Monumental und umstritten: Die berühmten Skulpturen von Surab Zereteli in aller Welt

Der georgisch-russische Bildhauer Surab Zereteli ist im In- und Ausland bekannt. Seine kolossale Werke aus Stahl und Bronze sind von den USA bis Frankreich überall in der Welt zu finden. Gleichzeitig aber sind sie oft umstritten.

Zereteli hat in seinem Leben schon mehr als 5000 Kunstwerke geschaffen. Seit 20 Jahren leitet der Bildhauer die Russische Akademie der Künste. Er wurde mehrfach international ausgezeichnet und ist seit 2010 sogar Chevalier der französischen Ehrenlegion.

Seine ersten Werke wurden in den späten 1970er Jahren im Westen ausgestellt. Im Jahr 1979 leitete Zereteli einen Kurs am College der Brockport State University New York, wo die Special Summer Olympics stattfanden. Zereteli schuf damals zwei Skulpturen anlässlich des „Weltjahres des Kindes“: "Prometheus" und “Happiness to the Children of the World” ("Glück für alle Kinder der Welt"), und stellte sie am College vor. Die zwei monumentalen Bronzestücke wogen rund 30 Tonnen. Sie wurden aus der UdSSR in die USA verschifft und mit fünf Lastwagen zum Universität-Campus gebracht.

Zeretelis Karriereaufstieg im Westen fiel zeitlich mit der Perestroika-Periode unter Michail Gorbatschow in der Sowjetunion zusammen. Das Ende des Kalten Krieges wurde zum Thema einiger seiner wichtigsten Werke. 1989 wurde in London eine Statue mit dem sprechenden Namen "Zerstörung der Mauer des Misstrauens" errichtet.

Seit 1990 ziert die Skulptur “Das Gute besiegt das Böse” den Platz vor dem UN-Gebäude in New York. Der Heilige Georg kämpft darin gegen einen Drachen, der aus Teilen der sowjetischen SS-20 und amerikanischen Pershing-2 ballistischen Raketen gebaut wurde. "Die Idee war, dass diese Waffe nie mehr gegen Länder und Nationen eingesetzt werden soll", sagte (rus) Zereteli später über die Statue. Die Skulptur wurde zu einem Symbol des Endes des Kalten Krieges.

Ein weiterer Heilige Georg von Zereteli steht im Zentrum der georgischen Hauptstadt Tbilisi. Die 40 Meter hohe goldene Statue des Schutzheiligen Georgiens wurde 2006 errichtet. Bis in die frühen 1990er Jahre stand an dieser Stelle das Denkmal für den Arbeiter-Anführer Wladimir Lenin.

In den 1990er Jahren faszinierte den Bildhauer das Thema der Entdeckung der Neuen Welt. Als 1992 der 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus gefeiert wurde, realisierte der Bildhauer einen Diptychon: Ein Denkmal in Spanien und ein anderes irgendwo in Amerika. Die 45 Meter hohe Skulptur "Geburt eines neuen Menschen" zu Ehren von Kolumbus wurde 1995 in Sevilla errichtet.

Sein Gegenstück erwartete jedoch ein viel schwierigeres Schicksal. Es war ursprünglich geplant, das andere Kolumbus-Denkmal in New York aufzustellen. Aber 1997 weigerte sich die Stadt, da die gigantische Statue viel höher als die Freiheitsstatue (126 Meter hoch und 200 Tonnen schwer) gewesen wäre. Einige andere US-Städte folgten diesem Beispiel. Es dauerte 20 Jahre, bis die Statue schließlich in Puerto Rico ihren Platz gefunden hat.

Die Gedenkskulptur für die Opfer der Anschläge vom 11. September in den USA, “Träne der Trauer”, sollte ursprünglich auch an einem anderen Ort aufgestellt werden - in der Nähe der zerstörten Gebäuden des World Trade Centers. Am Ende wurde das Denkmal jedoch in Bayonne, New Jersey, am Ufer des Hudson River platziert. Die zwölf Meter hohe Stahlträne war ein Geschenk der russischen Regierung.

Auch dieses Denkmal zum Gedenken an die Holocaust-Opfer war ein Geschenk von Präsident Wladimir Putin. Es wurde 2005 in Jerusalem errichtet. Drei Gefangenen schützen eine Familie mit ihren eigenen Körpern: Vater, Mutter und Kind.

Das Denkmal für Papst Johannes Paul II. in der französischen Stadt Ploermel war von Anfang an umstritten. Manche fanden das acht Meter hohe Kreuz über dem Kopf des Pontifex nicht passend und sahen es als Verletzung der offiziellen Trennung zwischen Kirche und Staat, die seit 1905 im französischen Recht festgeschrieben ist.

Der Rechtsstreit dauerte mehrere Jahre und führte zu der Entscheidung, entweder das Kreuz zu entfernen oder die Statue komplett zu demontieren. Polen hat sich in den Streit eingemischt (der Papst war polnischer Staatsangehöriger) und erklärt, dass das Land bereit sei, das Denkmal zu übernehmen, wenn die örtliche Gemeinschaft zustimmen würde. Die Statue steht immer noch in Frankreich.

Frankreich hat aber noch einen anderen Johannes Paul II. von Zereteli. Die drei Meter hohe Statue befindet sich seit 2004 in der Nähe von Notre Dame in Paris.

In Frankreich gibt es außerdem noch eine andere Zeretelis Bronzestatue: Der Schriftsteller Honoré de Balzac sitzt in der Mitte der Komposition, umgeben von Figuren aus seinen Büchern. Das fünf Meter hohe Denkmal befindet sich im Süden des Landes und wirkt im Vergleich zu einer gigantischen Träne oder kolossalen Kolumbus eher bescheiden.

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