Russland im Hollywood-Kino: Elf peinliche Filmfehler

Kultur
ANNA SOROKINA
In vielen Hollywood-Filmen spielt Russland eine Rolle. Oft kommt es dabei jedoch zu Filmfehlern, insbesondere im Zusammenhang mit der russischen Schrift und Sprache. Aber auch andere eigenartige Fehler gibt es.

Independence Day (1996)

Dass die Welt kurz vor ihrer Zerstörung steht, bleibt auch im russischen Fernsehen nicht unbemerkt. Allerdings heißt der dargestellte Nachrichtensender immer noch „Soviet Central News“, obwohl die Sowjetunion schon 1991 zusammengebrochen war. (00:15:01)  

Auch die Karte von Russland ist etwas eigenartig. Nowosibirsk heißt scheinbar Nowosjojrsk, Moskau liegt im Ural und Sankt Petersburg heißt wie schon zwischen 1914 und 1924 Petrograd.

Das Hauptquartier des russischen Militärs liegt gut getarnt neben einer Kirche. Aber was nützt die Tarnung, wenn die Kampfflugzeuge deutlich als solche erkennbar sind? (01:42:00)

Im Inneren des Hauptquartiers ist es dann scheinbar wieder 1914: Warum sonst sollte das russische Militär Kerzen anstelle von elektrischem Licht verwenden?

Die Bourne-Identität (2002) und Die Bourne-Verschwörung (2004)

Bis zur 17. Minute ist der Film eigentlich erfreulich fehlerarm. Dann findet Bourne aber seinen russischen Pass, der ihn als Ащьф ЛШТШФУМ ausgibt. Umgeschrieben bedeutet das so viel wie Aschtschf Lschtschfum. Ausgesprochen wird dies aber angeblich „Foma Kinjajew”. Insbesondere im Vergleich zu Aschtschf Lschtschfum ein relativ gewöhnlicher russischer Name.

Im zweiten Teil Die Bourne-Verschwörung versuchten die Filmemacher, diesen Fehler auszubügeln. Ganz gelang ihnen dies aber immer noch nicht. Durch das überflüssige „I“ (И) wird aus Kinjajew Kinijajew. Auch Moskau wird wieder Moscou geschrieben. (1:18)

Fantastic Four (2005)

Das russische Schiff heißt Головка пальца ноги, also frei übersetzt „Kopf eines Zehs“.

RocknRolla (2009)

In Guy Ritchies Film verleihen russische Oligarchen ihren Forderungen nicht nur verbal Nachdruck. Ihre russischsprachigen Dialoge sind dabei mit englischen Untertiteln versehen, die nicht immer dem Gesagten entsprechen. Der Satz „Ich will, dass du auf diese Schlange aufpasst“ wurde zum Beispiel mit „Ich will, dass du und der Zar auf sie aufpasst“ übersetzt. Welcher Zar? (00:49:00)  

RED – Älter, Härter, Besser (2010)

Jeder weiß, dass es in Russland immer kalt ist. Also ist natürlich auch vor der russischen Botschaft überall Schnee und Marvin muss eine Mütze und einen Mantel tragen. Das Botschaftsgebäude wird selbstverständlich mit einem Bären dekoriert.

Im Inneren sehen wir viele Schilder. Eines davon bedeutet so viel wie „vorsichtige Analyse“ («Тщательный анализ»). Was Sostrasanne ist (und warum es 45 Prozent hat) wissen wir allerdings auch nicht. Auch Format Direktiwy ist kein bekanntes russisches Wort. Auf anderen Schildern sind dagegen willkürlich aneinandergereihte kyrillische Buchstaben zu sehen.

Iron Man 2 (2010)

Auch wenn Russland in diesem Superheldenfilm eine wichtige Rolle spielt, hatten die Filmemacher offensichtlich keine russischsprachigen Berater. Auf dem Bildschirm in Minute 17 steht zum Beispiel “Теперь” (Jetzt) anstelle von „Live“ oder „US-Senatoren eine Frage Tony Stark“ statt „US-Senatoren befragen Tony Stark“.

In der Szene, in der die bösen Roboter Ausstellungsbesucher jagen, wird ein Bildschirm gezeigt, auf dem Englisch „Target“ steht. Darunter steht auf russisch „verbietet, die im Dokument enthaltenen Links aufzurufen“ (запрещает проход по ссылкам, имеющимся в документе). Später wird das Wort „verbietet“ (запрещает) durch das Wort „erlaubt” (разрешает) ersetzt. (1:39:00)

Salt (2010)

In einem Film über eine russische Geheimagentin ist es nur logisch, dass die Produzenten überall kyrillische Worte einstreuen. Aber braucht sie wirklich einen Wimpel mit der Aufschrift „Für die Teilnehmer des Tschetschenienkonflikts“ auf ihrem CIA-Bürotisch? Warum dann nicht gleich Matrjoschkas und Balalaikas? (00:05:26)

Orlows Befragung: Wassili anstatt Wassiljewitsch (00:09:11)

Mission: Impossible - Ghost Protocol (2011)

Das neue Russland wirkt zunächst ziemlich cool: Die Wände im Gefängnis sehen aus wie in der Eremitage. (00:02:14)

Nach wie vor hat Hollywood Probleme mit der russischen Sprache: Die kyrillischen Buchstaben auf dem Bildschirm ergeben in dieser Form keinen Sinn. (00:04:28)

Es ist 2011, aber ein Gespräch von einer Telefonzelle im Moskauer Stadtzentrum aus kostet immer noch zwei sowjetische Kopeken. (00:17:45 und 00:19:48)  

Dieselbe alte Telefonzelle entpuppt sich als Vorrichtung für geheime Kommunikation und verhilft Tom Cruise so zu russischen Dokumenten, die ihn als Anatoli Fjodorow ausgeben. Mit dieser Identität möchte er in den Kreml eindringen. (00:18:37)

Dort angekommen heißt er dann plötzlich Alexander Samochwalow (00:22:49)

Auf den Straßenschildern wird der Rote Platz in einer seltsamen Mischung aus Englisch und Russisch als „Red Stschuare“ (Ред Счуаре) bezeichnet. (00:36:25)

Warum steht auf den geheimen Koffern „Status des russischen Nuklearsprengkopfs“?

Das russische Alphabet hat 33 Buchstaben, auf der Tastatur des Schurken sind aber nur 29. (01:49:18)  

A Good Day to Die Hard (2013)

Am Anfang sehen wir eine russische Akte über den Sohn von John McClane (Bruce Willis). Das Datum wird im Russischen allerdings nicht im amerikanischen Datumsformat geschrieben.

Später versuchen die Helden, mit einem gestohlenen Maybach unbemerkt über die russisch-ukrainische Grenze zu kommen (im realen Leben eher nicht empfehlenswert). Ohnehin ist es eher unwahrscheinlich, dass man ein Auto dieser Preisklasse mit einem Dietrich aufbrechen kann, ohne dass die Alarmanlage losgeht. (00:59:00)  

In den USA ist es üblich, auf Ortseingangsschildern auch die Einwohnerzahl der Ortschaft anzugeben. In Russland und der Ukraine macht man dies nicht. Im Film sehen wir aber ein Ortsschild mit der Aufschrift „Prypjat, 50.000 Einwohner“. (01:02:38)

John Wick (2014)

Die russische Mafia nennt Wick „Baba Jaga“. „Baba Jaga” ist eine Hexe aus einem alten Märchen, die im Wald lebt, Kinder isst, und auch sonst eher wenig mit Keanu Reeves alias John Wick gemeinsam hat.

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Fast & Furious 8 (2017)

Im achten Teil der berühmten Autorennfilmreihe geht es für die Helden in die fiktive Region Wladowin in der russischen Arktis. Mit einem Supersportwagen ist die Gegend jedoch eher schwer zu erreichen. (01:29:45)

Warum steht auf dem Helikopter „GEFÄHRLICH“ (ОПАСНО)? (01:31:00)  

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