AN-148: Wie sicher ist dieser Flugzeugtyp?

Am 11. Februar ist im Moskauer Gebiet ein Passagierflugzeug vom Typ AN-148 mit 71 Menschen an Bord abgestürzt. Russia Beyond hat nachgeforscht, wie zuverlässig das Flugzeug  ist.
Die Maschine RA-61704 vom Typ AN-148 der Saratov Airlines am 6. Mai 2017 am Flughafen Moskau-Domodedowo

Beim Flugzeugabsturz einer Antonow-148 der Saratov Airlines auf dem Weg von Moskau-Domodedowo nach Orsk (Gebiet Orenburg) sind am Sonntag 71 Personen ums Leben gekommen. Die Absturzursachen sind noch immer ungeklärt. Bei den Ermittlungen werden auch mögliche technische Fehler untersucht.

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Die AN-148 gehört zur Familie der zweimotorigen Düsenflugzeuge und ist für den Passagier-, Lasten- sowie gemischten Verkehr auf Kurz- und Mittelstrecken geeignet. Das neue Modell wurde Mitte der 90er Jahren von einem russischen und einem ukrainischen Flugzeugbauer gemeinsam erarbeitet. Damit war die AN-148 der direkte Nachfolger der rein sowjetischen Kurzstreckenflieger.

Die AN-148 besitzt eine mittlere Pfeilung der Tragflächen sowie ein T-Leitwerk. Sie ist ein günstiger Flieger, der für kurze Flüge mit bis zu 80 Fluggästen an Bord gedacht ist.

Den westlichen Flugzeugbauern Boeing und Airbus allerdings konnte die Antonow auf dem ausländischen Markt nie ernsthaft Konkurrenz machen. Fluggesellschaften in Europa und dem Nahen Osten nahmen sie darum nie in ihren Flugpark auf. Russische Fluglinien kauften jedoch 35 Flieger dieses Modells. Ihr Vorteil: Sie können auf praktisch jedem Flugplatz landen, auch in den abgelegenen Kleinstädten mit Landebahnen in schlechterem Zustand.

 „Flugzeuge AN-148 werden heute für Inlandflüge genutzt – auch einzelne Abteilungen des Verteidigungsministeriums und des Zivilschutzes nutzen sie, ebenso mehrere kleinere Fluggesellschaften“, sagte der ehemalige Boeing-777-Pilot Alexej Gawrilenko gegenüber Russia Beyond. „Das ist ein wenig anspruchsvolles Flugzeug, das bis zu 4000 Kilometer ohne Zwischentanken zurücklegen kann.“

Die Produktion der AN-148 werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl kaum eingestellt, da das Modell relativ neu ist und die Ursachen des Flugzeugabsturzes am Sonntag gerade erst untersucht würden. Dennoch müsse, so Gawrilenko weiter, erwähnt werden, dass vor einigen Jahren schon einmal eine AN-148 einen Unfall bei einem Testflug hatte.

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Der erste Unfall einer AN-148 jedoch ereignete sich 2011, als das Flugzeugbauunternehmen Flugshows für potentielle ausländische Kunden organisierte. Der Experte erinnert sich: „Damals überzog der Pilot die äußerste Höchstgeschwindigkeit des Flugzeugs und flog damit praktisch aus dem Luftstrom heraus. Das Flugzeug zerbrach damals praktisch direkt in der Luft.“

Falls sich nun allerdings herausstellen sollte, dass die Tragödie im Moskauer Gebiet durch technische Fehler verursacht wurde, müssten tatsächlich sämtliche Flugzeuge des Typs AN-148 neu kontrolliert werden, so Gawrilenko. So würden sie zwar zeitweise ausfallen, nach bestimmter Zeit jedoch sicher in den Flugverkehr zurückkehren.

Eine AN-148 der Fluggesellschaft

Technische Daten:

Crew: 2 Personen

Fluggastplätze: 80 Personen

Länge: 29 Meter

Höhe: 8 Meter

Tragflächenspannweite: 29 Meter

Maximales Startgewicht: 43.700 Kilogramm

Geschwindigkeit: 870 Stundenkilometer

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