Buddhistisches Kalmückien: Das Goldene Kloster des Shakyamuni

Reise
NIKOLAJ SCHEWTSCHENKO
Diese Mönche praktizieren Astrologie, buddhistische Medizin und führen Menschen durch spirituelle Rituale, während sie auf den Besuch des Dalai Lama warten.

Diese Nachkommen der alten Mongolen, bekannt als Kalmücken, leben im Süden Russlands und sind die einzige buddhistische Nation in Europa. Sie haben diesen buddhistischen Tempel gebaut, um ihre Religion zu bewahren, nachdem die sowjetische Regierung versucht hatte, sie abzuschaffen.

Die Kalmücken verloren als Nation die Gunst der Sowjetregierung, nachdem viele von ihnen während des Bürgerkriegs dem Vormarsch der Roten Armee in den russischen Süden widerstanden hatten und später, nach der Besetzung ihres Landes durch die Nazis, eine Zusammenarbeit unter den Einheimischen auslösten.

1943 von ihrem Land vertrieben, lebten die Menschen in der gesamten Sowjetunion verteilt, bis die sowjetische Regierung ihnen 1956 die Rückkehr erlaubte. Die buddhistischen Gläubigen konnten jedoch erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit dem Wiederaufbau ihrer Schreine beginnen.

Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, segnete im Jahr 2014 den Bau des „Goldenen Klosters des Buddha Shakyamuni“, eines der größten europäischen buddhistischen Heiligtümer in Russland, als er 2014 Elista, die Hauptstadt der Republik Kalmückien, besuchte.

Der Schrein hat im Dezember 2005 offiziell seine Pforten geöffnet. Seine Eröffnungszeremonie wurde dem kalmückischen Neujahrsfeiertag Sul gewidmet und erinnerte gleichzeitig an den Tag der Deportation.

Nach der buddhistischen Tradition beherbergt der Tempel, unter anderem, eine Residenz für den Dalai Lama. Die Wohnstätte befindet sich auf der fünften Etage des Schreins und besteht aus einem Kabinett, einem Saal für eine Audienz mit dem buddhistischen Führer, einem Schlafzimmer und einer Küche.

Obwohl der Dalai Lama sich nie in seiner russischen Residenz aufgehalten hat, halten die russischen Buddhisten den fünften Stock immer frei und sind jederzeit bereit, sollte ein Besuch in der Zukunft stattfinden.

Jedoch besuchten schon andere berühmte und spirituelle Menschen den Schrein. Der Schauspieler Steven Seagal erregte bei den buddhistischen Kalmücken im Jahr 2007 große Aufregung, als er den Tempel besuchte. Der Schauspieler wurde Ehrenbürger von Kalmückien und erhielt eine Wohnung vom Präsidenten des Landes.

Das „Goldene Kloster des Buddha Shakyamuni“ ist berühmt für seine neun Meter große Buddha-Statue, die mit Gold überzogen ist. Es ist die größte Buddha-Statue in ganz Europa.

Im Tempel dienen 27 Menschen, darunter auch Mönche. Sie praktizieren Astrologie, buddhistische Medizin und führen Menschen durch spirituelle Rituale. Viele von ihnen studierten ihr Handwerk in buddhistischen Tempeln Indiens.

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