Dossier: Ein Jahr nach dem Boris-Nemzow-Mord

Foto: Reuters

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Am späten Abend des 27. Februar 2015 fallen auf der Großen Moskwarezkij-Brücke in Moskau sieben Schüsse – sie treffen den oppositionellen Politiker Boris Nemzow tödlich. Ein Jahr später steht fest, dass es sich um einen Auftragsmord handelte. RBTH erinnert an die Geschehnisse nach jener Schicksalsnacht.

Die Ermordung des angesehenen Politikers in unmittelbarer Nähe zum Kreml vor einem Jahr löste eine Welle großer Anteilnahme in Russland als auch im Ausland aus. Boris Nemzow nahm einen wichtigen Platz unter den Politikern der 1990er-Jahre ein. Von 1991 bis 1997 war er Gouverneur der Region Nischnij Nowgorod, bis er auf Wunsch von Boris Jelzin als Energieminister und Vizepremier in die Regierung wechselte. Nach dem Staatsbankrott 1998 trat er von seinen Ämtern zurück. Von 1999 bis 2003 war Nemzow Abgeordneter der Duma. Wiederholt äußerte er bei Demonstrationen Kritik an Wladimir Putin. 2011 und 2012 gehörte er zu den Anführern der bis dato größten Kundgebungen gegen die Regierung. Am 1. März 2015, zwei Tage nach dem Attentat, erwiesen Zehntausende Moskauer dem ermordeten Oppositionellen die letzte Ehre. Bei der Abschiedszeremonie bildete sich eine mehrere hundert Meter lange Schlange.

„Helden sterben nicht“: Menschen in Moskau trauern um Boris Nemzow

Zehntausende kamen zu einem Trauermarsch in Moskau zusammen. Foto: AP Foto: AP

Am Sonntag, 1. März, kamen Zehntausende Menschen zu einem Trauermarsch für den ermordeten Oppositionspolitiker zusammen. Viele Teilnehmer zeigten sich tief betroffen und schürten Hoffnung für ein Erstarken der Opposition. Experten vermuten hingegen, dass die Opposition durch den Verlust Nemzows deutlich geschwächt sei.

IN BILDERN

"Diesen Albtraum braucht niemand"

Sergey Karpov, Sergey Prostakov / zona.mediaSergey Karpov, Sergey Prostakov / zona.media

Teilnehmer des Nemzow-Trauermarsches wurden gefragt: „Mit welchem historischen Ereignis würden Sie diesen Mord vergleichen und wie verändert er die politische Realität?“ Ein Student, ein Geschäftsmann, eine Journalistin, ein Politologe, ein Programmierer, eine Rentnerin und ein Anwalt gaben Antwort.

MEINUNG

Liberalismus als Lebensstil

Bild: Grigorij Awojan Bild: Grigorij Awojan

Boris Nemzow spiegelte die gesamte Entwicklung der Übergangszeit in Russland wider, meint die Politikerin Irina Chakamada.

Ljudmila Alexejewa: "An Menschenrechtlern führt kein Weg vorbei"

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Die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe spricht mit RBTH über den Fall des ermordeten Oppositionellen Boris Nemzow und über die Lage der Opposition in Russland.

Nemzow-Mord: Bekommt die russische Opposition mehr Zulauf?

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Nach der Ermordung von Boris Nemzow hoffen viele Menschen auf mehr Aufmerksamkeit für die Opposition in Russland. Die Chancen, dass diese in der russischen Regierung mehr Gehör findet, sind jedoch gering, meinen Politikexperten. Denn noch steht auch die Bevölkerung mehrheitlich hinter dem Regierungskurs.

Nemzow-Fall: Russische Medien verdichten den Nebel

Foto: Kirill Kalinnikow/RIA Novosti Foto: Kirill Kalinnikow/RIA Novosti

Nahezu alles, was über die Ermittlungen im Mordfall Boris Nemzow bekannt ist, stammt aus anonymen Quellen. Jedoch entsprechen nicht alle Informationen der Wahrheit, manche könnten absichtlich gestreut worden sein. Die Suche nach dem Drahtzieher geht indes weiter.

Nemzow-Mord: Ein Fall mit offenen Fragen

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