Vergifteter Kaugummi: 5 beängstigende sowjetische Geschichten über Machenschaften aus dem Ausland

Alexander Kislow
Die UdSSR hatte viele falsche Horrorgeschichten, die mehr über die Ängste der Führung der Kommunistischen Partei als über das sowjetische Volk aussagten.

Sowjetische Propaganda suchte oft überall nach Feinden und sah verborgene Bedeutungen, auch wenn es keine gab. Zahlreiche falsche und beängstigende zeitgemäße Geschichten ermöglichten es den Menschen oft, alles zu „erklären“, was sie für unverständlich oder ungewohnt hielten, insbesondere wenn es aus dem Ausland stammte. Hier sind fünf der unheimlichsten und weit verbreitetsten Geschichten.

  1. Mao Zedong ist von den Toten auferstanden

Bald nachdem Stalins Personenkult denunziert worden war, begannen sich die Beziehungen zwischen der UdSSR und China zu verschlechtern. China startete eine Kampagne mit antisowjetischer Propaganda. Sowjetbürger befürchteten eine chinesische Militärinvasion sowie Sabotageakte innerhalb des Landes durch Maos Anhänger. Sie wurden einer Gehirnwäsche unterzogen, dass eine chinesische Bedrohung bestünde. Solche Befürchtungen spiegelten sich in zeitgemäßen Mythen wider, die Ende der 1960er Jahre die Runde machten.

Hier ein Beispiel: Eine sowjetische Frau kaufte einen chinesischen Teppich und hängte ihn an die Wand. Nachts hörte ihr Sohn, der nebenan schlief, einen schrecklichen Schrei und rief die Polizei. Sie fanden die Frau tot und mit einem entsetzten Gesichtsausdruck. Ein raffinierter Polizist machte das Licht aus und jeder sah ein schreckliches Bild auf dem neuen Teppich im Dunkeln leuchten: Mao Zedong lag in einem Sarg, die Hände über der Brust gefaltet.

Einer allgemein verständlichen Version zufolge, wurde das bizarre Phänomen folgendermaßen erklärt: Um ihrem Führer Tribut zu zollen, exportierten die Chinesen bestickte Teppiche mit Maos Bild in phosphoreszierenden Fäden in die UdSSR, damit die Menschen dort sich zu Tode erschreckten.

  1. Die Amerikaner und ihre Biowaffen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die sowjetische Landwirtschaft durch den Kartoffelkäfer bedroht, der die Kartoffelernte zerstörte. Nach Angaben des sowjetischen Landwirtschaftsministers war die Käfer-Invasion auf amerikanische Sabotage zurückzuführen. Diese neuartige Geschichte verbreitete sich schnell und wurde in vielen sowjetischen Zeitungen sowie in denen der Ostblockländer gedruckt.

Die hungrigen Kreaturen wurden an immer mehr Orten gesichtet, während Tausende von Schulkindern auf die Felder geschickt wurden, sie von Hand zu sammeln und sogar auf den Feldern nach Giftampullen zu suchen.

Übrigens tauchte in den 1970er Jahren eine andere Version dieser Geschichte auf. Es wurde behauptet, die Amerikaner hätten Zecken in Ampullen entlang der Gleise der Baikal-Amur-Eisenbahn ausgesetzt, deren Bau fast abgeschlossen war.

  1. Spionagegeräte, die Menschen nackt zeigen

Obwohl James-Bond-Filme in der UdSSR nicht gezeigt wurden, erreichten Gerüchte über unglaubliche Spionagegeräte das sowjetische Volk. Geschichten über die Wunder der westlichen Technologie, die „zu allem fähig“ sind, waren erschreckend. Viele davon waren aus irgendeinem Grund mit virtuellem Striptease verbunden. Zum Beispiel gab es einen neuartigen Mythos über spezielle japanische Brillen, durch die man Menschen nackt sehen könne.

Es gab auch Legenden über Ausländer, die sowjetische Frauen in Badeanzügen an Stränden auf einem speziellen roten Film fotografierten. Als der Film entwickelt wurde, verschwanden die Badeanzüge und die boshaften Ausländer druckten obszöne Nacktbilder von sowjetischen Frauen. Dann verbreiteten sie diese „Pornografie“ in ihrer Heimat mit dem Ziel, die Würde der UdSSR zu beschmutzen.

  1. Vergifteter Kaugummi und Süßigkeiten

Ausländer durften selten hinter den Eisernen Vorhang reisen. Als Ende der 1950er Jahre internationale Jugendfestivals in der UdSSR stattfanden, hatten die Sowjets Angst vor der „Invasion“ von Gästen aus dem Ausland. Diese Angst spiegelte sich unweigerlich in neuen urbanen Geschichten, die von „gefährlichen Geschenken“ erzählten. Die Leute glaubten, dass diese Ausländer Kindern vergiftete Süßigkeiten schenkten oder von Füllfederhaltern und Spielzeugen mit Bomben oder Gift befüllt.

Ein Gegenstand, von einem Mysterium mit besonderer Bedrohung umgeben, war Kaugummi, von dem alle sowjetischen Kinder trotz der „Gefahr“ träumten. Nach diesen Geschichten sollten Ausländer Kaugummi mit Mikronadeln und Glasscherben versehen haben.

Darüber hinaus wurden Geschenke wie Kaugummi und Süßigkeiten von gerissenen Kapitalisten als Akt der Überlegenheit wahrgenommen. Es gab ein Gerücht, dass Ausländer Fotos davon machten, wie sie sowjetischen Kindern Leckereien gaben, und dann, als sie diese Bilder zu Hause zeigten, sagten, dass sowjetische Kinder auf den Straßen bettelten.

  1. Gefährliche jüdische Ärzte

In den frühen 1950er Jahren wurde in der UdSSR ein Strafverfahren gegen Ärzte eingeleitet, die angeblich vorhatten, Joseph Stalin und die Parteielite zu vergiften. Das bekannte „Ärzte - Komplott“ wurde von Gerüchten einer jüdischen Verschwörung begleitet. 

Es gab Anlass zu abscheulichen Geschichten: Einer sagte, dass hinterhältige jüdische Ärzte verhaftet wurden.  Als sie gefasst wurden, behaupteten sie, dass Tausende von anderen ihr Vorhaben fortsetzen würden. Andere behaupteten, dass Ärzte durch Impfungen an Schulen Kindern Krebs und Tuberkulose verabreichten oder Ärzte mit Blei oder Draht gefüllte Pillen verteilten.

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