Die acht besten Bücher über das Leben unter den russischen Zaren

Aus der Verfilmung von „Krieg und Frieden“ (1968)

Global Look Press
Die Romanow-Dynastie begeistert Leser aus vielen Ländern. Aber wie gestaltete sich unter ihrer Herrschaft das Leben der gewöhnlichen Menschen, ob sie nun Adlige oder Bauern waren? Wir haben die stimmungsvollsten Bücher zusammengestellt, um Ihnen eine Vorstellung davon zu vermitteln.

  1.  Eugen Onegin von Alexander Puschkin  

Dieser Vers-Roman wird die „Enzyklopädie des russischen Lebens“ genannt. Hier finden Sie in der Tat Beschreibungen des provinziellen Lebens der Gutsherren. Es werden Hofbälle und Besuche im Theater sowie das Verfahren der Partnersuche beschrieben. Puschkin weiht den Leser aber ebenso liebevoll in die geheimen Träume der Adelstöchter, die Gewohnheiten kaltblütiger Damen der Gesellschaft und in den Alltag eines jungen Dandys ein. 

  1. Die Hauptmannstochter von Alexander Puschkin 

Die Geschichte beschreibt die historische Epoche des Bauernaufstandes unter der Führung von Jemeljan Pugatschow, der sich als Zar ausgab. Die Handlung beschreibt einen jungen Adligen, der aus seinem häuslichen Nest in die Ferne geschickt wird, um in einer abgelegenen Festung zu dienen. Er wird von einem Erzieher begleitet, zu dessen Entsetzen der junge Luftikus zuerst eine große Summe beim Kartenspiel verliert, seinen warmen Pelz einem wildfremden Mann schenkt (wie sich später herausstellt, wird diese unbekümmerte Tat das Leben des Helden retten), sich dann duelliert und schließlich als Spion Pugatschows ins Gefängnis wandert.

Das Buch beschreibt das Leben in einer kleinen Festung und die unschuldige Liebe. Es zeigt die „sinnlose und rücksichtslose“ russische Rebellion und Katharina die Große als strenge, aber faire Herrscherin.

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  1. Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi

Es gibt wohl kein detailgetreues Buch über das russische Leben: Hier finden Sie eine Beschreibung Moskaus, St. Petersburgs und des Dorflebens, von Grundbesitzer, der feinen Gesellschaft, von Bauern und Soldaten. 

Tolstoi beschreibt Gespräche über Politik und die Sorgen über den Krieg mit Napoleon. Er geizt bei der Beschreibung der Schlachtszenen nicht mit Worten; er stellt dar, wie es war, ein Husar im Krieg zu sein, Champagner zu trinken und einen Bären auf ein Bankett mitzubringen... Es geht unterm Strich also um Amüsement, das Militär und das Leben der feinen Gesellschaft. 

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  1. Der Mantel“ von Nikolai Gogol

Gogol beschrieb das Leben eines Durchschnittsmenschen, eines gewöhnlichen Kanzleischreibers. Akakij Baschmatschkin lebt in St. Petersburg und man kann sich vorstellen, wie gering sein Gehalt ist, da er seit vielen Jahren den gleichen Mantel trägt. Als der Schneider sagt, dass er diesen nicht mehr für den nächsten Winter flicken könne und man einen neuen schneidern müsse, gerät Baschmatschkin in Panik. Buchstäblich sein ganzes Leben liegt jetzt in diesem neuen Mantel. 

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  1. Oblomow“ von Iwan Gontscharow

„Ich wünschte, ich müsste nicht arbeiten, sondern könnte den ganzen Tag auf dem Sofa liegen!“ Aber wie kann ein Mensch in der Blüte seines Lebens nichts tun und nirgendwo arbeiten? Im Russischen Reich gab es genug von ihnen. Sie haben geerbt und lassen es sich gut gehen. Und wenn es sich bei dem Erbe dann auch noch um ein Landgut mit Leibeigenen handelt, haben sie ausgesorgt! 

Ilja Oblomow kann nur durch die Liebe von seiner Couch gelockt werden – aber nicht für lange. Der Roman erzählt von der Trägheit und den Gefühlen eines gewöhnlichen Gutsbesitzers und Adligen.

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  1. Die Dämonen“ von Fjodor Dostojewski

Der tiefgläubige Dostojewski beschäftigt sich mit der Generation junger Menschen, die sich nach der Abschaffung der Leibeigenschaft im Jahr 1861 herausgebildet hatte. Sie waren eine Art Revolutionäre, die die sozialen Normen in Frage stellen und ihre schädlichen Ideen waren wie Dämonen, die sich über die Stadt verbreiten und das Leben der gewöhnlichen Provinzbewohner vergifteten. 

Nikolai Stawrogin, einer der Hauptfiguren, ist eine düstere Persönlichkeit, Kommunist und Atheist. Er ist unverfroren und pfeift auf die Verhaltensnormen: Er macht kein Hehl aus seinen Beziehungen zu jungen Frauen – das war im 19. Jahrhundert ungeheuer verwegen. Mit seiner Rückkehr aus dem Ausland beginnt in der kleinen Provinzstadt das Unglück: Brände, Duelle, Streitigkeiten. 

Ein weiterer Revolutionär, der gerissene Manipulator Pjotr Werchowenskij, gründet eine Geheimgesellschaft, deren Grundidee darin besteht, dass es die Menschen sind, die Gott in sich tragen (und nicht der Zar). Um die Geheimgesellschaft zu festigen, organisiert er die Ermordung eines unschuldigen Mannes.

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  1. Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow

Die Verarmung der aristokratischen Gutshöfe und die nachlassende Rolle des Adelsstandes wird von Tschechow auf ähnliche Weise auch in seinem berühmten Werk Drei Schwestern betrachtet. Im Kirschgarten gibt es eine ganze Palette Darstellungen von Adligen der alten und neuen Generation – sowohl schmarotzende Einwanderer als auch umtriebige Unternehmer. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielten Menschen aus anderen sozialen Schichten, wie zum Beispiel Diener, eine zunehmende Rolle. Bei Tschechow sind sie wie Familienmitglieder, obwohl sie bis dahin in der Literatur nur von sehr geringer Bedeutung waren.

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  1. Peter der Große“ von Alexei Tolstoi

Der Roman über Peter I. erzählt von den ersten Jahren dessen Herrschaft. Tolstoi beschreibt virtuos die Personen in seinem Umfeld, die um des Zarenreichs willen nicht vor Intrigen und Lügen zurückschrecken: die gewiefte Schwester, die tatsächlich das Land regiert, und die Hofschranzen, die seine Befehle ignorieren. 

Peter versucht im Gegenzug, sich mit einfachen Menschen zu umgeben, denen er persönlich vertraut – sei es der deutsche Lefort oder Alexander Menschikow. Beide hätten aufgrund ihrer niederen Herkunft an Hofe eigentlich keine Chancen gehabt. 

Beim Lesen sollte man daran denken, dass der Roman auf Wunsch Stalins geschrieben wurde, so dass der Autor deutlich mit der starken Persönlichkeit Peters sympathisiert. Dieser verschont nicht die einfachen Menschen, um sein Hauptziel zu erreichen: die Schaffung eines Imperiums und die entschlossene Entwicklung des Staates.

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