Die Beerdigungstraditionen russischer Zaren

Peter der Große auf dem Sterbebett

Peter der Große auf dem Sterbebett

Eremitage
Peter der Große revolutionierte die Bestattungszeremonie für russische Herrscher. Er ergänzte die bisherigen Traditionen der Rus durch die Begräbnisriten für europäische Herrscher. Was hat er an Althergebrachtem übernommen, was war neu?

Als Großfürst Wassili III. von Moskau, Vater von Iwan dem Schrecklichen, begraben wurde, weinten und schluchzten die Gäste der Trauerfeier laut. Je lauter das Wehklagen, desto besser, galt damals. Unter Adeligen, aber auch bei den einfachen Leuten wurden eigens Klageweiber angeheuert, die für die angemessene Geräuschkulisse sorgten.

Die Beerdigung der Moskauer Zaren verlief ähnlich wie die eines einfachen Mannes, sie war nur viel teurer. Peter der Große brach mit diesen Traditionen.  

Das Zarenbegräbnis vor Peter dem Großen 

Die wichtigste Frage nach dem Tod eines Zaren war die der Nachfolge. Nach dem Tode von Wassili III. schworen die Bojaren zunächst dem Sohn des Großfürsten, dem jungen Iwan und seiner Mutter Helena Glinskaja, Wassilis Gemahlin, die Treue. Glinskaja herrschte während  der Minderjährigkeit Iwans.

Die Erzengel-Michael-Kathedrale, die Nekropole der Moskauer Zaren.

Erst danach begannen die Trauerfeierlichkeiten. Üblicherweise fand die Beerdigung noch am gleichen Tag statt. Die Gründe dafür sind offensichtlich: damals gab es weder Kühlräume noch nutzte man in Russland Einbalsamierungstechniken.

Die ersten Personen, die vom Tod des Zaren erfuhren, waren die Bojaren und der Patriarch. Ein Glockenschlag markierte das traurige Ereignis. Der Körper des Zaren wurde von Priestern gewaschen und in zeremonielle Gewänder aus feinsten Stoffen gekleidet. Der Sarg war aus Holz und hatte kastanienbraune Polsterungen. An der Grabstätte wurde der Sarg in einen steinernen Sarkophag gestellt. 

Die Grabsteine der Zaren in der Erzengel-Michael-Kathedrale

Die engsten Vertrauten nahmen Abschied vom Zaren in den Palasträumen. Im Gegensatz zum verstorbenen Zaren sollten sie schlicht und in schwarz oder blau gekleidet sein. Der Trauerzug ging zur Kathedrale des Erzengels im Moskauer Kreml, wo viele russische Zaren ihre letzte Ruhestätte fanden. 

Der Klerus führte die Prozession an. Der Patriarch oder Metropolit von Moskau, ging als letzter der Kirchenmänner, unmittelbar vor dem Sarg. Dieser wurde von den ranghöchsten Bojaren getragen, die sich dabei entsprechend ihrer Position im Staat abwechselten. Dem Sarg folgten der Nachfolger des verstorbenen Zaren und die Angehörigen. Die letzten im Trauerzug waren die Fürsten, Bojaren und Adligen. Einfache Leute durften nicht an der Prozession teilnehmen.

Neue Traditionen   

Die Begräbniszeremonie der europäischen Monarchen folgte der französischen Tradition. Peter wollte, dass seine Beerdigung auf diese Weise abgehalten würde. In Frankreich verkündeten Herolde auf dem zentralen Platz der Stadt das traurige Ereignis. Der erste Herold in Trauerkleidung verkündete: „Der König ist tot!“. Unmittelbar darauf rief der in ein Festgewand gekleidete zweite Herold aus: „Es lebe der König!“  Fanfaren ertönten. Dieser Akt symbolisierte die Kontinuität der Königsherrschaft. 

In Russland wurde diese Zeremonie von zwei Rittern durchgeführt, zuletzt in der russischen Geschichte zum Tode von  Alexander III. (7. November 1894), das letzte offizielle Begräbnis eines Regierenden der Romanow-Dynastie. 

Die Peter-und-Paul-Kathedrale in der Peter-und-Paul-Festung, St. Petersburg. Nekropole der russischen Kaiser.

Peter wollte jedoch kein Wehklagen bei Trauerfeierlichkeiten. Die Zeremonie sollte feierlich und erhaben sein. Peter gestaltete die russische Begräbnistradition neu. Am 4. April 1723 befahl er russischen Gesandten im Ausland, ihm Beschreibungen über europäische Beerdigungsriten zu schicken.  

Bei Peter kamen auch Einbalsamierungstechniken zum Einsatz, aber nicht erfolgreich. Peter starb am 28. Januar und wurde am 10. März 1725 beigesetzt. Innerhalb von zehn Tagen nach seinem Tod verfärbte sich sein Körper schwarz und der Verwesungsprozess setzte ein. Peter starb an einem Blasenleiden, an einer schweren Infektion. Die Entzündungsprozesse setzten sich trotz der Einbalsamierung fort. Die Fäulnis des Körpers schritt voran. Doch seine Frau, die zukünftige Kaiserin Katharina I., weigerte sich, Peter früher zu begraben.

Das Begräbnis von Peter dem Großen 

Die Trauerhalle von Peter dem Großen

Peters Beerdigung war in ihrem Umfang beispiellos. Es wurde eigens eine Trauerkommission eingesetzt, die die Beisetzung organisieren sollte. Ab 30. Januar wurde Peters Leichnam in einem Saal des Winterpalasts aufgebahrt, damit Angehörige und Staatsbedienstete Abschied nehmen konnten. 

Ab dem 13. Februar wurde der Leichnam in einen als Trauerhalle hergerichteten anderen Saal im Winterpalast gebracht. Dieser Saal hatte 200 Quadratmeter und war mit schwarzem Stoff ausgekleidet. Der Kaiser lag in seinem Sarg, der auf einem Sockel stand. Er trug ein  purpurrotes, silberdurchwirktes Gewand wie das festliche Totenkleid der früheren Moskauer Zaren.

Um den Sarg herum wurden staatliche Symbole, die Insignien des Zaren, seine Auszeichnungen und Erlasse ausgestellt. Ein Dutzend Generäle, Höflinge und andere Würdenträger standen 24 Stunden am Sarg in mehreren Schichten Wache. Jeder hatte Zugang zum Leichnam. Die Trauerhalle war erfüllt von Weinen und Wehklagen, obwohl Peter genau das verboten hatte. Peters Gemahlin Katharina I. jammerte besonders laut. Jeden Tag kam sie zum Sarg. 

Der Grabstein von Peter dem Großen in der Peter-und-Paul-Kathedrale

Peter wurde am 10. März begraben. Die Trauerprozession war riesig und zählte wahrscheinlich mehrere tausend Menschen. Allein die Wachregimenter waren 11.000 Mann stark. Ganz Petersburg war in den Trauerfarben geschmückt. Während der Zeremonie wurde jede Minute eine Kanonenkugel abgefeuert. 

Die Begräbnisfeier fand in der Peter-und-Paul-Kathedrale in der gleichnamigen Festung statt. Doch die Kathedrale war noch nicht ganz fertiggestellt - also wurde Peter nicht begraben, schon wieder nicht. Sein Sarg stand in der Kathedrale. 

1727 kam der Sarg von Katharina I. dazu. Erst am 29. Mai 1731 wurden sie in einer Doppelgruft unter der Kathedrale beigesetzt. Die Leichname der beiden könnten nur exhumiert werden, wenn die Kathedrale abgerissen würde. Peter war der erste russische Monarch, der als Toter von Künstlern gemalt wurde. Auch eine Totenmaske wurde von ihm angefertigt. 

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