Sechs Bücher, damit Sie Russland vor der Fußball-WM besser kennenlernen

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, „Krieg und Frieden“ zu Ende zu lesen, haben wir im Folgenden ein paar kürzere literarische Alternativen, die Sie vor Ihrer Reise zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland lesen können.

1 Alexander Puschkin – Boris Godunow

Schauspieler Alexander Ogniwzew als Boris Godunow

Stellen Sie sich vor, dass Sie nach Moskau kommen und Sie fragen sich, welchen Ort Sie vor der Fußball-Weltmeisterschaft zuerst besuchen sollten. Das sollte ganz sicher der Rote Platz sein! Umgeben von Luxusboutiquen, Restaurants und Touristenströmen wird es Ihnen im ersten Moment schwer fallen zu glauben, dass dieser Platz vor vier Jahrhunderten ein Ort für öffentliche Hinrichtungen und Auseinandersetzungen war.

Ein Beispiel dafür liefert der vorzeitige Tod des letzten Sohnes Iwan des Schrecklichen. Nach seinem Ableben blieb unklar, wer sein Nachfolger werden und Russland regieren würde. Schließlich wurde Boris Godunow von den unbändigen Massen auf dem Roten Platz gewählt.

In seinem Drama in Versform beschrieb der geniale Dichter Alexander Puschkin, wie die Zeit der Wirren in Russland begann, was Godunow in dem Moment, in dem er für den Tod des Thronfolgers Iwan des Schrecklichen verantwortlich gemacht wurde, fühlte und wessen Platz er schließlich einnahm.

>>>Vom Markt- zum Hauptplatz: Der Rote Platz im Wandel des 20. Jahrhunderts

2 Michail Bulgakow – Meister und Margarita

Meister und Margarita (2005)

„Meister und Margarita“ ist einer der beliebtesten Romane in Russland. Wenn Sie also die Russen beeindrucken wollen, überraschen Sie sie mit Ihren Kenntnissen über dieses Buch. Unternehmen Sie einen Spaziergang zu den Patriarchenteichen, einem beliebten Szeneviertel mit vielen Bars, wo die Romanhandlung ihren Anfang nimmt und werfen Sie einen Blick das berühmte Straßenschild mit der Aufschrift: „Sprechen Sie nicht mit Fremden“. Aber keine Angst! Der Spruch ist nicht für Sie bestimmt.

Im Roman stattet der Teufel, der vorgibt, ein ausländischer Professor namens Woland zu sein, dem Moskau der zwanziger Jahre einen Besuch ab und bringt die Stadt mit seiner Magie und seinen drei Gehilfen, Azazello, Korowjew und dem Kater Begemot, in Aufruhr. Später macht er die Protagonistin des Romans, Margarita, zur Gastgeberin seines Teufelsballs und hilft ihr ihren Geliebten, den Meister, zu retten.

Durch die Lektüre des Buches lernen Sie also nicht nur ein Stück russische Literatur und einiges über Jesus Christus kennen, sondern auch, wie man dunkle Kräfte und die große Liebe erkennt.

3 Nikolai Gogol – Petersburger Erzählungen

Der Mantel (1959)

Zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer werden in Sankt Petersburg viele Fans erwartet. Eine gute Stadtwahl, wie wir finden, schließlich war Sankt Petersburg drei Jahrhunderte lang die Hauptstadt von Russland und beherbergte viele führende Schriftsteller, die hier ihre besten Geschichten schrieben. Erinnern Sie sich an Fjodor Dostojewski? Er war zum Beispiel einer von ihnen.

Neben Dostojewski zählt auch Nikolai Gogol zu den führenden Vertretern der literarischen Zunft. Seine Erzählung „Der Newski Prospekt“, eine Geschichte mit Charakteren, die Sie auch heute noch auf der Hauptstraße der Stadt antreffen können, auch wenn Gogol diese Erzählung im 19. Jahrhundert schrieb, ist besonders lesenswert.

Gogols Novelle „Der Mantel“ erzählt die Geschichte eines armen Staatsangestellten, einem typischen Petersburger, deren wichtigster Besitz, ein neuer Mantel, gestohlen wurde. Vergessen Sie auch nicht, über die Erzählung „Die Nase“ zu lachen und schauen Sie sich das dazugehörige Denkmal am Wosnesenski Prospekt 36 an. Vergleichen Sie des Weiteren Gogols gruselige Erzählung „Das Porträt“ mit Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“, der lange nach Gogols „Das Porträt“ erschien.

>>>Der Schädel von Gogol

4 Ilja Ilf und Jewgeni Petrow – Zwölf Stühle

Zwölf Stühle (1976)

Diese beiden Autoren werden Sie zum Lachen bringen, egal, welches ihrer Bücher Sie lesen. Da wäre zum Beispiel die lustige Kurzgeschichte „Fußballfans“, die die Liebe der sowjetischen Bevölkerung zum Fußball beschreibt und in der Jung und Alt, Normalbürger, ebenso wie die Funktionäre der Kommunistischen Partei alles stehen und liegen lassen, um ein Fußballspiel zu sehen.

„Zwölf Stühle“ ist das bekannteste Buch von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow und handelt von zwei Betrügern, die quer durch Russland reisen, um nach Stühlen zu suchen, in denen angeblich Diamanten versteckt sind. Sollten Sie keine Zeit haben, den Roman zu lesen, schauen Sie sich zumindest den gleichnamigen sowjetischen Film an!

5 Iwan Bunin – Dunkle Alleen

Man kann sich vorstellen, dass viele ausländische Männer bereits auf Tinder nach einer russischen Schönheit suchen. Um ein bisschen mehr über die geheimnisvollen russischen Frauen zu erfahren, sollten Sie sich also Iwan Bunins romantische und sinnliche literarische Sammlung von Kurzgeschichten zu Gemüte führen.

Besonders lesenswert ist dabei „Der reine Montag“, in dem eine Frau und ein Mann eine leidenschaftliche Liebesbeziehung haben, bis die Frau verschwindet und vom Mann erst nach mehreren Jahren wieder gefunden wird. Bei der Kurzgeschichte „Dunkle Alleen“ handelt es sich um den Titelgeber der Sammlung, die ebenso Ihre Aufmerksamkeit verdient. Auch Bunins Kurzgeschichte „Leichter Atem“, die nicht in dieser Sammlung enthalten ist, ist überaus lesenswert und erzählt auf sehr berührende Art und Weise davon, was eine russische Frau bereit ist, aus Liebe zu tun.  

6 Wladimir Nabokow – „Erinnerung, sprich“

Wladimir Nabokow in der Schweiz, 1965

„Erinnerung, sprich“ heißt die Autobiografie des Autors, der den weltberühmten Roman „Lolita“ schrieb und einer der intelligentesten russischen Schriftsteller war. Nabokow verfasste das Buch in den Vereinigten Staaten in englischer Sprache und erzählt darin neben seiner eigenen Geschichte, wie sich das Leben der Menschen in der turbulenten Zeit der Revolution und des Bürgerkriegs veränderte.

Nabokow war darüber hinaus einer der wenigen russischen Schriftsteller, der es liebte, Fußball zu spielen. Nach seinen Anfängen als Hobbyfußballspieler in Russland, widmete er sich an der Universität in England dieser Sportart und probierte die verschiedenen Positionen aus, wobei ihm die Position als Torwart am besten gefiel. In „Erinnerung, sprich“ schreibt er dazu:

„Unnahbar, allein, ungerührt, folgen die kleinen entzückten Jungs dem erstklassigen Torhüter durch die Straßen. Er wetteifert mit dem Matador und dem Fliegerass um das Objekt der wahnsinnigen Bewunderung. Sein Pullover, seine Schirmmütze, seine Knieschützer, seine Handschuhe ragen aus den Hosentaschen seiner kurzen Hose heraus und unterscheidet ihn vom Rest der Mannschaft. Er ist der einsame Adler, der Mysteriöse, der letzte Verteidiger.“

>>>Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens? Diese russischen Romane helfen Ihnen weiter

>>>Acht literarische Meisterwerke, die die Russen zu Russen erziehen

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