Baby an Bord: Eine russische Familie reist mit ihrem Kind um die Welt

Aus dem persönlichen Archiv
Irina Lugowaja, eine in Moskau lebende PR-Beraterin, befindet sich gerade mit ihrem Mann und ihrem Kleinkind auf einer einjährigen Weltreise. Russia Beyond hat mit ihr über die schönen Aspekte und die Herausforderungen ihrer Reise gesprochen.

Erzählen Sie uns von Ihrer Reise. Wann sind Sie aufgebrochen und wann planen Sie zurückzukommen? 

Unsere Reise begann im Oktober 2017 und wir planten, für ein Jahr zu verreisen und Ende September dieses Jahres wieder zurückzukehren. Bisher haben wir Sizilien, Korsika, Moncofa bei Valencia, Bavaro in der Dominikanischen Republik und San Cristobal de las Casas in Mexiko besucht. Wir haben uns entschieden, in jedem Land einen Monat zu verbringen, um zu vermeiden, dass es zu stressig für uns wird, außerdem ist es billiger, eine Wohnung für längere Zeit zu mieten.

Im März sind wir dann etwas mehr gereist. Wir waren zehn Tage in Mexiko-Stadt, sieben Tage in Sydney, vier Tage in Melbourne und jetzt sind wir bis Ende dieses Monats in Bali. Danach planen wir nach Südkorea und von Juni bis September durch Russland zu reisen.

Warum haben Sie sich entschieden, mit Ihrem Kind zu reisen?

Manche Leute sagen uns, dass wir sehr mutig sind, mit einem kleinen Kind zu reisen, aber wir sind in unserem Leben schon immer häufig verreist, so hatten wir einfach keine andere Wahl, als uns anzupassen. Serjoscha, unser Sohn, hat sich sehr schnell daran gewöhnt. Im Alter von eineinhalb Jahren ist er bereits in zwölf Ländern gewesen und hat 17 Flüge einschließlich eines 15-stündigen Transpazifikflugs hinter sich. Ich hatte schon immer ein Interesse für neue Orte und merke, wie er sich freut, wenn ich ihm sage, dass wir bald in ein Flugzeug steigen.

Alles begann im Januar 2014, als wir zum ersten Mal nach Portugal fuhren, um Moskaus Tristesse zu entfliehen. Es ist absolut machbar, in Europa am Meer zu leben. Es gibt dort viel mehr Sonne, eine entspannte Atmosphäre und frische Nahrungsmittel. Im darauffolgenden Jahr verbrachten wir den Januar in Griechenland, etwas außerhalb von Athen. Im Jahr 2016 sind wir mit unserem Sohn nach Sizilien gefahren. Damals war er erst drei Monate alt. Letztes Jahr haben wir dann den Januar und Februar in Montenegro verbracht. Es war großartig und ich wusste, dass es uns gut tut, die frische Meeresluft zu atmen und Vitamin D zu tanken.

Deshalb fragten wir uns in diesem Sommer, als wir uns überlegten, wo wir unseren nächsten Winter verbringen sollten: Warum sollen wir nur den Winter über weg sein? Warum sollen wir nicht für eine längere Zeit verreisen? Mein Mann schlug seinem Arbeitgeber, der Online-Reiseagentur Biletix.ru, vor, die Rolle als Markenbotschafter in seine PR-Dienste einzubauen, während er auf der ganzen Welt arbeitet und sie stimmten zu.

Was muss man beachten, wenn man sich auf eine solche Reise vorbereitet?

Wir haben dafür gesorgt, dass unsere gesamten elektronischen Geräte gut funktionieren und uns bestimmte Dinge, die im Ausland manchmal schwer zu bekommen sind, wie beispielsweise Kontaktlinsen oder Medizin, auf Vorrat gekauft. Wir gingen ebenso zu ein paar Ärzten, um uns komplett durchchecken zu lassen und so die Risiken, sollten wir im Ausland eine medizinische Versorgung benötigen, zu minimieren.

Was die Versicherungen betrifft, schließen wir jeden Monat neue ab, da wir manchmal nicht wissen, wo unsere nächste Reise hingeht. Manchmal lohnt es sich preislich auch mehr, wenn man die Versicherung für ein bestimmtes Land und nicht weltweit abschließt. Wir haben keine besonderen Impfungen machen lassen, weil wir nicht vorhatten, in gefährliche Länder zu reisen.

Da wir uns zu verschiedenen Jahreszeiten in verschiedenen Ländern aufhalten, war es wichtig, über unsere Kleidung nachzudenken und etwas für jedes Wetter dabei zu haben. Das war sehr schwierig, da wir nur zwei Gepäckstücke hatten, die jeweils nur 23 Kilogramm wiegen durften. Ich musste uns sogar Vakuumbeutel besorgen, um all unsere Sachen hinein zu bekommen.

Wie verwaltet man seine Finanzen während der Reise?

Mein Mann arbeitet während unserer Reise und wir finanzieren die Reise im Grunde durch das, was er verdient. Natürlich haben wir im Voraus zusätzlich etwas Geld gespart, aber wir versuchen, nicht darauf zurückzugreifen. Unser Budget planen wir sorgfältig. Die Emotionen und Eindrücke, die wir auf dieser Reise sammeln, sind so einprägsam und lebendig, dass sich das Reisen in unseren Augen absolut lohnt. Zudem haben wir auch einen „Notumschlag“ dabei, für den Fall, dass etwas passiert und wir plötzlich wieder nach Hause fliegen müssen.

Welche Situationen, die Ihnen widerfahren sind, waren besonders einprägsam und interessant?

In fast jedem Land, in dem wir waren, traten ein paar unerwartete Situationen auf. In Sizilien brach sich mein Mann beim Joggen den Arm. Es stellte sich heraus, dass die Versicherung diese Verletzung nicht abdeckt und natürlich mussten wir sie später wechseln. Glücklicherweise hatte der Gastgeber der Wohnung, in der wir wohnten, meinen Mann eine eigene Versicherung unterzeichnen lassen. Er musste einen Monat lang einen Gips tragen, was bedeutete, dass wir, als wir von Sizilien nach Korsika reisten, nur drei Hände zur Verfügung hatten. Das war bei zwei schweren Koffern, zwei Rucksäcken, einer großen Tragetasche und einem Baby in einem Kinderwagen eine ziemliche Herausforderung.

Was würden Sie anderen Leuten raten, die eine Reise mit einem Kind in Betracht ziehen, aber zu viel Angst davor haben?

Ich würde sagen, dass es am wichtigsten ist, zu schauen, wie man sich fühlt. Kinder spüren die Gefühle der Eltern sehr deutlich. Wenn Sie also zu ängstlich oder zu nervös sind, wird sich auch Ihr Baby gestresst fühlen und die Reise gegebenenfalls für alle in einen Albtraum verwandeln. Wenn Sie jedoch zuversichtlich sind und glauben, dass alles gutgeht, kann die Reise großartig werden. Genießen Sie es zu verreisen? Die Kinder auch. Es kann auf jeden Fall eine der schönsten Erinnerungen Ihres Lebens werden.

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