Wie Russland seinen Fernen Osten entdeckte - und eroberte

Шаман или жрец Дьявола  иллюстрация из книги Николааса Витсена

Шаман или жрец Дьявола иллюстрация из книги Николааса Витсена

Nicolaes Witsen
Im 17. Jahrhundert erschlossen russische Forscher und Abenteurer den Fernen Osten des Landes. Wir erzählen die Geschichte der ersten Expeditionen nach Jakutien und Chukotka und die Suche nach Pelzen und Walross-Zähnen bei Kamtschatka.

Im frühen 17. Jahrhundert kam Russland durch das Ende der polnischen Invasionen und die Beendigung des Zustandes der allgemeinen Anarchie etwas zur Ruhe. Im Jahr 1613 wurde Michael Romanow zum ersten Zaren Russlands gewählt, was den Beginn der Romanow-Dynastie einleitete,  die bis zur Russischen Revolution 1917 und der damit einhergehenden Ermordung von Zar Nikolai II und seiner Familie anhielt.

Während der ersten 100 Jahre unter der Romanow-Dynastie reisten die russischen Forscher weit  und eroberten Gebiete wie Kamtschatka, Sachalin, die Kurilen und viele andere Orte, die als Russlands Ferner Osten bekannt sind.

Jakutien und der Fluss Lena

 / Stepan Zharky / Stepan Zharky

Nach mehr als 2 000 Kilometern Expedition, erreichte eine Gruppe russischer Soldaten Im Jahr 1619 den Fluss Jenissei und gründete dort die erste russische Siedlung. Von einem Gefangenen des Ewenki-Stammes erfuhren die russischen Soldaten noch im selben Jahr über einen weiteren großen Fluss, der sich 1 000 Kilometer weiter vom Jenissei befinden sollte.

Es dauerte sieben Jahre, bis die Russen diesen großen Fluss, die Lena, fanden. Es handelte sich dabei um eine Gruppe von freiwilligen Entdeckern mit wirtschaftlichen Interessen unter der Leitung von Palentei Pyanda, die nach drei Jahren Exkursion als erste Jakutien erreichten. Sie hatten vom Jenissei bis hierher drei Jahre gebraucht.

Im Jahre 1628, also zwei Jahre nach Pyanda, fand eine Gruppe von bewaffneten Wachmännern, die von Offizier Wassili Bugor geführt wurde, einen bequemeren Weg, um die Lena zu erreichen, was es den Russen erleichterte, hier anzusiedeln. Bald wurde am Ufer der Lena eine Festung gebaut, aus der später die Stadt Jakutsk entstand.

Die Entdecker fühlten sich von diesem gefährlichen und abgelegenen Land wegen der schwarzen Pelzfelle des sibirischen Zobels, die zu einer der wertvollsten und am häufigsten exportierten russischen Güter geworden waren, besonders angezogen.

Der Amur und der Pazifische Ozean

 / Stepan Zharky / Stepan Zharky

Von der Holz-Festung von Jakutsk aus starteten Expeditionen die noch weiter nach Osten zu den Ufern des Nordpolarmeeres und des Pazifischen Ozeans führten.

Im Jahr 1639 segelte eine Gruppe von Kosaken, die von Iwan Moskwin angeführt wurde, 800 Kilometer bis zur Mündung der Lena. Nach acht Wochen Fahrt gegen den Strom des Flusses erreichten sie das Ochotskische Meer.

Dort gründeten sie die erste russische Siedlung, die sich im Norden der heutigen Stadt Chabarowsk an der Mündung des Flusses Ulya, die etwa 5 640 Kilometer von Moskau entfernt ist, befand.

Die russischen Entdecker waren schockiert, einen "Fisch gefunden zu haben, der in sibirischen Flüssen nicht existierte". Dieser stellte sich als der pazifische Lachs heraus.

Von den indigenen Ewenki-Völkern erfuhren die russischen Entdecker, dass es einen weiteren großen Fluss irgendwo im Süden gab. Erst 1640, nachdem sie fast 1 000 Kilometer von der Küste von Ochotsk entfernt waren, erreichten sie die Mündung des Amur.

Die erste russische Siedlung am Amur wurde im Jahr 1651 von Jerofei Chabarow gegründet, der auch der späteren Stadt seinen Namen gab. Die Albasin-Festung, die dort errichtet wurde, war Ziel vieler Angriffe der chinesischen Mandschus-Stämme.

Im Jahre 1642 ging eine Gruppe von 133 Kosaken einen anderen Weg als die von Moskwin geführte Expedition und startete von Jakutsk aus in Richtung Amur-Fluss. Sie wurde von Wassilij Pojarkow geführt, der erfahren hatte, dass man am Unterlauf des Flusses China erreichen könne. Dort erzählten ihm die indigenen Ainu-Völker über die Inseln Sachalin. Sie behaupteten, dass die Inseln von „behaarten Menschen“ bewohnt würden.

Am Ende kehrten nur 20 der 133 Männer der Pojarkow-Expedition lebendig nach Jakutsk zurück.

 

Kolyma und Tschukotka

 / Stepan Zharky / Stepan Zharky

Im selben Jahr 1642 ging eine weitere Gruppe unter der Leitung von Michail Staduchin von Jakutsk aus auf Entdeckungsreise zum Amur. Am Ende stießen sie auf den Fluss Kolyma. Sie waren über 1 000 Kilometer, durch ein Gebiet, das jetzt Oymyako genannt wird, gezogen. Dies ist einer der kältesten Orte auf dem Planeten mit Wintertemperaturen, die unter minus 70 Grad Celsius liegen.

Auf dem Kolyma-Fluss errichtete Staduchin eine kleine Festung und ließ einen Mann namens Semen Deschnjow zurück. Dieser Mann wurde später einer der berühmtesten russischen Pioniere und Entdecker, denn er war der erste Mann, der Tschukotka erreichte und entlang der Bering-Straße segelte. Deshalb wird der östlichste Punkt Eurasiens zu Ehren dieses Mannes Kap Deschnjow genannt.

Im Juli 1648 erreichte Deschnjow, während er nach Absatzmöglichkeiten für Pelze und Walross-Zähne suchte, das Nordpolarmeer, das er selbst das „Eisige Meer“ nannte.

Hartnäckige Stürme zerstörten drei der sieben Schiffe von Deschnjow, aber die, die intakt blieben, erreichten Tschukotka. Die Entdecker stießen auf die Eskimos, die sie als "gezahnte Leute" bezeichneten, weil sie Walross-Zähne als Schmuck trugen.

Als Deschnjow den Anadyr-Fluss erreichte, waren zwei Drittel seiner Mannschaft tot und nur 25 Personen überlebten. Sie irrten die nächsten 20 Tage durch Berge, verhungernd, ohne Menschen oder Wege in Sicht. Schließlich waren sie die ersten Menschen, die es geschafft hatten, Tschukotka zu erreichen.

Kamtschatka und die Kurilen  

 / Stepan Zharky / Stepan Zharky

Staduchin, der den Kolyma-Fluss entdeckt hatte, wurde auch der erste Russe, der die Berge von Kamtschatka, wenn auch nur aus der Ferne, bei der Erkundung der Küste des Ochotskischen Meeres im Jahre 1651 sah.

Der erste Mann, der Kamtschatka tatsächlich erreichte, war Iwan Kamtschatka, ein sibirischer Kosak und Händler vom Jenissei. Nach ihm wurden die Berge dann auch benannt.

Im Jahre 1658 ging er zu den nördlichen Ufern des Ochotskischen Meeres auf die Suche nach Walross-Zähnen. Jedoch alles, was er dort fand, waren Flussperlen. Von den Einheimischen erfuhr er, dass es in Richtung Süden einen großen Fluss gab. Es war erst später, dass auch dieser Fluss und danach die ganze Halbinsel zu seinem Gedenken ebenfalls Kamtschatka genannt wurden.

Es ist nicht ganz klar, welche Russen zuerst die Kurilen, die sich von Russland nach Japan erstreckten, erreichten. Doch der erste Mann, der die Inseln erforschte und beschrieb, war Iwan Kozyrawski. Er kam mit einer Gruppe von Kosaken und Leuten aus Kamtschatka zur Inselkette. Er und seine Mannschaft erforschten die Region von 1711 bis 1713, während er die Karten der Inseln entwarf.

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