Fußball in der UdSSR: Vom schweren Anfang bis zum Europameistertitel

Ivan Shagin/Sputnik
Nach dem Zerfall des Zarenreiches lag der russische Fußball am Boden. Sowjetische Mannschaften sahen sich international lange einer politischen Blockade ausgesetzt. Erst 1947 wurde das Land in die FIFA aufgenommen. 1960 gewann die UdSSR den Europameistertitel.

Als das russische Reich im Jahre 1917 unterging, verschwand auch die Nationalmannschaft von der Bildfläche. Die Spieler verschlug es in die ganze Welt, einige kämpften im 1. Weltkrieg, andere betätigten sich in der Wissenschaft, wieder andere arbeiteten sogar für den britischen Geheimdienst.

Nach den Wirren des Bürgerkriegs begann sich ein neuer Staat zu formieren. Für die Führung des Landes stellte die internationale Isolation der sowjetischen Mannschaft ein Problem von untergeordneter Bedeutung dar. Diese Einstellung änderte sich dank der Türkei im Jahre 1924 radikal.

Die Mannschaft der Türkei gehörte nicht zu den stärksten. Bei den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris überstand die türkische Mannschaft nur ein Spiel und verlor gegen die Tschechoslowakei. Nun wollte man unbedingt gegen das sowjetische Team antreten, das keiner kannte.

Nachdem die Türkei das Einverständnis der FIFA eingeholt hatte, sendete sie eine offizielle Anfrage an die Sowjetunion mit dem Vorschlag, ein Freundschaftsspiel beider Nationalmannschaften zu veranstalten. Die Sowjets trommelten ihren Obersten Rat für Fragen der Körperkultur zusammen, der das Spiel absegnete und das Trikot der Mannschaft festlegte, rote T-Shirts und weiße Hosen.  

Der Enthusiasmus und die Vorfreude kannten keine Grenzen. Das Freundschaftsspiel war für den 16. November 1924 angesetzt und sollte in Moskau stattfinden. Es handelte sich um den ersten Besuch einer Mannschaft eines anderen Landes und die Sowjetpropaganda maß ihm große Bedeutung bei.

Als der Tag des Spiels näher kam, wurde die neue sowjetische Mannschaft zusammengestellt. Michail Butusow, ein Sprössling einer bekannten Fußball-Dynastie, und, überraschenderweise ein O-beiniger Spieler, wurde zum Kapitän ernannt.

Am Tag des Spiels schrieb die sowjetische Zeitung “Roter Sport”: “Die Menschen konnten kaum glauben, dass das Spiel am 16. November tatsächlich durchgeführt würde. Es hat die ganze Woche geschneit, der Boden war gefroren und das Spielfeld war mit Eis bedeckt. Ungeachtet all dieser Unbilden fand die Begegnung statt. Es kamen mehr als 15 000 Zuschauer – ein Rekord für Moskau und die UdSSR.“

Die Mannschaft der UdSSR gewann das Spiel 3:0. Der relative leichte Sieg über eine Mannschaft von überschaubarer Stärke wurde als Triumpf des sowjetischen Sports über die politische Blockade der kapitalistischen Länder gegen die UdSSR gefeiert. Der Erfolg leitete eine Renaissance der verloren gegangenen russischen Fußballtradition ein.  

Ein Revanche-Spiel fand am 15. Mai in Ankara statt und endete mit einem 2.1 für die sowjetische Mannschaft. Diese Nachricht löste in der Heimat einen Jubelsturm aus.  

Allerdings erlosch der Jubel so schnell wie er gekommen war. Die FIFA lehnte weitere Spiele der sowjetischen Nationalmannschaft ab. Die UdSSR wurde erst 1947 Mitglied der FIFA. Ungeachtet der Tatsache, dass die sowjetischen Spieler von großen Spielen ausgesperrt blieben, entwickelte sich der Fußball im Land weiter. 1928 wurde das einmalige Dynamo-Stadion in Moskau eingeweiht.

Am 22. Mai 1936 bildete ein Spiel von Dynamo Leningrad gegen Lokomotive Moskau den Auftakt für die erste Landesmeisterschaft von Vereinsmannschaften in der UdSSR.

Der Fußball eroberte schnell die Herzen der Sowjetbürger im ganzen Land. 1940 fand das erste Fußballspiel in der Arktik statt.

Während der harten Jahre des Zweiten Weltkriegs vereinte der Fußball die Menschen und gab ihnen Hoffnung. So fand ein berühmtes Spiel zwischen dem Fußballclub Dynamo und Arbeitern des Leningrader Metallurgischen Werkes statt, von denen viele zuvor in professionellen Mannschaften gespielt hatten.

Als der Krieg endlich zu Ende war, fand ein historischer Besuch der Mannschaft von Dynamo Moskau in Großbritannien statt. Dort spielten die sowjetischen Spieler gegen die besten Clubs aus England, Wales und Schottland, Chelsea und Arsenal unter ihnen. Die sowjetischen Spieler gewannen zwei von vier Begegnungen. Die anderen beiden Partien endeten Unentschieden. Diese Erfolge ebneten den Weg zu einer Mitgliedschaft in der FIFA im Jahre 1947.

Die sowjetische Mannschaft erkämpfte sich schnell internationalen Respekt. Im Jahre 1960 schlug sie Jugoslawien mit einem 2:1 im Endspiel des Europokals der Nationen und wurde somit Europameister.

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