Der Kokoschnik: Acht faszinierende Fakten über die russische Kopfbedeckung

Legion Media
Dank einer aufsehenerregenden Aufnahme während der Fußball-WM ist die russische Kopfbedeckung, der Kokoschnik, wieder in aller Munde. Lesen Sie hier die acht interessantesten Fakten zur Entstehung und Verbreitung des russischen Kopfschmucks.
  1. Sie werden oft für Kronen gehalten

Das Bild, auf dem zwei Männer und eine Frau in der 120. Minute des nervenaufreibenden Spiels Russland gegen Spanien Hot Dogs mampften, ging erst vor kurzen um die Welt. Viele behaupteten jedoch sofort, dass die Drei keine Kokoschniki, sondern Kronen, das heißt Kopfbedeckungen, die das Haar nicht bedecken, sondern nur den Kopf einrahmen, tragen würden.

Wie auch immer, der entscheidende Unterschied zwischen einer Krone, die beispielsweise Kate Middleton bei der Taufe des neugeborenen Louis trug, und einem Kokoschnik ist der hohe, hahnenschwanzförmige Kamm, von dem sich auch der Name dieses Kopfschmucks ableitet. Im Alten Russland wurde ein Hahn nämlich als „Kokosch“ bezeichnet.

  1. Sie wurden nur von verheirateten Frauen getragen

Es war für verheiratete Frauen im alten Russland Pflicht, ihre Köpfe bedeckt und ihre Haare versteckt zu halten. Ein Stück Stoff wurde dafür auf den Kamm des Kokoschniks genäht, das den Kopf und manchmal auch den Hals bedeckte.

Es war allgemein möglich, den Status einer Frau anhand ihrer Haare und ihres Kopfschmuckes zu bestimmen. Ein langer Zopf bedeutete, dass ein Mädchen heiratsfähig war. Manchmal, wenn ihr eigenes Haar nicht ausreichte, flochten russische Frauen sogar Pferdehaar dazu, um der Öffentlichkeit zu demonstrieren, dass sie gesund und in der Lage waren, viele Kinder zu bekommen.

Verheiratete Frauen pflegten indessen ihre Haare zu zwei Zöpfen zu flechten und sie um ihren Kopf zu binden.

  1. Sie wurden ausschließlich an Feiertagen getragen

Kokoschniki wurden oft aus teurem Stoff und Perlen gefertigt. Sie wurden sorgfältig gepflegt und nur einige Male pro Jahr bei größeren Anlässen getragen. Oft handelte es sich dabei um Familienerbstücke, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Im Alltag trugen die russischen Frauen hingegen den Powojnik, einen weichen Hut, mit einem umgebundenen Schal, um ihr Haar zu verbergen.

  1. Es gibt viele Varianten

Fast jede Region in Russland hatte ihre eigene Interpretation dieses Kopfschmucks. Die berühmteste Variante ist der spitze oder „einhörnige“ Kokoschnik mit seinem bekannten dreieckigen oder halbmondförmigen hohen Kamm. Es gab auch Kokoschnikvarianten in Zylinderform mit einer flachen, runden Basis oder die sattelförmigen, die einem Helm ähnlich sehen.

  1. Sie wurden von den Zaren für politische Zwecke benutzt

Peter der Große unterdrückte während seiner Regierungszeit zunehmend die Bojaren, die russische Adelsschicht, und verbot den Hofdamen, diesen Kopfschmuck zu tragen. Stattdessen führte er europäische Dekolleté-Kleider in die Welt der russischen Mode ein – ein doppeltes Problem für verheiratete Frauen. Danach wurde der Kokoschnik zunehmend mehr mit russischen Kaufleuten und Bauern assoziiert.

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Die in Deutschland geborene Katharina die Große, die ihren Respekt vor den russischen Traditionen betonen wollte, brachte den Kokoschnik jedoch wieder als Kleidungselement zurück und posierte sogar damit für Portraits.

Katharina II. in russischer Tracht von Stefano Torelli

Während des Krieges mit Napoleon kehrte im Jahr 1812 der einst frankophile russische Adel zu seinen Wurzeln zurück, so dass im Laufe des 19. Jahrhunderts die Porträts von Hofdamen und Zarinnen, die den russischen Kopfschmuck trugen, wieder salonfähig wurden.

  1. Sie wurden auf Spielkarten abgebildet

Im Jahr 1903 hielt Nikolaus der Zweite einen berühmten Kostümball ab und feierte den 290. Jahrestag des Hauses Romanow. Die Mitglieder der Beau Monde trugen zu diesem Anlass edle russische Kleidung aus der Zeit vor der Europäisierung, die reich mit Juwelen und teuren Stoffen geschmückt war. Die Damen trugen Sarafans und Kokoschniki.

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Es wurden zahlreiche Fotos von den prächtigen Kostümen auf dem Ball geschossen, die im Jahr 1913 daraufhin auf der Rückseite der Russkij-Stil-Spielkarten erschienen. Sogar der letzte Zar Nikolaus der Zweite war darauf als König der Herzen zu sehen.

Übrigens wurde auch das goldene Reisekostüm der Königin Amidala in Star Wars von diesem Ball inspiriert.

  1. Sie waren in den 1920er Jahren auch in Europa verbreitet

Anna Pawlowa

Mit Hilfe russischer Emigranten und Tänzer trugen schon bald auch europäische Bräute die Kokoschniki, wie zum Beispiel Maria von Teck, die Frau des britischen Thronfolgers Georg dem Fünften, bei ihrer Hochzeit. Aber auch Opernsängerinnen, Schauspielerinnen und modebewusste Frauen wie die Ballerina Anna Pawlowa, die in Djagilews Ballets Russes in einem Kokoschnik auftrat, sind in Fotochroniken jener Jahre mit dem traditionellen russischen Kopfschmuck zu sehen.

  1. Sie gingen in die Popkultur ein

Chanel

Im Jahr 2009 präsentierte Karl Lagerfeld bei der der Paris-Moscou-Pre-Fall-Kollektion von Chanel seine Kokoschnik- und Matrjoschkainterpretationen.

Courtney Love

Im Jahr 2011 trat Courtney Love in einem Kokoschnik beim russischen Afisha-Picnic-Musikfestival auf. Drei Jahre später wurde Jennifer Lopez in einer modernen Version des traditionellen Kopfschmucks für das Modemagazin „Harper's Bazaar“ abgelichtet.

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