Sieben Tipps, um in einem russischen Studentenwohnheim zu überleben

Alexei Filippov/TASS
Das Leben in der Obschaga, einem russischen Studentenwohnheim, kann für ausländische Studenten ein Kulturschock sein. Die folgenden Tipps und Tricks von Russia Beyond helfen Ihnen, sich dort zurechtzufinden.

Obschagas gründen auf dem Gedanken, dass russische Studenten arm sind – Luxus wird man also dort kaum vorfinden können. Manchmal hat man vielleicht etwas Glück, doch allgemein freuen sich nur wenige ausländische Studenten darüber, in einer russischen Obschaga wohnen zu müssen. Machen Sie sich jedoch keine Sorgen! Das Leben in einem russischen Wohnheim ist mit den folgenden Tipps einfacher, als es auf den ersten Blick scheint.

1 Lassen Sie alles in Ihrem Zimmer

Bei den meisten Obschagas handelt es sich um Gebäude aus der Sowjetzeit, in denen die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht und soweit geht, dass sogar Privatbesitz zum Gemeineigentum wird. Sie möchten beispielsweise im Gemeinschaftskühlschrank teure Lebensmittel lagern? Seien Sie bereit, sie wie ein KGB-Agent zu bewachen. Sie möchten Ihre Toilettenrollen unbenutzt vorfinden? Das ist zwar verständlich, jedoch recht unwahrscheinlich.  

„Ich habe meine Kochutensilien in der Küche stehen lassen, damit diese von allen benutzen werden können“, erzählt uns Ciara, eine irische Austauschstudentin am Moskauer Gorki-Literaturinstitut. „Innerhalb einer Woche war alles verschwunden. Drei Monate später sah ich meine Pfanne vier Stockwerke über uns. Ich habe keine Ahnung, wie sie dahin gekommen ist.“ Willkommen im Obschaga-Dschungel.

2 Freunden Sie sich mit dem Sicherheitsdienst an

Die Ochranniki, das Sicherheitspersonal in russischen Wohnheimen, führen für gewöhnlich ein ziemlich langweiliges Leben. Oftmals leben sie in demselben Gebäude, in dem sie arbeiten und machen aus diesem Grund nichts lieber, als Ihnen willkürliche bürokratische Steine in den Weg zu legen.

„Ich habe an einem Morgen versucht, eine Freundin ins Wohnheim mitzubringen. Sie haben mir einen Stapel Papiere zum Ausfüllen gegeben und mir gesagt, dass sie nur eine Stunde bleiben kann“, erzählt uns Ciara. „Im selben Moment hat ein anderes Mädchen, das den Ochranniki einige Blumen brachte, einfach genickt und ihre Freundin in ihr Zimmer geführt.“

Was auch immer Sie tun, legen Sie sich also nicht mit dem Sicherheitsdienst an, sondern bauen Sie ein freundschaftliches Verhältnis mit ihnen auf. Ihr Sozialleben könnte davon abhängen.

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3 Eignen Sie sich einige handwerkliche Fähigkeiten an

Es mag zwar sein, dass die Ochranniki im Hausflur das Sagen haben, doch in Ihrem Zimmer sind Sie – und die vielen Leute, mit denen Sie es wahrscheinlich teilen – der Chef. Das bedeutet, dass Sie in dem Raum viel tun und lassen können, in einigen (aber nicht allen) Fällen heißt das sogar, dass Sie die Tapeten entfernen oder neue Möbel kaufen können.

Der Nachteil daran ist, dass es in den Räumen kaum zu nennenswerten Renovierungen kommt. Bröckelnde Wände und Fensterrahmen sind durchaus normal und es bleibt Ihnen überlassen, wie und ob Sie das Problem lösen.

„Ich fand mal ein Bild aus dem Jahre 1955 von meinem Zimmer und es sah buchstäblich genauso aus wie heute“, sagt Daniel, ein Austauschstudent an der Moskauer Staatlichen Universität.

4 Üben Sie sich in Pantomime

Es sind jedoch nicht nur westliche Studenten, die nach Russland kommen, um zu studieren. Wahrscheinlich werden Sie sogar feststellen, dass die meisten Ihrer Mitbewohner aus Ländern wie China, Korea und Bangladesch stammen. Da nicht jeder Englisch spricht, ist Russisch meist die Sprache, in der in Wohnheimen kommuniziert wird. Wenn Sie also noch kein Russisch gelernt haben oder mit jemandem sprechen möchten, der weder Englisch noch Russisch spricht, sollten Sie darauf vorbereitet sein, auf Zeichensprache zurückgreifen zu müssen.

Einige Pantomimegespräche sind dabei einfacher zu führen, als andere. Mit der Geste „Kann ich diesen Becher verwenden?“ sollten Sie zum Beispiel nicht so viele Probleme haben. Bei den „persönlichen Ambitionen im Leben“ könnte das Gespräch jedoch schwierig werden.  

Für Alice, eine französische Studentin an der Moskauer Staatlichen Universität, waren die Pantomime kein Freundschaftshindernis: „Ein Junge schrieb mir ein Gedicht auf Koreanisch. Ich hatte keine Ahnung, worum es darin ging, doch man merkte, dass es von Herzen kam.“

5 Nehmen Sie sich bei Ihrem Besuch des Badezimmers Zeit

Man kann das nicht genug betonen: Wenn Sie Pech haben, werden Sie das Badezimmer mit ungefähr dreißig anderen Leuten teilen müssen. Das heißt, Sie werden oft Schlange stehen, um ins Bad zu gelangen. Seien Sie also wachsam und planen Sie durchschnittlich etwa zehn Minuten Wartezeit ein.

Sollten Sie morgens duschen wollen, müssen Sie sich auf das frühe Aufstehen gefasst machen. „Ich bin an meinem ersten Morgen in Russland um acht Uhr aufgestanden und habe gedacht, dass ich als Erste duschen werde“, erzählt uns Juliette, eine kanadische Studentin an der Moskauer Hochschule für Wirtschaft. „Stattdessen standen schon fünf Mädchen vor mir da.“

6 Geben Sie eine Party

Wenn Sie Russen treffen und Ihre Sprachfähigkeiten im Wohnheim verbessern möchten, sollten Sie nicht zögern, eine kleine Party in Ihrem Zimmer zu geben. Russen mögen zwar zunächst einen distanzierten und uninteressierten Eindruck machen, doch mit etwas Mühe können Sie schnell mit ihnen warm werden. Und wenn es Essen und Alkohol gibt, werden Sie feststellen, dass die Russen gegenüber Ihren Grammatikfehlern sehr nachsichtig sein können.

Wenn Sie darüber hinaus bedenken, dass die Tapete bereits von Ihren Wänden abblättert, kann diese Party also das einzige Mal in Ihrem Leben sein, wo es Ihnen egal ist, ob man Ihr Zimmer verwüstet. Packen Sie also die Gelegenheit beim Schopf. Sollten Sie jedoch Probleme mit den Ochranniki bekommen, haben Sie diese Idee nicht von uns…

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7 Improvisieren Sie. Passen Sie sich an. Handeln Sie kreativ und lösungsorientiert.

Wenn Sie einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine in Ihrem Wohnheim haben, haben Sie Glück gehabt. Die überwiegende Mehrheit der ausländischen Studierenden muss jedoch eine kreative Lösung für diese Probleme finden.

„Ich hatte in meinem Zimmer eine „kalte Platte“ aus Marmor, im Wesentlichen also einen mittelalterlichen Kühlschrank“, sagt Naomi, eine schottische Studentin am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen. „Ich habe sie neben dem Fenster aufbewahrt und sie hat sich im Winter als eine ganz gut funktionierende Lösung herausgestellt. Der Geruch von rohem Huhn im Zimmer war der einzige Nachteil dabei.“

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