Dossier: Aus der bewegten Geschichte des Moskauer Kremls

Legion Media
Der Moskauer Kreml mit seinen mächtigen Mauern und zwiebelturmgeschmückten Kirchen ist das Symbol Moskaus, Russlands und seiner Macht in der Welt – so war es unter den frühen russischen Zaren (bis zu Peter I.) und auch heute gilt das für die russische Staatsführung.

Lange Vorgeschichte

Das Wort Kreml steht im Russischen für eine mittelalterliche Festung im Zentrum einer alten russischen Stadt. Die erste an der Stelle des heutigen Moskauer Kremls wurde Mitte des 12. Jahrhunderts gebaut. Erstmals erwähnt wurde Moskau 1147.

Unter Fürst Iwan Kalita wurde 1340 der Bau einer mächtigeren Holzfestung abgeschlossen. Unter Fürst Dmitrij Donskoj wurden dann in den Jahren 1366-1367 Mauern aus weißem Stein gebaut. Erst 1485-1495 errichteten italienische Meister die heute noch bestehenden Mauern und Türme aus rotem Backstein.  

Als eine eigene Stadt in der Stadt wurde der Moskauer Kreml im Laufe von vielen Jahrhunderten weiter aus- und umgebaut. Und so können Sie dort heute Denkmäler der russischen Architektur aus über fünf Jahrhunderten bewundern.

Auf diesem 360-Grad-Video sehen Sie den Moskauer Kreml aus der Vogelperspektive.

Nach der Revolution 1917

Während der bolschewistische Aufstand in der damaligen Hauptstadt Petrograd (heute Sankt Petersburg) am 25. Oktober relativ schnell und blutlos verlief, dauerten die Kämpfe in Moskau mehrere Tage lang an und forderten Hunderte Tote. Der Kreml, das Herz der heutigen Hauptstadt, litt am meisten.

Der fünfzackige rote Stern wurde kurz nach der Machtergreifung der Bolschewisten zum wohl wichtigsten sowjetischen Symbol. Aber erst 1937 – genau 20 Jahre nach der Revolution 1917 – wurden die Sterne auf den Kreml-Türmen installiert. Sie ersetzten das Symbol des zaristischen Russlands – den Doppeladler.

Die roten Sterne überlebten all die stürmischen Zeiten der jüngsten russischen Geschichte. Sie erinnern noch heute an die kommunistische Vergangenheit des Landes. Ihre Zukunft jedoch wird diskutiert.

Als Folge der antireligiösen Propaganda der neuen sowjetischen Regierung wurden 1929 das Tschudow- und das Wossnesenski-Klöster im Kreml abgerissen. Hier dehen Sie noch einmal die zehn wichtigsten, aber verloren gegangenen historischen Denkmäler.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion

Seit 1990 gehört der Moskauer Kreml zur Unesco-Weltkulturerbeliste. 1991 wurden seine Museen zum Staatlichen Museumskomplex “Moskauer Kreml” zusammengefasst. In den Museen und ihren Lagern befinden sich Millionen von Ausstellungsstücken, Tausende sind in den Ausstellungen zu sehen. Russia Beyond hat für Sie die sieben Kunstwerke ausgewählt, die Sie unbedingt gesehen haben müssen.

Seit nunmehr 16 Jahren leitet Jelena Gagarina, Kunsthistorikerin und Tochter des ersten Kosmonauten Juri Gagarin, die Kreml-Museen. Im Interview mit Russia Beyond erzählt sie von ihrer Arbeit und den Schwierigkeiten, die es seit der Einführung der Sanktionen bei der Organisation internationaler Ausstellungen gibt.

Aber auch schon auf dem Kremlhof gibt es zahlreiche sehenswerte Artefakte, die berühmte Zarenglocke auf dem Iwanow-Platz zum Beispiel. Wie ihre Namensvetterin, die Zarenkanone, erhielt die Glocke ihren Namen aufgrund ihrer Größe. Vor kurzem wurde der Ton, den sie machen könnte, mit einer Computersimulation geschaffen. Mit mehr als 200 Tonnen ist sie eine der größten und schwersten Glocken der Welt, wurde jedoch nie benutzt.

Die größte Kanone der Welt, die Zarenkanone, hat ihren pompösen Namen verdient: Sie sollte einst die Zarenresidenz, den Kreml, verteidigen. Angeblich hat sie nie einen Schuss abgefeuert. Stimmt das?

Der berühmteste der Kreml-Türme ist der Spasski-Turm. Er war stets Haupteingang des Kremls, sein Tor führt direkt auf den Roten Platz. Die Uhr am Spasski-Turm ist auch ein Symbol der Silvesternacht in Russland. Beim Läuten der Glocken wird das alte Jahr verabschiedet und das neue begrüßt.

Das Glockenspiel dieser berühmten Uhr hatte Peter I. im 17. Jahrhundert in Holland gekauft. 1852 unterzog die Firma der dänischen Uhrmacher Brüder Butenop den Mechanismus einer Generalüberholung. Seitdem kann das Glockenspiel auch vollständige Lieder spielen. Sehen Sie, wie Russlands wichtigstes Uhrwerk tickt!

Seit 1991 ist der Kreml die offizielle Residenz des russischen Präsidenten. Als Russlands wichtigste Festung, wird sie von Geheimdiensten und einem besonderen Armeeregiment bewacht.

Auch wenn der Wachwechsel am Kreml nicht so berühmt ist wie der am Londoner Buckingham Palace, ist es dennoch interessant, mehr über diese Soldaten zu erfahren. Wir haben mit einem Kommandeur der Kreml-Wache gesprochen.

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen