranz in Moskau seine Türen. Eröffnet wurde es von dem israelischen Präsidenten Schimon Peres: „Dieses Museum ist ein eindrückliches Bekenntnis zu den Prinzipien der Freiheit und Toleranz gegenüber den Menschen”, sagte er.

Das Museum macht jüdische Traditionen und Bräuche anschaulich und präsentiert die russische Geschichte durch das Prisma einer ethnischen Gruppe, erläutern die Veranstalter. Das Zentrum für Toleranz versteht sich als Plattform für Dialog über Toleranz, gegenseitiges Verständnis, Respekt und interkulturelle Beziehungen. Es wird temporäre und dauerhafte Ausstellungen zeigen.

Wir waren damals mit dabei:

1821: Russischer Klassiker geboren

In Moskau wird Fjodor Dostojewski geboren, der später einer der größten Schriftsteller und Literaten der Welt werden sollte. Bis zu seinem frühen Tod mit 59 Jahren verfasste er acht große Romane und Dutzende Kurzgeschichten. Und dabei musste er für seine Liebe zur Literatur sogar ins Gefängnis.

Schon für seinen ersten Roman “Arme Leute” feierte der berühmte Literaturkritiker Wissarion Belinski Dostojewski schon als „neuen Gogol“. Wie es das Schicksal wollte, war es am Ende ein Brief von ebenjenem Belinski an Gogol, der Dostojewski ins Gefängnis brachte. In dem Brief wurden Regierung und Religion heftig kritisiert. Und Dostojewski war der Bote, der das Schriftstück überbrachte.

Wassilij Petrow: Fjodor M. Dostojewski, 1872

Aber wie hätte er am Ende sonst solche Romane wie „Schuld und Sühne“ oder „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ schreiben können, in dem er fast schon all die Dinge vorhersah, die sich später in den sowjetischen Gulags wirklich abspielen sollten:

»Der Teufel hat drei Paar Bastschuhe aufgebraucht, ehe er uns alle zusammengebracht hat!«, pflegten sie zu sagen, und darum standen Klatsch, Intrigen, Verleumdungen, Neid, Zwietracht und Haß im Vordergrunde dieses Höllenlebens. Kein Weib war imstande so sehr Weib zu sein, wie es manche von diesen Mördern waren. Ich wiederhole, es gab unter ihnen auch starke Charaktere, die gewohnt waren, ihr Leben lang Gewalt zu üben und zu befehlen, abgehärtete und furchtlose Menschen. Solche achtete man unwillkürlich, und sie selbst, wie stolz sie auch auf ihren Ruf waren, gaben sich im allgemeinen Mühe, den anderen nicht zur Last zu fallen; sie ließen sich nie in leere Streitigkeiten ein, benahmen sich mit ungewöhnlicher Würde, waren vernünftig und fast immer der Obrigkeit gehorsam, – nicht aus Prinzip, nicht aus Pflichtgefühl, sondern gleichsam auf Grund eines Vertrags, in der Erkenntnis des gegenseitigen Vorteils. Sie wurden übrigens mit Vorsicht behandelt. Ich erinnere mich noch, wie ein solcher Arrestant, ein furchtloser und zu allem fähiger Mensch, dessen tierische Neigungen der Obrigkeit bekannt waren, wegen irgendeines Verbrechens bestraft werden sollte. Es war an einem Sommertag, während der arbeitsfreien Zeit. Der Stabsoffizier, der nächste und unmittelbare Vorgesetzte des Zuchthauses, kam persönlich auf die Hauptwache, die sich dicht am Tore befand, um der Exekution beizuwohnen. Dieser Major war für die Arrestanten ein seltsam fatales Wesen; er hatte sie so weit gebracht, dass sie vor ihm zitterten. Er war wahnsinnig streng und »stürzte sich über die Menschen«, wie die Zuchthäusler zu sagen pflegten. Am meisten fürchteten sie seinen durchdringenden Luchsblick, dem nichts entging. Er sah alles ohne hinzuschauen. Beim Betreten des Zuchthauses wusste er schon immer, was am anderen Ende desselben los war. Die Arrestanten nannten ihn den »Achtäugigen«. Sein System war aber falsch. Er erbitterte nur die schon ohnehin erbitterten Menschen durch seine rasenden, bösen Handlungen, und wenn er nicht den Kommandanten, einen edlen und verständigen Menschen, der seine wilden Ausbrüche zuweilen milderte, über sich hätte, so hätte er mit seinem Regiment viel Unheil angerichtet. Ich begreife nicht, wie ihm alles so glücklich hat ablaufen können; er hat den Dienst quittiert und ist noch frisch und gesund, obwohl er sich übrigens vor Gericht zu verantworten hatte.

Der Schriftsteller Dostojewski war Realist, der die sozialen Ungerechtigkeiten seiner Zeit intensiv wahrnahm. Seine „Bösen Geister“ oder „Die Dämonen“ (im Deutschen gibt es mehrere angesehene Übersetzungen) waren einer der ersten Romane, in denen eine Revolution gegen den Zaren und sogar eine Terroristenvereinigung vorkommen.

Der Mensch Dostojewski war natürlich keinesfalls fehlerfrei: Er war spielsüchtig und verlor beim Roulette oft seine gesamten Honorare. Darum unterschrieb er bald einen Knebelvertrag mit einem Verlag, der ihm feste Deadlines setzte. Den Roman „Der Spieler“ schrieb er in Rekordzeit, meist diktierte er die Bücher seiner Frau.

Hier finden Sie weitere seiner Werke im Projekt Gutenberg online.

1480: Mongolische Übermacht buchstäblich überstanden

Mit dem Ende des „Stehens an der Ugra“ der Truppen des Großfürsten von Moskau Iwan III. und der Armee der großen Horde unter Ahmad Khan endet die mongolische Herrschaft über Russland.

Der Widerstand dauerte bis zum 26. Oktober an, als Iwan III. seine Kräfte vom Fluss abzog und diese in einer nahegelegenen Stadt zusammenzog. Der Fluss fror zu und konnte nicht mehr als Schutz genutzt werden. Ahmad hielt sich bis zum 6. November an der Ugra auf und zog sich dann fünf Tage später endgültig zurück, nicht bereit, unter den winterlichen Bedingungen zu kämpfen.

Wie es Karl Marx vor 150 Jahren formulierte, sah sich Europa, dass zu Beginn der Herrschaft Iwans wenig über das zwischen Tataren und Litauern eingequetschte Russland wusste, plötzlich an seiner östlichen Grenze mit einem riesigen Reich konfrontiert. 

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