Nostalgische Erinnerungen: Studentenleben in der UdSSR (FOTOS)

Juri Lisunow, Albert Simanowski/TASS
Viele ehemalige sowjetische Studenten haben schöne Erinnerungen an die Zeit, als sie jung, hoffnungsvoll, glücklich und sorglos waren.

Die Hochschulbildung in der Sowjetunion war für alle kostenlos. Potenzielle Studenten mussten jedoch Aufnahmeprüfungen bestehen, um sich einschreiben zu können. Der Wettbewerb unter den angehenden Studenten war hart, die Anforderungen der Einschreibungskommissionen der besten Universitäten der UdSSR (oft in Moskau) hoch. Die Hoffnungen vieler junger Menschen auf ein Hochschulstudium und ein Leben in der Hauptstadt wurden zerstört.

Studenten in einem Hörsaal, 1967.

Studenten während des Erstsemester-Tages am Moskauer Institut für Elektronik und Mathematik, 1976.

Die Studierenden erhielten eine monatliche, leistungsabhängige Zuwendung. Je besser die akademischen Leistungen, desto höher die Zuwendung. Das Geld wurde aus den Haushalten der staatlich geförderten Universitäten bereitgestellt.

Obwohl die Summe von Universität zu Universität und von Student zu Student unterschiedlich ausfiel, reichte sie meist für einen Platz in einem Wohnheim (der extrem günstig war), für Verpflegung, Transport und Freizeitvergnügen wie Kino oder Sport.

Studenten der Moskauer Staatlichen Universität im Wohnheim, 1963–1964.

Dennoch haben sich viele Studenten mit Gelegenheitsjobs noch etwas dazu verdient. Sie arbeiteten als Assistenten an der Hochschule, gaben Nachhilfe, verdingten sich als Hausmeister oder verkauften ausländische Zigaretten, Jeans und andere knappe Waren aus dem Westen.   

Studenten führen Experimente im Labor des Moskauer Stahlinstituts durch, das nach Josef Stalin benannt wurde.

„Ich habe gerne Geld ausgegeben, deshalb habe ich als Laborassistent gearbeitet. Ich erhielt 55 Rubel pro Monat für zwei bis drei Stunden Arbeit pro Tag. Meine monatliche Zuwendung von der Universität betrug 50 Rubel. Das heißt, ich hatte jeden Monat bis zu 70 Rubel übrig, nachdem ich meine Ausgaben beglichen hatte. Wissen Sie, was Sie damals für 70 Rubel bekommen konnten? Eine Woche Urlaub auf der Krim!“ schrieb (rus) der Journalist Juri Alexejew über seine Studienjahre in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren.

Studenten entspannen nach der Arbeit in einem Clubcafé, Moskau, 1978.

Was ein Hochschulstudium in der Sowjetunion vielleicht am meisten attraktiv machte, war die damit verbundene Beschäftigungsgarantie nach dem Abschluss. Der Staat sorgte dafür, dass jedes Jahr so viele Arbeitsplätze geschaffen wurden, wie für alle Absolventen benötigt wurden. Diese unter modernen Bedingungen schwer umsetzbar erscheinende Praxis war damals aufgrund der Planwirtschaft in der UdSSR und der raschen Industrialisierung und Urbanisierung machbar.

Fortgeschrittene Studenten im Labor für Spektralanalyse, Tscheljabinsk, Russische SSR, 1954.

Ein großer Teil der Hauptfächer, die die sowjetischen Universitäten anboten, befasste sich mit Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften. Der Staat priorisierte sie gegenüber Geisteswissenschaften, die aber auch an verschiedenen Kunst-, Theater- und Geschichtsschulen gelehrt wurden.

Studenten in einem Kunststudio in den Jahren 1935-1940.

Koreanische Delegierte an der Moskauer Choreografie-Schule des Bolschoi-Theaters der UdSSR, 1949.

Studienanfänger in einer Skulpturenwerkstatt in Moskau, 1969.

Auf dem Höhepunkt der Industrialisierung in der UdSSR sah der Staat Universitätsstudenten als gute Arbeitskräfte, die breit eingesetzt werden konnten. 1959 organisierte die Kommunistische Jugendorganisation Komsomol Baubrigaden mit Studenten. Diese reisten durch die Sowjetunion, um während der Semesterferien auf Baustellen zu arbeiten. Obwohl diese außerschulische Tätigkeit oft harte Arbeit bedeutete und auch zum Teil Kenntnisse im Ingenieurswesen erforderte, sahen viele Studenten darin eine gute Gelegenheit, umher reisen zu können und ihre Karrierechancen zu verbessern.

Studenten der Moskauer Staatlichen Universität in einer studentischen Baubrigade, 1967.

Viele Studenten wurden abgeordnet, um auf den Feldern zu arbeiten: Kartoffeln, Trauben oder Baumwolle zu ernten, abhängig von der jeweiligen Sowjetrepublik, in der sie arbeiteten. Diese Tätigkeit war unbezahlt und manchmal wurden die Studenten unter Androhung des Ausschlusses aus dem Komsomol dazu erpresst. Ein solcher Ausschluss hätte Probleme an der Universität und später im Beruf mit sich bringen können. Nach einem Arbeitstag entspannten sich die Studenten im Wohnheim, spielten Musikinstrumente, lasen Bücher, knüpften Kontakte und verliebten sich auch manchmal. Das ließ die harte Arbeit angenehmer erscheinen.

>>> 13 Fotos, die zeigen, wie die sowjetische Jugend Spaß hatte

Studenten reisen 1952 zur Feldarbeit in die Kasachische SSR, 1952.

Studenten auf den Feldern in der Kasachischen SSR, 1952.

Studenten arbeiten 1957 auf einem Getreidefeld in der Region Tambow.

Während eines akademischen Jahres fanden die Studenten Ablenkung beim Musizieren, bei Theateraufführungen und selbst inszenierten Comedy-Shows, die als „KWN“, zu Deutsch „Club der Lustigen und Erfindungsreichen“ bekannt waren. Kreative Studentengruppen füllten die Lücke im unterentwickelten sowjetischen Showbusiness. Viele dieser Studenten haben nach dem Fall der Sowjetunion im russischen Fernsehen beeindruckende Karrieren hingelegt.

>>> Mit Humor gegen Missstände: Die Geschichte der TV-Sendung KWN

Studenten treten 1955 in Moskau auf der Bühne auf.

Studenten machen Musik am Lagerfeuer, Altai, 1957–1963.

Auch Sport war unter Studenten eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Dies sind Studenten des Instituts für Körperkultur im Dynamo-Stadion in Moskau im Jahr 1936:

Ein Trainer der Frauen-Volleyballmannschaft mit Studentinnen in der Stadt Kurgan, Russland, 1952.

Radio und Bücher waren ebenfalls eine beliebte Form der Unterhaltung für sowjetische Studenten. Buchclubs boten einen Ort, an dem sie an rare Veröffentlichungen kommen konnten. Das Radio war eine Quelle für Informationen und Musik. Beide Medien boten den Studenten jedoch auch die Möglichkeit, sich politisch zu engagieren. Einige angehende Akademiker versuchten, westliche Radiosender wie „Voice of America“ zu empfangen und diskutierten in den Buchclubs heimlich über politische Fragen.

Studenten tragen Bücher, Eriwan, Armenische SSR, 1959.

Buchausgabe, 1960-1965.

Studentin mit Büchern, 1963–1964.

Die sechsten Weltfestspiele der Jugend und Studenten fanden 1957 in Moskau statt.

Während der Weltfestspiele im Sommer 1957 besuchten sehr viele Studenten aus anderen Ländern die Sowjetunion.

Eine Studentin schläft während des Unterrichts, 1972.

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen

Diese Webseite benutzt Cookies. Mehr Informationen finden Sie hier! Weiterlesen!

OK!