Russlands Olympia-Wunder 2018: Goldene Überraschungen auf dem Eis und im Schnee

Das letzte Wochenende der Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeong Chang haben Russen - wie sicher auch die überraschten Deutschen - mit einem Extravorrat an Baldriantropfen verbracht. Denn in den zwei beliebtesten russischen Sportarten ging es ums Ganze!
Olympiade-Finale am letzten Olympia-Tag: die deutsche Eishockey-Nationalteam gegen die Mannschaft der Olympischen Athleten aus Russland

Unerwarteter Final-Gegner beim Eishockey

Das hat ganz sicher niemand erwartet! Ja, ins Eishockey-Finale der Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeong Chang wollten die Russen unbedingt. Und sie wollten hier natürlich auch Gold holen. Aber gerechnet hat man doch eher mit einem Gegner Kanada als mit einem völligen Spitzen-Eishockey-Neuling wie... Deutschland! Und so war die Verwunderung riesig, als das deutsche Nationalteam plötzlich gegen Kanada gewonnen hatte (und Russland gegen Tschechien), sodass plötzlich die Olympischen Athleten aus Russland (OAR) gegen Deutschland ins Finale am letzten Tag der Winterspiele einzogen.

Am Ende besiegte die "Rote Maschine" Deutschland in der Nachspielzeit mit 4:3, nachdem der Deutsche Patrick Reimer wegen eines Fouls auf die Strafbank geschickt worden war und die Russen so in der Überzahl spielten. Aber der Sieg fiel ihnen keinesfalls leicht: I, ersten Drittel konnten sie erst in der letzten Minute ihren Führungstreffer landen und bis zum Ende des dritten Drittels glichen die Deutschen immer wieder aus - bis zum 3:3 am Ende. 

Als dann dals "Goldene Tor" fiel, schwebten die russischen Spieler und Fans in aller Welt im siebten Himmel. Immerhin hatten sie seit 26 Jahren kein Olympia-Gold im Eishockey mehr in den Händen gehalten. Und gerade bei diesen Olympischen Spielen mit all dem negativen Vorspiel sollte es doch wenigstens im unangefochtenen russischen Volkssport eine Goldmedaille werden!

Das deutsche Team erhielt von den russischen Spielern, Fans und sogar Kommentatoren viel Lob: "Die Deutschen nutzen unsere Fehler fantastisch aus!" hieß es beispielsweise in der Live-Übertragung beim russischen Match-TV. 

Das OAR-Eishockey-Team mit ihren Goldmedaillen

Russisch-russischer Kampf ums Gold im Eiskunstlauf

Die Weltrekordläufe der russischen Eiskunstläuferinnen Ewgenija Medwedewa und Alina Sagitowa bei den Olympischen Winterspiele in Pyeongchang am Mittwoch begannen damit, dass Medwedewa mit 81,61 Punkten im Solo-Kurzprogramm ihren zehn Tage früher aufgestellten Rekord von 81,06 Punkten in der Teamwertung brach. Mit jenem hatte sie bereits ihren eigenen früheren Rekord von 80,85 Punkten überflügelt. 

Und dann, nur wenige Minuten später, trat Medwedewas um drei Jahre jüngere Teamkollegin Sagitowa aufs Olympia-Eis und erreichte einen neuen Weltrekord: 82,92 Punkte! Sagitowa war so geschockt, dass sie ihren Ohren und Augen nicht glauben mochte. Medwedewa gratulierte ihrer Freundin und Kollegin zu dieser Höchstleistung und nannte dies einen „historischen Moment“. 

Am Ende errang die erst fünfzehnjährige Sagitowa die Goldmedaille, die drei jahre ältere Medwedewa Silber. 

Eiskunstlauf-Gold ging an Alina Sagitowa (Mitte), Silber an Jewgenija Medewewa (rechts). Dritte wurde die Kanadierin Kaetlyn Osmond (links).

Während die zwei russischen Eisköniginnen immer wieder betonen, dass sie Freundinnen seien und einander den Erfolg nicht neideten, diskutiert Russland nun um den Titel der „Eislauf-Olympiakönigin“. Die eine Gruppe sagt, Medwedewas Leistung seien besser, da sie zuletzt eine schwere Knieoperation mit langer Heilungspause über sich ergehen lassen musste. Darum hatte Medwedewa auch bei den letzten Europa-Meisterschaften bereits hinter Sagitowa gelegen. Außerdem tanze sie ausdrucksstärker und "erwachsener" - was alle mit ihrem anrührenden "Anna-Karenina"-Beitrag bewies, an dessen Ende sie erstmals selbst vor einem Weltpublikum in Tränen ausbrach.

Das andere Lager sieht in Agitowa die Meisterin schlechthin, weil sie ein überaus schwieriges Programm mit allen wichtigen Sprüngen im zweiten Teil ihres Programms bei den Winterspielen gelaufen sei, starke Nerven und eine unglaubliche physische Belastbarkeit gezeigt habe.

Enttäuschung im Curling: die verlorenen Medaillen

Erstmals gingen in diesem Jahr auch gemixte Curling-Teams bei Olympia an den Start. Dabei gewann das russische Ehepaar Anastassia Brysgalowa und Alexander Kruschelnizkij die Bronze-Medaille erreicht. Kurz nachdem Kruschelnizkij die Auszeichnung um den Hals gehängt bekam, teilten die Olympia-Ärzte mit, dass Spuren des verbotenen Präparats Meldonium in dessen Blut gefunden worden seien. Und so verlor das Paar seine Medaille sofort wieder.

Der Sprecher des russischen Olympia-Teams, Konstantin Wybornow, kommentierte, dass es völlig ausgeschlossen sei, dass der Curlinger bewusst und freiwillig die verbotene Substanz eingenommen habe.

Russische Medaillen-Überraschungen

Insgesamt errangen die OAR in Südkorea 17 Medaillen: zweimal Gold (Sagitowa im Eiskunstlauf und das Nationalteam im Eishockey), sechsmal Silber und neunmal Bronze. Da Russland aufgrund der Strafmaßnahmen des Olympischen Komitees, der auferlegten Neutralität und den Verboten praktisch vor allem seinen Olympia-Nachwuchs an den Start schickte, kamen einige dieser Erfolge durchaus unerwartet.

Der entscheidende Moment zwischen Alexander Bolschunow und dem Finnen Iivo Niskanen im Wettkampf um Gold über 50 Kilometer

Besonders der Fast-Sieg des gerade einmal 21-jährigen Alexander Bolschunow im 50-Kilometer-Cross-Ski hatte niemand erwartet. Kurz vorm Ziel wurde er zwar noch von seinem finnischen Konkurrenten überrundet, aber Silber war ihm dann doch sicher. Und Bronze im selben Lauf heimste auch ein Russe ein: Andrej Larkow.

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