Comeback-Chance? Warum Europa wieder über South Stream spricht

Employees stand near pipes made for the South Stream pipeline at the OMK metal works in Vyksa in the Nizhny Novgorod region

Employees stand near pipes made for the South Stream pipeline at the OMK metal works in Vyksa in the Nizhny Novgorod region

Reuters
Verschiedene Medien in Bulgarien, Ungarn und Österreich berichten von einer möglichen Wiederaufnahme des Pipeline-Projektes, das 2014 unterbrochen worden war.

Arbiter der OMK-Metallwerke in Wyksa im Gebiet Nischnij Nowgorod an für den South Stream gedachten Rohrleitungen  / ReutersArbiter der OMK-Metallwerke in Wyksa im Gebiet Nischnij Nowgorod an für den South Stream gedachten Rohrleitungen / Reuters

Seit Anfang Juni tauchen immer wieder Nachrichten über die einst geplante South-Stream-Pipeline in den Medien auf - drei Jahre nach der Unterbrechung des Projektes. Über die mögliche Wiederaufnahme des Pipeline-Baus berichteten mehrere europäische Medien sowie der ungarische Außenminister Péter Szijjártó. Dabei gibt es noch keine offizielle Information des russischen Gasriesen Gazprom, von dem die Idee des Projektes South Stream stammte. Und auch das russische Energieministerium hat mitgeteilt, dass man keinen weiteren Bau plane. Und doch könnte eine Wiederaufnahme des Projektes möglich werden, sagen die von RBTH befragten Experten.

Worüber berichten die Medien da eigentlich?

Anfang Juni teilten ungarische Medien mit, dass es heimliche Verhandlungen über den weiteren Ausbau der Pipeline zwischen Moskau, Budapest und Belgrad gebe. Unter anderem sagte Ungarns Außeminister Szijjarto am 2. Juni 2017, dass Russland, Ungarn und Serbien die Gespräche über die Errichtung der Gaspipeline South Stream wieder aufnehmen wollten. 

Am 9. Juni zitierte die bulgarische Zeitung „Capital“ namentlich noicht genannte Staatsbeamte und schrieb, dass die bulgarische Regierung weitere Verhandlungen mit dem russischen Gazprom über die Möglichkeiten führe, die Gaslieferung nach Südeuropa wiederherzustellen. Man diskutiere, ob die Pipeline als Turkish Stream durch die Türkei oder durch Bulgarien verlaufen solle. Im zweiten Fall würde Bulgarien seine Rolle als Transitland behalten. 

Der österreichische „Standard“ teilte am 13. Juni mit, dass Europas größter Ölkonzern OMV und Gazprom über eine mögliche Wiederaufnahme des Projekts diskutierten. In diesem Falle hätte OMV als österreichischer Konzern einen Vorteil und Österreich selbst würde zum größten Gaseigner Europas. 

Das erneute Interesse an dem Thema wurde durch das Telefongespräch des bulgarischen Präsidenten Rumen Radew mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin geweckt. Im Rahmen dieses Gespräches hatten die Regierungschefs die bilaterale Zusammenarbeit im Energiebereich besprochen, hieß es aus dem Pressedienst des Kremls am 19. Juni.  

Warum der South Stream gestoppt wurde

Der 15,5 Milliarden Euro teure South Stream sollte ursprünglich etwa 67 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Europa liefern.Als Projektführer agierte die Gazprom-Tochter South Stream Transport. Die Hauptroute der Pipeline sollte über Bulgarien, Serbien, Ungarn, Slowenien und Italien verlaufen.Doch im Dezember 2014 hatte Russland den Bau aufgrund der unsicheren Position Bulgariens aufgegeben und danach die Anteile der Partner Eni, EdF und Wintershall eingelöst.

South-Stream-Comeback: Geht das überhaupt?

Heute erwägt Gazprom alternative Projekte in Richtung Europa: Die größten sind  der Nord Stream 2 mit 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr und der Turkish Stream, der mit zwei Leitungen insgesamt 15,75 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr liefern sollte. „Gazprom hat schon genug Gaspipeline-Projekte in südlicher Richtung“, sagt Alexander Sobko, Analytiker des Energie-Zentrums der Business-Schule Skolkowo, skeptisch. 

Aber eine Rückkehr zum South Stream seit trotzdem grundsätzlich möglich. Man könnte dafür eine Strecke des sich bereits im Bau befindenden Turkish Streams verwenden, meint Sobko. „Oder die Wiederaufnahme des South Stream könnte mit der zweiten Gaspipeline des Turkish Stream verbunden werden, durch die Gas nach Süd-Ost-Europa fließen sollte. In diesem Fall ist es kaum wahrscheinlich, dass Bulgarien wieder Mitglied des Projektes wird, da der South Stream ja eben wegen dieses Landes eingefroren worden war", so der Experte.

Außer Bulgarien gibt es aber noch ein mögliches Transitland in Europa – Griechenland. Von Griechenland würde das Rohr dann durch Mazedonien, Serbien und Ungarn bis nach Österreich führen. So könnte die Route des South Stream aussehen, meint Sobko. „Das einzige Problem kann die begrenzte Leistungsfähigkeit der Rohre werden und dementsprechend die Kostspieligkeit des Pipeline-Baus in der Berechnung auf das geförderte Kubikmeter Gas“, betonte der Analyst. 

Welche Faktoren spielen noch mit?

Auch Sergej Koroljow vom Finanzunternehmen Alor-Broker meint, dass eine Rückkehr zum South Stream möglich sei - trotz aller bereits in den Turkish Stream und Nord Stream 2 gesteckten Gelder. "Europa braucht dringend eine zur Ukraine alternative Gastrantransportroute und Gazprom kann eine solche gewährleisten", so Koroljow. "Dabei stören nur die zweitweisen politischen Meinungsverschiedenheiten. Darum kann letztlich jedes der drei genannten Projekte ausfallen."

Eine mögliche Wiederaufnahme der Verhandlungen zum South Stream müssten vielmehr im Kontext der allgemeinen geopolitischen Lage im Nahen Osten bewertet werden, meint dagegen Oleg Bogdanow von TeleTrade. "Möglicherweise hat Moskau nach den Blokaden Katars entschieden, alle möglichen Varianten von Kooperationen mit europäischen Staaten im Energiebereich weiter zu verfolgen, da nur das Vorhandensein Auswahl mehrerer Varianten - Nord Stream 2, Turkish Stream, South Stream - gute Chancen für Manöver und Handel eröffnet, besonders angesichts der extrem unflexiblen Position Kiews beim Thema Gastransit", so Bogdanow. 

Insgesamt brächten solche Verhandlungen letztlich noch viel mehr politische Vorteile als wirtschaftliche, schließt der Experte.

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